Jugendschutz:
Mehrheit im Landtag kann sich ein Werbeverbot für
Alkohol vorstellen
Kiel
(SHL/18.06.) Eine Beschränkung von
Alkoholwerbung oder sogar ein komplettes Verbot könnte dazu
beitragen, Jugendliche vom übermäßigem Alkoholkonsum abhalten.
Diese Einschätzung vertritt eine Mehrheit im Landtag. Die Grünen,
die das Thema auf die Agenda gesetzt hatten, und die Koalition
stützten sich dabei auf eine im Mai vorgelegte Studie der Deutschen
Angestellten-Krankenkasse DAK. Demnach trinken junge Leute mehr
Alkohol, wenn sie regelmäßig TV-Spots oder Plakate für Bier oder
Schnaps sehen. FDP und SSW waren hingegen skeptisch, ob ein Verbot
helfen könnte. In erster Linie seien die Elternhäuser und auch die
Wirtschaft in der Pflicht.
Nach der DAK-Untersuchung griffen mehr als 80
Prozent der befragten Jungen und Mädchen, die keine Alkoholwerbung
sahen, nicht zur Flasche. Dagegen hatten mehr als 90 Prozent der
Jugendlichen, die Werbespots häufiger als zehn Mal wahrnahmen,
bereits Alkohol getrunken. „Der Einsatz für ein
Alkoholwerbeverbot ist vergleichbar mit dem Kampf für das
Tabakwerbeverbot", merkte Monika Heinold (Grüne) an. Auch hier
habe es Jahre gedauert, „bis sich die Vernunft durchgesetzt
hatte".
FDP: Umgang mit Hochprozentigem ist
auch eine Erziehungsfrage
Gesundheitsministerin Gitta Trauernicht (SPD) schlug
vor, die Alkoholwerbung „ausschließlich auf
Produktinformation" zu beschränken oder die Werbezeiten im
Fernsehen weiter zu begrenzen. Diese Punkte würden auch von der
Gesundheitsministerkonferenz getragen, so Trauernicht. Die
Ministerin verwies zudem auf die in der vergangenen Woche gestartete
Aktion der Landesregierung gegen Alkoholmissbrauch bei Kindern und
Jugendlichen, an der sich auch Brauereien, Hotels, Gaststätten, das
Kfz-Gewerbe und Fahrlehrer beteiligen.
„Ernsthafte Zweifel an einem Verbot"
äußerte dagegen Heiner Garg (FDP). Damit würden „nur Symptome,
aber keine Ursachen behandelt". Vielmehr sei der Umgang mit
Hochprozentigem in erster Linie eine Erziehungsfrage. „Wenn das im
Elternhaus nicht funktioniert, dann können wir hier Werbeverbot
beschließen, - es wird nicht nützen", so Garg.
Weitere Redner: Frauke Tengler
(CDU), Peter Eichstädt (SPD), Lars Harms (SSW)