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Auf dieser Seite: Mittelstansförderung / Tariftreue

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Top 4
Entwurf eines Gesetzes zur Förderung des Mittelstandes (Mittelstandsförderungs- und Vergabegesetz)
Gesetzentwurf der Landesregierung - Drucksache 17/1159
Änderungsantrag der Fraktion B90/GRÜNE - Drs. 17/1227
(Ausschussüberweisung am 27. Januar 2011)
Bericht und Beschlussempfehlung des Wirtschaftsausschusses - Drucksache 17/1604 
Änderungsantrag der Fraktion der SPD - Drucksache 17/1646
   Aufruf gemeinsam mit
Top 7
Entwurf eines Schleswig-Holsteinischen Gesetzes  zur Sicherung von Tariftreue, Sozialstandards und Wettbewerb bei öffentlicher Auftragsvergabe (Vergabe- und Tariftreuegesetz)
Gesetzentwurf der Fraktion der SPD - Drucksache 17/889
Änderungsantrag der Fraktion DIE LINKE - Drucksache 17/919
(Ausschussüberweisung am 8. Oktober 2010)
Bericht und Beschlussempfehlung des Wirtschaftsausschusses - Drucksache 17/1607 
Änderungsantrag der Fraktion DIE LINKE  - Drucksache 17/1645
   Aufruf gemeinsam mit
Top 33
Bundesratsinitiative Mindestlohn zur Flankierung 
von Länder- und Tariftreueregelungen

Antrag der Fraktion der SPD - Drucksache 17/1616

Kleine Betriebe sollen leichter an Großaufträge herankommen - Erneut 
Streit um Tariftreue und Mindestlohn

Kiel (SHL/30.06.) Die Koalition will die 120.000 kleinen und mittleren Betriebe in Schleswig-Holstein stärker fördern und lehnt zugleich gesetzliche vorgegebene Mindestlöhne ab. Das wurde bei der Debatte über das neue Mittelstands-Förderungsgesetz deutlich, das CDU und FDP gegen das Votum der Opposition beschlossen haben. Ein Kernpunkt: Großaufträge der öffentlichen Hand, etwa bei der Sanierung des Uni-Klinikums, werden künftig in mehrere Lose zerlegt. Dadurch sollen auch kleine Unternehmen mit geringeren Kapazitäten eine Chance haben. Damit beschreite Schleswig-Holstein einen weiteren Schritt zu dem "Ziel das mittelstandsfreundlichste Bundesland zu werden", so Christopher Vogt (FDP).

SPD, Grüne, Linke und SSW votierten gegen das Regelwerk, vor allem mit Blick auf die ihrer Meinung nach mangelhafte Tariftreue-Regelung. Denn Union und Liberale haben zwar die tarifliche Bezahlung der Beschäftigten als Voraussetzung für die Auftragsvergabe verankert. Dies ist aber an die Bedingung geknüpft, dass es in der Branche "allgemeinverbindliche" Tarifverträge gibt. Die SPD verlangte hingegen eine umfangreichere Tariftreue-Verpflichtung für die Bereiche Bau, Transport sowie Personen- und Schienennahverkehr - wie es im alten Tariftreuegesetz bis Ende 2010 geregelt war. Es sollten nur Unternehmen den Zuschlag erhalten, die den am Ort der Leistungserbringung üblichen Tariflohn zahlen, forderten die Sozialdemokraten.

Wirtschaftsminister de Jager: "Der Staat
ist nicht der bessere Unternehmer"

"Es darf nicht sein, dass hierzulande Behörden weniger Geld für Waren bezahlen, die anderswo durch Zwangsarbeit hergestellt wurden", mahnte die SPD-Abgeordnete Regina Poersch. Diese Forderungen verstießen gegen Europarecht, hielt die Koalition dagegen und lehnte den Vorstoß der SPD ab. Hintergrund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2008. Zudem, so Johannes Callsen (CDU), sei es "nicht Aufgabe des Staates, Löhne am grünen Risch festzulegen". Dies sei die Verantwortung der Tarifpartner. "Der Staat ist nicht der bessere Unternehmer", befand auch Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU). Diese Haltung sei "nicht im Sinne der Beschäftigten", kritisierte Lars Harms (SSW). Nach der Landtagswahl im nächsten Mai sei es die "dringende Aufgabe" einer möglichen neuen Regierung, diesen "tariftreuelosen Zustand zu beenden".

