zurück zur aktuellen Ausgabe von plenum-online

plenum-online wird während der Tagung ständig aktualisiert. Betätigen Sie bitte bei Aufruf einer Seite die Funktion "Neu laden" , "Aktualisieren" oder "reload", um ggf. die neueste Fassung zu erhalten.  

Auf dieser Seite: CCS-Gesetz 

xxx

Top 24:
CCS-Gesetz im Bundesrat ablehnen
Antrag der Abgeordneten des SSW

Schleswig-Holstein sperrt sich 
gegen CCS-Pläne des Bundes

Aber: Mehrheit im Landtag will Kohlendioxid-Speicherung weiter verfolgen

Kiel (SHL/17.06.) Geschlossen stemmt sich die schleswig-holsteinische Landespolitik gegen das aktuelle CCS-Gesetz des Bundes und gegen die darin vorgesehenen Probebohrungen zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid im Lande. In der jetzigen Form werde er dem Gesetz im Bundesrat nicht zustimmen, bekräftigte Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) in einer vom SSW angestoßenen Debatte. Im Grundsatz stehen Schwarz-Rot und FDP aber nach wie vor hinter dem heftig umstrittenen "Carbon Capture and Storage". Es könne „eine wichtige Technologieoption im Kampf gegen den weltweiten Klimawandel" werden, so Carstensen. Deshalb gelte es, Ängste zu zerstreuen und um „eine breite Akzeptanz" zu werben. Diese Haltung brachte den SSW und die Grünen auf die Zinnen – sie wandten sich prinzipiell gegen die Technologie.

Lars Harms (SSW) verbuchte es zwar als Erfolg, dass der Bundestag die zunächst für Freitag geplante Schlussabstimmung über das CCS-Gesetz mit Blick auf die Proteste verschoben hat. Damit sei aber „die Kuh noch nicht vom Eis", so Harms. Er forderte die Koalition auf: „Sagen Sie endgültig Nein zum CO2-Endlager in Schleswig-Holstein." Und der Grünen-Abgeordnete Detlef Matthiessen argwöhnte, nur der Druck der Bevölkerung habe den Richtungswechsel des Ministerpräsidenten ausgelöst, der CCS lange verteidigt hatte. Sein Meinungsumschwung einen Tag vor der Aussprache sei daher „rein taktischer Natur", so Matthiessen.

Heiner Garg (FDP) zollte Carstensen hingegen Respekt für die Kurskorrektur des Regierungschefs. Auch er fand das derzeitige Gesetz „indiskutabel", weil es die haftungsrechtlichen Fragen nicht behandle. Seine Befürchtung: Schleswig-Holstein und seine Einwohner würden mit möglichen Spätfolgen und Zusatzkosten allein gelassen.

Landtag nimmt heftige Proteste aus der Region auf

Laut dem Bundesgesetz soll das abgespaltete CO2 aus NRW in den Norden Schleswig-Holsteins gepumpt und in 1.000 Meter Tiefe gespeichert werden, weil es hier die nötigen salzwasserhaltigen Gesteinsformationen gibt. 18 Gemeinden mit 24.000 Einwohnern in den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg sind betroffen. Die Probebohrungen des Energiekonzerns RWE Dea stoßen bei Bürgern und Kommunalpolitik jedoch auf heftigen Widerstand.

Der Konzern müsse deshalb „die Sorgen der Menschen ernst nehmen" und den Antrag auf Probebohrungen zurückziehen, forderte Axel Bernstein (CDU). Auch er sprach sich für eine „grundlegende Überarbeitung" des Gesetzes aus, denn: Man dürfe „keine Technologie von vornherein außer acht lassen". In diesem Punkt stimmte ihm SPD-Fraktionschef Ralf Stegner zu. Da die Technik bislang noch nicht ausgereift sei, bestehe keine Eile. Er brachte als Alternative die Wiederverwertung des Kohlendioxids ins Gespräch.

Demonstranten von der Tribüne verwiesen

Trotz dieser Einigkeit war die über 90-minütige Debatte – geplant waren 30 Minuten - hoch emotional und von gegenseitigen Vorwürfen der Koalitionspartner geprägt. CDU- und SPD-Abgeordnete forderten einander auf, bei ihren jeweiligen Bundesparteien für eine Ablehnung des CCS-Gesetzes zu sorgen. Die Aussprache wurde zudem durch Proteste auf der Besuchertribüne in die Länge gezogen: Landtagspräsident Martin Kayenburg unterbrach die Debatte kurzzeitig, bis sich die Demonstranten zurückgezogen hatten.

Druckversion

zurück zum Textanfang

Hintergrund:
Der SSW fordert die Landesregierung auf, im Bundesrat gegen das so genannte CCS-Gesetz zu stimmen. Mit dieser neuen Technologie wird das Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken abgeschieden, verflüssigt und anschließend unterirdisch gespeichert. Der SSW moniert, die Machbarkeit, die Risiken und die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens seien noch nicht erwiesen. Die Pläne des Bundes würden jedoch weit über die zunächst geplanten Pilotversuche hinausgehen und stellten deshalb eine „Vorfestlegung" dar.

