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Milchpreiskonflikt verursacht im
Norden Schaden in Millionenhöhe
Plenum äußert
Verständnis für Bauern,
appellierte aber an ethische Grundsätze
Kiel (lno/SHL/18.06.)
Einen Tag vor dem geplanten Milchgipfel bei
Bundes-Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) hat der
Landtag auf den weiter schwelenden Konflikt um die drastisch
gesunkenen Erzeugerpreise
reagiert und eine kritische Bestandsaufnahme gemacht. Der
CDU-Agrarexperte Claus Ehlers (Foto)
setzte sich in einer von der Koalition geforderten Aktuellen
Stunde für Fusionen der 14 Meiereien im
Land ein. Damit könne mit den Discountern auf Augenhöhe
verhandelt werden. Ehlers verwies darauf, dass der Erzeugerpreis
von 46 Cent je Liter auf bis zu 28 Cent gesunken sei – bei
Produktionskosten von 35 bis 40 Cent: "Da werden massive
Verluste gemacht."
Ehlers
kritisierte auch das Vorgehen eines Teils der Bauern in dem
Milchpreiskonflikt: "Ich kann nicht verstehen,
dass Milch weggekippt und Meiereien
blockiert werden". Kein Verständnis habe er auch dafür,
dass die EU die Milchquote erhöht habe und weiter
aufstocken wolle.
Die
SPD-Abgeordnete Ulrike Rodust bezeichnete es als "ethisch
nicht zu vertreten", wenn "Milch
in Gülle gegossen wird". Die Bauern müssten über ihre
Lage auch im internationalen Maßstab aufgeklärt
werden und sollten stärker auf Qualität
und mehr Ökomilch statt auf Quantität setzen.
Auch nach Ansicht des FDP-Abgeordneten Günther Hildebrand sei das
Wegkippen von Milch aus ethischen Gründen nicht
nachvollziehbar; angesichts der Verzweiflung
der Bauern müsse man für sie aber Verständnis
haben.
Boetticher:
"Politik kann keine
Preise machen"
Landwirtschaftsminister
Christian von Boetticher (CDU/Foto)
äußerte Verständnis für den
Milchlieferstreik von Bauern, lehnte Aktionen zu Lasten
Anderer aber ab. Den Schaden im Norden durch Ausfall beim Milchgeld
bezifferte er auf sieben Millionen Euro. Hinzu kämen 2,5 Millionen
infolge der Meierei-Blockaden. "Politik kann keine Preise
machen", betonte der Minister.
Das sah Detlef
Matthiessen von den Grünen anders. Er warf der Landesregierung
eine Mitverantwortung für die Milchpreiskrise vor. Der
Grünen-Politiker begründete dies damit,
dass sich Landwirtschaftsminister von Boetticher
an der für 2015 geplanten Abschaffung der Milchquote beteiligt
habe. Dies würde zu einer weiteren Industrialisierung der Landwirtschaft
beitragen. Die kleineren Betriebe müssten gestärkt werden,
forderte Matthiessen.
Das bestehende
planwirtschaftliche System müsse abgebaut
werden, verlangte Lars Harms (SSW) und setzte sich
für mehr Markt ein.
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Hintergrund:
In einer Aktuellen Stunde debattiert der Landtag
über die Auswirkungen des Milchlieferboykotts auf die
Landwirtschaft und auf die Milchwirtschaft in
Schleswig-Holstein.
Ende Mai
haben bundesweit Milchbauern gegen die ihrer Auffassung nach
zu niedrigen Milchpreise protestiert, unter anderem mit
Lieferboykotts und der Blockade von Molkereien. Nach Angaben
des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) haben sich 70
Prozent der deutschen Milchbauern an dem Streik beteiligt.
Ihr Vorwurf: Der zwischen den Molkereien und dem
Einzelhandel vereinbarte Abnahmepreis bringe die Landwirte
an ihr Existenzminimum. Sie verweisen auf gestiegene
Energie- und Futterpreise. Medienberichten zufolge bekamen
die Bauern im Lande im April 38 Cent und im Mai 35 Cent für
den Liter Milch. Zur Kostendeckung sei aber ein Literpreis
von 43 Cent nötig, heißt es.
350.000 schleswig-holsteinische Kühe
geben 2,5 Milliarden Liter Milch
Aufgrund der
Proteste haben mehrere Einzelhandelsketten Anfang des Monats
den Preis für einen Liter Milch um sieben Cent angehoben.
Die Milchviehhalter bemängeln allerdings, dass
Milchprodukte wie Butter, Käse, Quark und Joghurt nach wie
vor zu billig angeboten würden und erwägen deshalb neue
Demonstrationen.
Der
Milchpreis wird in Verhandlungen zwischen den
deutschlandweit rund 100 Molkereien und ihren Abnehmern
ausgehandelt. Die 100.000 Milchbauern in Deutschland
wiederum sind in der Regel durch langfristige Verträge, zum
Beispiel als Genossenschaftsmitglieder, an die Molkereien
gebunden und erhalten von ihnen einen Anteil am Gewinn, das
so genannte Milchgeld.
Angaben der
Landwirtschaftskammer zufolge gibt es in Schleswig-Holstein
rund 5.400 Milchbauern. Ihre 350.000 Kühe produzieren
jährlich knapp 2,5 Milliarden Liter Milch.
Stichwort:
Über eine bestimmte
Frage von allgemeinem Interesse kann eine Aktuelle Stunde
von einer Fraktion oder von mindestens fünf Abgeordneten
beantragt werden. Der Antrag muss spätestens zwei Tage vor
Sitzungsbeginn gestellt werden.
Die Redebeiträge
einzelner Abgeordneter dürfen nicht länger als fünf
Minuten dauern. Die Redezeit der Mitglieder der
Landesregierung sollte dreißig Minuten nicht überschreiten.
In der Aktuellen Stunde haben die Fraktionen die Möglichkeit
eines "letzten Wortes". Sie können auf die Ausführungen
eines Ministers antworten, auch wenn die für die
Abgeordneten insgesamt vorgesehene Redezeit von 60 Minuten
bereits abgelaufen ist.
Eine Aktuelle
Stunde findet auch statt, wenn während einer Fragestunde
ein Fragesteller die Beantwortung durch die Landesregierung
für unzureichend hält. Die Aussprache muss unmittelbar
nach Schluss der Fragestunde verlangt und durchgeführt
werden.
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