Landtag gibt grünes Licht für
Untersuchungsausschuss
zur HSH Nordbank-Krise

Nur wenige Stunden nachdem das
Plenum den Untersuchungsausschuss zur HSH Nordbank einvernehmlich
eingesetzt hat, kam das Gremium zu seiner konstituierenden Sitzung
zusammen. Hierbei wurde zunächst der CDU-Abgeordnete Hans-Jörn
Arp zum Vorsitzenden gewählt. Als sein Stellvertreter fungiert
der Oppositionsführer im Landtag, Wolfgang Kubicki (FDP).
Kiel (SHL/17.06.) Der
Landtag hat den Weg für den insgesamt 25. Untersuchungsausschuss
in seiner parlamentarischen Geschichte freigemacht. Geschlossen
stimmten die Abgeordneten für den Ursprungsantrag der drei
Oppositionsparteien, mit dem ein zwölfköpfiges Gremium
beauftragt wird, die Umstände zu klären, die zur finanziellen
Schieflage der HSH Nordbank geführt haben. In den 40 Fragen
umfassenden Antrag der Opposition wurden auf Betreiben von CDU und
SPD einvernehmlich redaktionelle Änderungen vorgenommen. Die
Kernfragen: Hat die Regierung die gemeinsame Landesbank von
Schleswig-Holstein und Hamburg ausreichend kontrolliert und das
Parlament vollständig informiert? Der Untersuchungsausschuss wird
sich bereits in der heutigen Mittagspause der Plenarsitzung
konstituieren. Erste Zeugen will der Ausschuss nach der
Sommerpause befragen.
„Die HSH Nordbank ist mehr als andere Banken
erhebliche Risiken eingegangen", fasste der
Oppositionsführer im Landtag, der Fraktionsvorsitzende der FDP,
Wolfgang Kubicki, zusammen. Im Rahmen des Untersuchungsausschusses
gelte es nun zu klären, wie die Bank in solch eine Schieflage
geraten konnte, wer im Einzelnen die Verantwortung trage und warum
die Verantwortlichen nur unzureichend kontrolliert wurden. Die Hamburger Bürgerschaft hatte bereits in der
vergangenen Woche einen eigenen Ausschuss eingesetzt, um zu klären,
wer für die Verluste der Bank in Höhe von 2,7 Milliarden Euro im
vergangenen Jahr verantwortlich ist.
Tobias Koch (CDU) und Jürgen Weber (SPD) sagten
im Namen ihrer Fraktionen zu, die Arbeit des
Untersuchungsausschusses konstruktiv zu unterstützen. Koch
stellte klar, dass die Union ein „Eigeninteresse" daran
habe, die Vorkommnisse bei der HSH weiter aufzuklären. Sein
Koalitionskollege Weber forderte von allen Beteiligten ein „Höchstmaß
an Offenheit" und den Verzicht auf eine „Skandalisierung".
Ein Missbrauch der Untersuchungen, etwa für politische
Wahlkampfmanöver, würde das Gremium insgesamt diskreditieren.
Auch die Rolle von Heide Simonis
soll thematisiert werden
Die Finanzexpertin der Grünen, Monika Heinold,
warb für „eine schonungslose Aufklärung" der Verfehlungen
innerhalb der HSH Nordbank. Vor diesem Hintergrund müsse nicht
nur nach der Verantwortung der jetzigen Regierung, sondern auch
nach der rot-grünen Regierung unter Ministerpräsidentin Heide
Simonis (SPD) gefragt werden.
Es gehe nicht darum, Regierungsmitglieder
vorzuführen, stellte Lars Harms (SSW) klar. Vielmehr müsste
insbesondere die Frage beantwortet werden, wieso die Mitglieder
der Landesregierung in den verschiedenen Gremien nicht frühzeitig
gemerkt haben, „dass die Bank aus dem Ruder läuft".
Die Mitglieder im Untersuchungsausschuss
Dem Ersten Untersuchungsausschuss in der 16.
Wahlperiode werden als Vorsitzender der CDU-Parlamentarier
Hans-Jörn Arp sowie seine Parteikollegen Tobias Koch, Axel
Bernstein, Peter Sönnichsen und Jens Magnussen angehören. Von
der SPD kommen Jürgen Weber, Birgit Herdejürgen, Thomas Rother
und Anna Schlosser-Keichel hinzu. Der Oppositionsführer im
Landtag Wolfgang Kubicki vertritt die FDP und wird zudem den
stellvertretenden Vorsitz des Ausschusses übernehmen. Die Grünen
entsenden Monika Heinold, den Platz des SSW nimmt Lars Harms ein.
Geschäftsführer des Ausschusses soll der Richter am
Finanzgericht Schleswig-Holstein, Axel Fischbach, werden.