Die
Oppositionsfraktionen haken nun nach, ob hierdurch die
geplante Ansiedung eines Fraunhofer-Instituts für Marine
Biotechnologie gefährdet ist und welche Konsequenzen sich
für den gesamten Hochschul- und Wirtschaftsstandort
Lübeck ergeben. Zudem argwöhnt die Opposition, die
Landesregierung wolle durch das Medizin-Aus den Weg zu
einem Verkauf des Lübecker Anteils am
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UK S-H) ebnen.
Und: Das an die Öffentlichkeit gelangte interne Papier
aus dem Wissenschaftsministerium steht im Blickpunkt, laut
dem das Ende des Medizinstudiums in Lübeck das Risiko
einer Schließung der gesamten Universität beinhaltet.
Stellt internes Regierung Papier nur
ein "Worst-Case-Szenario" dar?
In dem
Papier, das eine Arbeitsgrundlage für die Sparbeschlüsse
war, heißt es: „Die Universität ist nach Schließung
des Fachbereichs Medizin in Lübeck nicht
überlebensfähig." Fast alle übrigen Studiengänge
seien eng mit dem Medizinbereich verzahnt und bedürften
des Inputs aus der Medizin. Mache die Uni dicht, könnte
auch die Fraunhofer-Projektgruppe für Marine
Biotechnologie ihre Arbeit nicht fortführen. Für ein
Ende der Lübecker Mediziner-Ausbildung spreche, „dass
der Campus Lübeck des UK S-H leichter zu veräußern ist
als der Campus Kiel des UK S-H", heißt es in dem
Papier. Ein Grund: Der bauliche Zustand sei deutlich
besser als in Kiel.
Aus der
Koalition verlautet, das interne Papier stelle lediglich
ein "Worst-Case-Szenario", den schlimmsten
anzunehmenden Fall, dar. Das Risiko hierfür sei jedoch
sehr gering. Offiziell setzt die Koalition auf eine
Stärkung der Uni im mathematisch-naturwissenschaftlichen
Bereich gerade durch das geplante Fraunhofer-Institut. Es
gebe keinen Anlass zu zweifeln, dass das Institut kommt,
heißt es aus dem Wissenschaftsministerium.
Aktuell:
Nach einem Krisentreffen mit Spitzen der Landesregierung
am vergangenen Wochenende will die Universität nun ein
eigenes Konzept vorlegen, das die von der Landesregierung
definierte Einsparsumme deckt.
Die
Fragen der Abgeordneten im Einzelnen:
Wolfgang
Baasch (SPD):
„Treffen Presseberichte zu, dass in einem internen
Papier des Wissenschaftsministeriums die Erwartung
geäußert wird, dass die Universität Lübeck ohne die
Medizinerausbildung nicht überlebensfähig sei und dass
die Fraunhofer-Projektgruppe ihre Tätigkeit in diesem
Falle nicht fortführen könne?"
Martin
Habersaat (SPD):
„Treffen Presseberichte zu, dass die Entscheidung der
Landesregierung und der sie tragenden Fraktionen, die
Medizinerausbildung an der Universität Lübeck nicht
fortzuführen, maßgeblich von den besseren
Veräußerungsmöglichkeiten des UKSH-Campus Lübeck
beeinflusst wurde?
Falls nicht, welche Gründe waren dann
ausschlaggebend?"
Birgit
Herdejürgen (SPD):
„Worauf gründet sich die Aussage der „Haushaltsstrukturkommission",
dass von der Reduzierung der Universität Lübeck auf die
Technisch-Naturwissenschaftliche Fakultät sogar eine
Profilstärkung durch die Verbindung mit dem geplanten
Fraunhofer-Institut für Marine Biotechnologie zu erwarten
sei?"
Abgeordneter
Thomas Rother (SPD):
„Welche durch das Land und den Hochschulstandort Lübeck
zu schaffenden Voraussetzungen werden seitens der
Fraunhofer-Gesellschaft an die Weiterentwicklung der
bestehenden Fraunhofer-Einrichtung für Marine
Biotechnologie (EMB) zu einem Fraunhofer-Institut
geknüpft?"
