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Auf dieser Seite: Tätigkeitsbericht der Bürgerbeauftragten

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Bericht der Bürgerbeauftragten für soziale Angelegenheiten des Landes Schleswig-Holstein bei dem Präsidenten des Schleswig-Holsteinischen Landtages
Tätigkeitsbericht 2007
Drucksache: 
16/2022 (pdf)
-Plenarprotokoll-

Immer noch viele Mängel
im Hartz IV-Bereich...

...beklagt die Bürgerbeauftragte für soziale Angelegenheiten des Landes / 
Plenum fordert Behörden zum Handeln auf

Kiel (SHL/19.6.) Sozialbehörden und Arbeitsagenturen müssen kundenfreundlicher werden. Diese Forderung hat der Landtag geschlossen an die Verwaltung gerichtet. Anlass war die Debatte über den Jahresbericht der Bürgerbeauftragten für soziale Angelegenheiten, Birgit Wille-Handels. Darin werden den Ämtern zahlreiche Missstände vorgeworfen, insbesondere im Bereich Hartz IV. So klagten viele Betroffene über die Unübersichtlichkeit und die mangelnde Aussagekraft ihrer Bescheide oder fühlten sich unfreundlich behandelt. 

Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) stellte heraus, die Bürgerbeauftragte sei für die Verwaltung „nicht bequem". Ihre Hinweise seien aber als „Qualitätsmanagement" willkommen, denn es liege auch im Interesse der Behörden, Fehler abzustellen.

Im Jahr 2007 hat das Büro der Bürgerbeauftragten laut Bericht insgesamt 3.527 Eingaben bearbeitet. Die Zahl der Neueingänge ist gegenüber den vorhergehenden zwölf Monaten um mehr als 13 Prozent angestiegen. Die Erfolgsquote war hoch: Fast 84 Prozent der abgeschlossenen Fälle endeten für die Bürger mit einem positiven Ergebnis. Neben dem Schwerpunkt Hartz IV (38 Prozent der Eingaben beschäftigten sich hiermit) waren die Sozialhilfe, die Kranken- und Rentenversicherung und das Behindertenrecht weitere Arbeitsbereiche der Beauftragten und ihrer zehn Mitarbeiter. Geschlossen lobten die Abgeordneten das beim Landtag angesiedelte Bürgerbeauftragten-Büro für die geleistete Arbeit.

Stimmen aus dem Plenum:

Heike Franzen (CDU): Der Vorschlag der Bürgerbeauftragten, ein Ideen- und Beschwerdemanagement für Hartz IV zu schaffen, ist bei den Behörden bereits auf offene Ohren gestoßen. Es gibt hier inzwischen einen Leitfaden für die Kommunen. Dennoch: Die Behörden sollten nicht nur sagen, was nicht möglich ist, sondern sie sollen aufzeigen, wie sie ihren Service verbessern wollen.

Wolfgang Baasch (SPD): Bei den anstehenden Veränderungen bei der Umsetzung von Hartz IV muss stärker als bisher die Hilfe aus einer Hand sowie die transparente und nachvollziehbare Leistungsentscheidung im Vordergrund stehen. Jede bundesgesetzliche Regelung muss die passgenaue Hilfe sowie zügige, transparente und möglichst einfache Leistungsgewährung zur Grundlage haben.

Heiner Garg (FDP): Antragsteller auf Arbeitslosengeld II versinken in einen Wust an Formularen und Vordrucken: Neben einem vierseitigen Hauptantrag sind je nach der individuellen Situation eine Reihe von weiteren Anträgen zu stellen. Kein Wunder also, dass sich die Bürger damit nicht nur überfordert, sondern dann durch das Ergebnis der Antragsbearbeitung auch noch übervorteilt fühlen, weil die Bescheide für sie nicht lesbar und nicht verständlich sind.

Angelika Birk (Grüne): Was eine Selbstverständlichkeit sein sollte, findet in der Realität bei den Behörden fast nicht statt. Keine aktive und zügige Vermittlung, keine passgenauen Angebote, keine zeitnahe Antragsabwicklung, keine qualifizierte individuelle Beratung, keine nachvollziehbare Bescheide, keine Unterstützung in begleitenden sozialen Fragen.

Lars Harms (SSW): Verfahren beim Gericht dauern zu lange. Was bei Nachbarschaftsstreitigkeiten ärgerlich ist, ist vor dem Sozialgericht Existenz bedrohend: Wer keine Rücklagen hat, kann nicht Monate oder Jahre auf seine Rente oder seine Sozialhilfe warten. Hier muss das Land Schleswig-Holstein umgehend eine Gesetzesänderung anschieben, damit Bearbeitungszeiten bei Sozialleistungen deutlich verringert werden. Die Frist von einem halben Jahr ist nicht hinnehmbar.

