Wärmeplan: Keine
Aufheizung der Elbe durch neue Kraftwerke
Landtag warnt Wirtschaft davor,
"Horrorszenarien" zu verbreiten

Die Elbe bei Brunsbüttel
Kiel (SHL/18.06.) Der neue Wärmelastplan
für die Elbe, mit dem Schleswig-Holstein, Hamburg und
Niedersachsen die Temperatur von Wasser-Einleitungen in den Fluss
auf unter 30 Grad begrenzen wollen, ist im Landtag auf ein
positives Echo gestoßen. Der geplante Erlass, der derzeit von
einer Arbeitsgruppe aus den drei Bundesländern erarbeitet wird,
sei ein „wichtiges Instrument für Natur- und
Umweltschutz", hieß es im Plenum.
Der Aussprache lag ein Bericht von Umweltminister
Christian von Boetticher (CDU) zu Grunde Der Minister verwies auf
den aktuellen Anlass der neuen Regelung: An der Elbe steht der Bau
von mehreren großen Kohlekraftwerke an, etwa in Brunsbüttel,
Stade und Hamburg-Moorburg. Die Einleitung des verbrauchten
Kühlwassers aus diesen Anlagen dürfe nicht zu einer
zusätzlichen Belastung der Lebewesen im Fluss führen, so von
Boetticher.
Derzeitige Einleitungsgrenze liegt bei 35 Grad
Der Wärmelastplan sieht vor, dass das von
Kraftwerken und Fabriken in den Fluss geleitete Abwasser in
Zukunft nach der Durchmischung mit dem Flusswasser maximal 28 Grad
warm sein darf. Die bisherige Grenze stammt aus dem Jahr 1973 und
liegt stellenweise bei 35 Grad. Die Regelung soll für den
Unterlauf der Elbe von Geesthacht bis zur Mündung gelten.
Neuansiedlungen müssten sich ab sofort daran halten, alt
eingesessene Firmen hätten eine Übergangsfrist bis 2012. Der
Grund für die geplante Beschränkung: Mit steigender Temperatur
sinkt der Sauerstoffgehalt. Dies gefährdet Fische.
Die Wirtschaft befürchtet allerdings
Millioneneinbußen und den Verlust von Arbeitsplätzen. Es wird
darauf verwiesen, dass kostspielige Investitionen in
Rückhaltebecken oder in Kühltürme nötig wären. Die
Abgeordneten warnten in diesem Zusammenhang insbesondere Hamburger
Wirtschaftsvertreter davor, „Horrorszenarien" zu
verbreiten.
Grüne plädieren für Kraft-Wärme-Kopplung
Detlef Matthiessen (Grüne), dessen Fraktion den
Bericht angefordert hatte, bezeichnete es allerdings als „Skandal",
dass solche Pläne überhaupt nötig seien. Denn: Anders als etwa
in Dänemark seien die Großkraftwerke an der Elbe nicht in der
Lage, die anfallende Wärme im Rahmen einer Kraft-Wärme-Kopplung
nutzbar zu machen anstatt sie in den Fluss zu leiten.