Das
Expertengutachten des Sozialministeriums, das der
Lübecker Sozialmediziner Prof. Heiner Raspe vom
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UK S-H) erstellt
hat, kommt demgegenüber zu einem anderen Schluss: „Wir
fanden keine Hinweise auf eine soziale Diskriminierung von
GKV-Versicherten im Sinne einer fehlenden
Chancengleichheit." Im Gegenteil: „Der Anteil der
‚privat versicherten’ bei den
Transplantationspatienten ist mit 11,6 Prozent im
Vergleich mit der deutschen Bevölkerung (12,1 Prozent
laut Mikrozensus 2003) sowie der Bevölkerung
Schleswig-Holsteins (13,3 Prozent laut Mikronzensus 2003)
nicht erhöht, sondern niedriger."
Ministerium: Datenerhebung der DSO ungenau
Den Grund
für die vermeintlich erhöhten Spende-Zahlen bei den
Privatpatienten sieht der Bericht in einer fehlerhaften
und uneinheitlichen Datenerfassung durch die Deutsche
Stiftung Organtransplantation (DSO) und durch die Stiftung
Eurotransplant. So seien laut Transplantationszentrums
Kiel Personen, über die keine Daten vorlagen, zum Teil
als Selbstzahler und damit als „privat versichert"
eingeordnet worden. Prof. Raspe fordert vor diesem
Hintergrund eine „national einheitliche
Kategorienbildung zum Versichertenstatus" für die
Berichte der DSO.
Schleswig-Holstein Schlusslicht
Nach
Angaben der DSO sind in Deutschland im vergangenen Jahr
4.139 Organe gespendet worden. Das waren fünf Prozent
mehr als 2006 und so viele wie nie zuvor. Bundesweit haben
1.313 Menschen nach ihrem Tod mit einer Spende geholfen.
Damit keine Patienten sterben, die auf der Warteliste für
ein neues Organ stehen, müssten bundesweit pro Jahr 900
Herzen, 1.100 Lebern, 3.500 Nieren, 400 Lungen und 400
Bauchspeicheldrüsen zur Transplantation freigegeben
werden. Das geht aus einer Studie der Techniker
Krankenkasse (TK) hervor, die sich auf Zahlen der DSO
beruft. Die DSO weist darauf hin, dass in Deutschland
täglich drei Menschen sterben, die auf ein fremdes Organ
warten
Im
Ländervergleich sind die Schleswig-Holsteiner nach
Angaben der TK beim Organspenden das Schlusslicht. Im
vergangenen Jahr haben 31 Menschen im Lande ihre Organe
gespendet. Das entspricht einer Quote von 10,9 Spendern je
eine Million Einwohner (Bundesschnitt: 16 Spender auf eine
Million Einwohner). Die Landesregierung will hier mit
Kampagnen im Rahmen des „Organspendesommers 2008"
gegensteuern.
Schmidt für
Eintrag auf der neuen Gesundheitskarte
Unterdessen
hat Bundsgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD)
vorgeschlagen, die Bereitschaft zur Organspende nicht nur
durch einen Spenderausweis zu bekunden, sondern auch auf
der geplanten neuen Gesundheitskarte abzuspeichern.