Der Sozialausschuss berät den Bericht abschließend.

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Hintergrund:
Der Landtag debattiert den Jahresbericht der Bürgerbeauftragten für soziale Angelegenheiten, Birgit Wille-Handels, für 2007.

Im Vorjahr hat das Büro der Bürgerbeauftragten demnach insgesamt 3.527 Eingaben bearbeitet. Die Zahl der Neueingänge ist gegenüber den vorhergehenden zwölf Monaten um mehr als 13 Prozent angestiegen. Die Erfolgsquote war hoch: Fast 84 Prozent der abgeschlossenen Fälle endeten für die Bürger mit einem positiven Ergebnis. Der Schwerpunkt der Probleme lag im Bereich Hartz IV (38 Prozent). Weitere Arbeitsgebiete waren die Sozialhilfe, Kranken- und Rentenversicherung und das Behindertenrecht.

  Kritik an Behörden im Hartz IV-Bereich

Die Anfragen zu Hartz IV haben gegenüber 2006 um 28 Prozent auf über 1.300 Eingaben zugenommen. Meist ging es um Ansprüche auf Leistungen und deren Höhe, einmalige Beihilfen sowie Kosten für Unterkunft und Heizung. Die Entwicklung wirft nach Überzeugung der Bürgerbeauftragten ein schlechtes Bild auf die Behörden. Generell kritisierten die Betroffenen in fast allen Beschwerden Unübersichtlichkeit und mangelnde Aussagekraft der Bescheide. Vorgänge würden häufig nur schleppend bearbeitet, es verschwänden sogar Unterlagen. Viele Bürger klagten auch über mangelhafte und teils völlig fehlende fachliche Beratung bei der Jobvermittlung.

Vor diesem Hintergrund listet die Bürgerbeauftragte in ihrem 100-seitigen Bericht eine Reihe von Vorschlägen an Landtag und Behörden auf. So ruft sie die Verantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen auf, bei der anstehenden Neuorganisation der Hartz-IV-Arbeitsgemeinschaften (ARGEN) die Bedürfnisse der Betroffenen in den Vordergrund zu rücken. Hierzu zähle eine zügige Vermittlung der Arbeitssuchenden sowie passgenaue Eingliederungsmaßnahmen, die zeitnahe Bearbeitung der Anträge, die Beratung durch sachkundige Mitarbeiter, die die Betroffenen als feste Ansprechpartner begleiten, und nachvollziehbare Bescheide.

Debatte zum Tätigkeitsbericht 2006:
plenum-online,
Mai 2007

Stichwort: 
Die Bürgerbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein

Das Bürgerbeauftragten-Amt hat der Landtag 1988 eingerichtet. Birgit Wille-Handels hat den Posten seit 2001 inne. Im April 2008 bestätigte das Landesparlament sie für weitere sechs Jahre in ihrem Amt. Die Mutter eines Sohnes, 1960 in Aachen geboren, ist Diplom-Betriebswirtin und verfügt über langjährige Berufserfahrung im sozialen Bereich. Unter anderem war sie Gebietsgeschäftsführerin eines Wohlfahrtsverbandes und selbständige Berufsbetreuerin.

Wiederwahl der Bürgerbeauftragten:
plenum-online,
April 2008

Die Bürgerbeauftragte bietet Hilfesuchenden eine umfassende und kostenlose rechtliche Beratung, etwa bei Fragen zu Hartz IV, Ausbildungsförderung, Kranken- und Rentenversicherung, Sozialhilfe, Pflege, Behindertenrecht, Kindergeld oder Kinder- und Jugendhilfe, und sie vertritt ihre Anliegen gegenüber den Behörden, Dienststellen und Einrichtungen des Landes. Dabei kann sie Stellungnahmen einholen und Akten einsehen. Zehn Mitarbeiter unterstützen die Bürgerbeauftragte bei ihrer Aufgabe. Ihr Fachwissen ermöglicht eine schnelle und umfassende Beantwortung.

Das Büro im Karolinenweg 1 in Kiel ist werktags von 9.00 bis 15.00 Uhr geöffnet, mittwochs bis 18.30 Uhr. Telefon: 0431/988- 1240; E-Mail: Buergerbeauftragte@landtag.ltsh.de. Die Bürgerbeauftragte im Internet: auf den Seiten landtag.de

Darüber hinaus ist Birgit Wille-Handels im ganzen Land unterwegs und steht den Bürgern bei ihren Außensprechtagen vor Ort zur Verfügung. Im Jahr 2008 nimmt sie insgesamt 37 dieser Termine an 16 verschiedenen Orten in Schleswig-Holstein wahr.

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