Rasmus
Andresen (Grüne):
„Welche von der Universität Lübeck oder dem
Universitätsrat Schleswig-Holstein eingebrachten Spar-
und Strukturvorschläge zur Konsolidierung des
Landeshaushaltes und der Neuordnung der
Hochschullandschaft, insbesondere im Bezug auf die
Universitäts- und Medizinstandorte Lübeck und Kiel,
wurden durch das Wissenschaftsministerium verworfen bzw.
abgelehnt und aus welchen Gründen?"
Marret Bohn
(Grüne):
„Welche konkreten Auswirkungen wird der Beschluss der
Haushaltsstrukturkommission zur Universität Lübeck auf
die Krankenversorgung im stationären Bereich in
Schleswig-Holstein haben und welche Pläne hat die
Landesregierung für den Teil der medizinischen
Maximalversorgung, der bisher am Standort Lübeck
geleistet wird?"
Thorsten
Fürter (Grüne):
„Welche Rolle haben im Entscheidungsprozess, der dazu
führte das Medizin-Studium an der Universität Lübeck zu
kappen, Gesichtspunkte der Leistung und der fachlichen
Exzellenz gespielt, wie sie in Hochschulrankings und
Einschätzungen von Fachverbänden zum Ausdruck kommen und
welche Rolle spielte dabei die eigene akademische Laufbahn
der Entscheidungsträger?"
Anke
Erdmann (Grüne):
„Welche Auswirkungen hätte der geplante Abbau von gut
1450 Medizinstudienplätzen in Lübeck auf die
Verpflichtung Schleswig-Holsteins, im Rahmen des
Hochschulpaktes II zusätzliche Kapazitäten für 9.700
Studienanfänger bis 2018 zu schaffen?"
Ines
Strehlau (Grüne):
„Bedeutet der Beschluss der Haushaltsstrukturkommission
zur Universität Lübeck, dass die aktuell gültigen
Zielvereinbarungen durch die Landesregierung gekündigt
werden sollen?"
Marlies Fritzen (Grüne):
„Hat die Landesregierung berücksichtigt, welche
konkreten Auswirkungen eine Streichung der
Medizinstudiengänge an der Universität Lübeck auf die
laufenden und zukünftigen Drittmittel finanzierten
Projekte am Standort Lübeck haben wird und zu welchem
Ergebnis ist sie gekommen?"
Robert
Habeck (Grüne):
„War dem Ministerpräsidenten zu dem Zeitpunkt an dem
sich die Landesregierung die Vorschläge der
Haushaltsstrukturkommission zu eigen machte, die
Risikoanalyse zu den Folgen der Streichung der
Medizinstudiengänge an der Universität zu Lübeck
bekannt?"
Andreas
Tietze (Grüne):
„Welche Zusagen seitens der Landesregierung oder
verantwortlicher PolitikerInnen hat es in den 1980 er
Jahren gegeben, die dazu führten, dass das Land
Schleswig-Holstein sich bei den Universitätsklinika Kiel
und Lübeck im Rahmen der Zuschüsse für Forschung und
Lehre auch an den Trägerkosten beteiligt – welche zu
überproportional hohen Kosten für die
Medizinstudienplätze führten - und auf welcher
rechtlichen Grundlage werden diese Trägerkostenzuschüsse
bis heute geleistet?"
Monika
Heinold (Grüne):
„Trifft es zu, dass die Kosten pro Medizinstudienplatz
in Schleswig-Holstein vor allem aufgrund der niedrigen
Basisfallwerte überdurchschnittlich hoch sind und hat es
bei den Verhandlungen über die Basisfallwerte eine
Absprache gegeben, dass Schleswig-Holstein im Gegenzug zur
zeitlichen Streckung der Konvergenzphase an anderer Stelle
eine finanzielle Entlastung vom Bund erhält?"
Uli
Schippels (Linke):
„Teilt die Landesregierung die Befürchtung der IHK zu
Lübeck, dass die Umsetzung des Beschlusses der
Haushaltsstrukturkommission in Bezug auf die Lübecker
Universität unmittelbare Auswirkungen auf Wachstum und
Beschäftigung für die gesamte Region haben wird."
Björn
Thoroe (Linke):
„Hat die Landesregierung bei ihrer Entscheidung, die
medizinische Fakultät an der Universität Lübeck zu
schließen, die Auswirkungen auf die
Bevölkerungsentwicklung, die Ansiedlung von Firmen und
die Kaufkraft in der Hansestadt Lübeck berücksichtigt?
Wenn ja, wie?"