Linke pochen vergeblich auf einen 
Mindestlohn von zehn Euro

Die Linken wollten öffentliche Aufträge nur an solche Firmen vergeben, die ihren Mitarbeitern einen Mindestlohn von zehn Euro pro Stunde zahlen. Björn Thoroe (Linke) wies darauf hin, "dass in Schleswig-Holstein 23,7 Prozent der Vollzeitbeschäftigten im Niedriglohnsektor arbeiten". Und: "Über 100.000 Menschen in Schleswig-Holstein würden von einem allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn in ausreichender Höhe profitieren", argumentierte Thoroe vergeblich. Auch dieser Antrage wurde abgelehnt.

Andreas Tietze (Grüne) sprach sich für einen Mindestlohn von 7,50 Euro aus und verwies darauf, dass auch der bei der Debatte nicht anwesende Sozialminister Heiner Garg (FDP) sich jüngst in den Medien für eine Mindestlohn-Diskussion ausgesprochen habe.

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Hintergrund:
Das schwarz-gelbe Mittelstandförderungs- und Vergabegesetz steht im Landtag vor der Verabschiedung. Drei Gegenentwürfe von Grünen, SPD und Linken für eine schärfere Tariftreue-Regelung scheiterten im Wirtschaftsausschuss hingegen an der Mehrheit von CDU und FDP. Die Sozialdemokraten bringen zudem das Dauerthema gesetzlicher Mindestlohn erneut zur Sprache.

  CDU und FDP
wollen, dass die 120.000 kleinen und mittleren Betriebe in Schleswig-Holstein leichter an öffentliche Großaufträge kommen. Es ist vorgesehen, Millionenaufträge so zu zerlegen, dass auch kleine Unternehmen mit geringeren Kapazitäten eine Chance haben. Ein Beispiel seien Aufträge zur Sanierung des Universitätsklinikums. Ausnahmen davon sind nur unter ganz engen Voraussetzungen möglich.

Zugleich soll eine europarechtskonforme Regelung für eine tariftreue Bezahlung der Beschäftigten verankert werden. Betriebe, die sich um öffentliche Aufträge bewerben, müssen nur dann Tariftreueerklärungen abgeben, wenn es in dem Bereich "allgemeinverbindliche" Tarifverträge gibt. Hintergrund: Der Europäische Gerichtshof hat im April 2008 eine dem schleswig-holsteinischen Tariftreuegesetz entsprechende Regelung aus Niedersachsen kassiert, weil sie gegen die Dienstleistungsfreiheit in der EU verstoße.

Die Vorgabe soll für Aufträge des Landes gelten, die Kommunen können sich anschließen. Schwarz-Gelb ist zuversichtlich, dass damit erhalte das Land "ein rechtssicheres und zukunftsfähiges Vergabegesetz" erhalte, das nicht Gefahr laufe, erneut vor Gericht zu scheitern. Aufgrund der Nähe und der wirtschaftlichen Verflechtung mit Hamburg hat sich die Landesregierung laut Wirtschaftsministerium im Wesentlichen an den Hamburger Tariftreueregelungen orientiert, die sich dort bislang bewährt hätten.

  Die Grünen
wollen "soziale und ökologische Standards" durchsetzen, indem sie die "Tariftreue, Mindestlohn und ökologische Beschaffung" als "tragende Säulen" der öffentlichen Auftragsvergabe festschreiben.

  Auch die SPD
will eine umfangreiche Verpflichtung durchsetzen, dass bei Ausschreibungen in den Bereichen Bau, Transport und Personennahverkehr nur Unternehmen den Zuschlag erhalten, die den am Ort der Leistungserbringung üblichen Tariflohn zahlen. Gelten mehrere Verträge nebeneinander, so soll nach Willen der Sozialdemokraten der "repräsentative" Tarif berücksichtigt werden. Die Landesregierung soll festlegen, welcher Tarif dies ist. Damit wollen die Sozialdemokraten das schleswig-holsteinische Tariftreuegesetz wieder aufleben lassen, das Ende letzten Jahres ausgelaufen ist.

  Die Linken
gehen noch einen Schritt weiter: Nach ihrer Vorstellung sollen nur solche Firmen öffentliche Aufträge erhalten, die ihren Mitarbeitern einen Mindestlohn von zehn Euro pro Stunde zahlen.

  Thema Mindestlohn:
Die SPD fordert die Landesregierung auf, sich per Bundesratsinitiative für einen gesetzlichen Mindestlohn einzusetzen. Er soll in allen Branchen ein"existenz-sicherndes Einkommen" gewährleisten. Eine unabhängige Kommission soll nach Willen der Sozialdemokraten jährliche die Höhe des Mindestlohns überprüfen. Mitte Juni hat sich auch Sozialminister Heiner Garg (FDP) öffentlich für Mindestlöhne ausgesprochen.

1. Lesungen:
plenum-online
Januar 2011 (Mittelstand),  Oktober 2010 (Tariftreue)

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