Berlin will den Weg für die CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) ebnen. Das Bundesgesetz sieht den Bau dreier Versuchsanlagen in NRW, Brandenburg und Niedersachsen vor. Von dort soll das CO2 dann in Gegenden mit den passenden Bodenverhältnissen geleitet und in 1.000 Meter Tiefe unter der Erdoberfläche oder unter dem Meeresgrund gespeichert werden. Der norddeutsche Raum mit seinen salzwasserhaltigen Gesteinsformationen soll Untersuchungen zufolge besonders gut geeignet sein. Entsprechend plant der Energiekonzern RWE Dea auch in Schleswig-Holstein Probebohrungen.

   Widerstand in den betroffenen Gemeinden

Konkret stehen Untersuchungen in den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg an. Hiervon sind 18 Gemeinden mit 24.000 Einwohnern betroffen. Auch ein Gebiet in den Kreisen Ostholstein und Plön, das 25 Städte und Gemeinden umfasst, sowie die Nordsee außerhalb der Zwölf-Meilen-Zone stehen zur Debatte. Gegen die CO2-Speicherung regt sich erheblicher Protest in der Region. Eine Bürgerinitiative hat sich formiert. Der Kreistag von Schleswig-Flensburg hat parteiübergreifend gegen die Technologie in der Region votiert, und in Nordfriesland bahnt sich ein ähnlicher Beschluss an.

In der Ersten Lesung in der Länderkammer hat Schleswig-Holstein das CCS-Gesetz im Grundsatz unterstützt. Allerdings fiel der Plan der norddeutschen CO2-Speicherländer durch, die CCS-Anlagenbetreiber zur Zahlung einer Risiko-Abgabe zu verpflichten. Für die Schlussabstimmung, so Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) in einem Zeitungsbericht, gebe es aber noch keine gemeinsame Linie innerhalb der Landesregierung.

Aktuell: Einen Tag vor der Landtagstagung hat Ministerpräsident Carstensen überraschend angekündigt, dass Schleswig-Holstein dem CCS-Gesetz nicht zustimmen werde. Unterdessen ist auch die für kommenden Freitag (19. Juni) geplante Abstimmung im Bundestag auf Betreiben der Koalitionsfraktionen zurückgestellt worden.

vorherige Debatten zum Thema:
plenum-online,
Mai 2009 und Januar 2009

zurück zum Textanfang

* * * * *

 

Themen-Übersicht

A k t u e l l e s

Aktuelle Stunde: - - -

Dringlichkeit: - - -

Außerdem notiert: 
Der Landtag trauert...
... um R. Bünemann
Der Landtag trauert
...
...um H.-J. Zimmermann

Sozialer Tag
...
...Melanie hilft im Landtag

Einrichtung eines Untersuchungsausschusses zur HSH Landesbank 

I n n e n  / R e c h t

2. Lesungen:

Telekommunikationsgesetz
Justizdolmetscher
(ohne Aussprache)
Wahlalter
(ohne Aussprache)
1. Lesungen:
Schuldenbremse
Gerichtsorganisationsgesetz
(ohne Aussprache)
Wahl:
Datenschutzbeauftragter
(ohne Aussprache)
Antrag:
Ladenöffnungszeiten Kiel
Bericht:

Normenkontrollantrag
zur Amtsordnung

(ohne Aussprache)

F i n a n z e n

Einrichtung eines Untersuchungsausschusses zur HSH Landesbank 

2. Lesung:

E-Government
(ohne Aussprache)
Antrag:
Landesbanken-Struktur
Bericht:

Mehrwertsteuersätze
(ohne Aussprache)

W i r t s c h a f t  /
V e r k e h r  /  T e c h n i k

Anträge:
LKW-Maut
Fehmarnbelt-Querung
CCS-Gesetz
Danfoss-Werk Flensburg
Aufsichtsrat Flughafen Hamburg
(ohne Aussprache)
Berichte:

Konjunkturpaket II

Investitionen Mittelstand

Dt.-dän. Infrastruktur
(ohne Aussprache)

Flughafen Lübeck-
Blankensee

(ohne Aussprache)

 B i l d u n g  /  K u l t u r  / W i s s e n s c h a f t

2. Lesungen:

Hochschulzulassungsgesetz
Leibniz-Institut
(ohne Aussprache)
Anträge:
Lärmschutz in Bildungseinrichtungen
Politische Bildung
Sozialstaffel für KiTas
Science-Center Kiel
Bachelor / Master
Berichte:

Auslandsabschlüsse

Wissenschaftskonferenz

S o z i a l e s  / A r b e i t  / G e s u n d h e i t

2. Lesung:

Pflegegesetzbuch
Anträge:
Alkoholkonsum Jugendliche
Qualitätskennzeichnung Lebensmittel u. Gaststätten
Berichte:

Barrierefreie Bauten

Pflegereform
(ohne Aussprache)

Bürgerbeauftragte
(ohne Aussprache)

 A g r a r  /  U m w e l t  / 
E n e r g i e  / F o r s t e n

Bericht:

Gentechnik
(ohne Aussprache)

 E u r o p a  / O s t s e e –
k o o p e r a t i o n

Anträge:
Parlamentsforum Nordsee
Föderalistische Union Europäischer Volksgruppen
Seeverkehr
(ohne Aussprache)