plenum-online wird während der Tagung ständig aktualisiert. Betätigen Sie bitte bei Aufruf einer Seite die Funktion "Neu laden" , "Aktualisieren" oder "reload", um ggf. die neueste Fassung zu erhalten.  

Auf dieser Seite: Wirtschaft Brunsbüttel 

xxx

Top 39:
Zukunft des Wirtschaftsraumes Brunsbüttel
(Landtagsbeschluss vom 23. Februar 2006 – Drs. 16/561)
Federführend ist das Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr
Drucksache: 16/640
-Plenarprotokoll-

Streit um FFH-Gebiete bei Brunsbüttel
FDP befürchtet Nachteile für den Wirtschaftsstandort

Kiel (SHL/23.03.). Ein Standort, zwei unterschiedliche Perspektiven: Während Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) den Wirtschaftsraum Brunsbüttel angesichts eines boomenden Hafens und ansiedlungswilliger Unternehmen im Aufwind sieht, wittern die Liberalen Gefahr für den Standort durch die Nachmeldung des Naturschutzgebietes St. Margarethen im Rahmen der von der EU verlangten Umsetzung der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH). Dieser düsteren Prognose trat Austermann entgegen: Spürbare Beeinträchtigungen durch die FFH-Ausweisung würden sich im Dialog mit Brüssel verhindern lassen. Zudem verwies der Minister in seinem, von der FDP beantragten Bericht auf das "dynamische" Wirtschaftswachstum der Stadt an der Unterelbe.

Der Hafen ist mit einem Jahresumschlag von knapp acht Millionen Tonnen nach Lübeck (27, 5 Millionen Tonnen) mittlerweile der zweitwichtigste im Land. In Brunsbüttel mündet zudem der Nord-Ostsee-Kanal, der im vergangenen Jahr mit 42.500 Schiffspassagen einen erneuten Rekord verzeichnen konnte. Im Industriegebiet arbeiten mehr als 4.000 Beschäftigte, darunter 850 bei der Bayer AG, 550 bei Sasol und 500 bei Shell.

Schwarz-roter Dissens in der Atompolitik

Schützenhilfe erhielt Austermann aus den Reihen der Grünen und des SSW. Die von der Europäischen Union geforderte FFH-Ausweisung lasse Raum für Ausnahmen, so die Oppositionspartei. Die Regierungsfraktionen warben angesichts dieser Problematik mit Nachdruck für die Stärkung des Standortes. Uneins waren sich CDU und SPD einmal mehr in der Atompolitik: Während sich die Union für die Verlängerung der Laufzeit des Atomkraftwerkes Brunsbüttel stark machte, erteilte die Sozialdemokraten im Verbund mit den Grünen eine Absage.

Gleichwohl bleibt Brunsbüttel auch in Zukunft ein wichtiger Energiestandort: Wirtschaftsminister Austermann konstatierte, dass es zur Zeit zwei Bewerber für die Errichtung von Kohlekraftwerke gebe. Brunsbüttel werde auch in Zukunft ein Stromknotenpunkt bleiben.

Stimmen aus der Debatte:

Heiner Garg (FDP): Brunsbüttel ist der größte Industriestandort in Schleswig-Holstein. Tatsächlich hat dieser Wirtsschaftraum hervorragende Chancen – aber diese Chancen setzt die Landesregierung mit der FFH-Ausweisung aufs Spiel.

Jens Magnussen (CDU): Die Laufzeiten des Kernkraftwerkes, nicht zu verlängern, bedeutet letztlich eine nicht unerhebliche Schwächung des Energiestandortes Brunsbüttel. 350 direkte Arbeitsplätze am Kraftwerk zuzüglich weiterer etwa 1.000 Arbeitsplätze von Klein- und Mittelständischen Unternehmen wären in Gefahr.

Detlef Buder (SPD): Die Diskussion um Brunsbüttel lässt sich nicht auf FFH-Ausweisung reduzieren. Schließlich gibt es am Standort die chemische Industrie, die Raffinerie und den einzigen Tiefwasserhafen Schleswig-Holsteins.

Klaus Müller (Grüne): Brunsbüttel ist ein leistungsfähiger Standort mit großen Zukunftschancen. Die Zahl von 4.000 Arbeitnehmern ist beeindruckend. Das Auslaufmodell Atomkraftwerk steht neben einer modernen Windkraftanlage.

Lars Harms (SSW): An der FFH -Ausweisung führt kein Weg vorbei. Die Ausweisung ist aber schadlos, weil sie am Status Quo nichts ändert. Anmeldungsverfahren muss so schnell wie möglich kommen, damit man Genehmigungen auf den Weg bringen kann.

Druckversion

zurück zum Textanfang

Hintergrund:
  Auf Antrag der Liberalen berichtet die Landesregierung über die Perspektiven des Wirtschaftsraums Brunsbüttel. Die 14.000-Einwohner-Stadt an der Unterelbe ist ein bedeutendes Wirtschaftszentrum. Der Hafen mit einem Jahresumschlag von knapp acht Millionen Tonnen ist nach Lübeck (27, 5 Millionen Tonnen) der zweitwichtigste im Land. Hier mündet zudem der Nord-Ostsee-Kanal, der im vergangenen Jahr mit 42.500 Schiffspassagen einen erneuten Rekord verzeichnen konnte. Im Industriegebiet arbeiten mehr als 4.000 Beschäftigte, darunter 850 bei der Bayer AG, 550 bei Sasol und 500 bei Shell. Außerdem ist vor Ort seit 1977 das Kernkraftwerk Brunsbüttel in Betrieb, das nach dem Atomkonsens im März 2009 vom Netz gehen soll.
  Aktueller Anlass der Debatte ist der Streit um die Ausweisung von FFH-Naturschutzgebieten in der Elbmündung. Die örtliche Wirtschaft und die Kommunalpolitik befürchtet hierdurch wirtschaftliche Einschränkungen und damit den Verlust von Arbeitsplätzen. Die Landesregierung verweist darauf, dass sie bei der Auswahl und Meldung des Schutzgebiets „so gut wie keine Entscheidungsspielräume" habe. Das Wirtschaftsministerium erwartet aber in Bezug auf die Neueinrichtung oder Erweiterung von Industrieanlagen keine Beeinträchtigung der Wirtschaft.

zurück zum Textanfang

* * * * *

 

Themen-Übersicht

A k t u e l l e s

Aktuelle Stunde:
Finanzen /
Sparhaushalt
Universitätsrat

Dringlichkeit:  Bundeswehrstandorte

Außerdem notiert: 
Herzlichen Glückwunsch

I n n e n  / R e c h t

1. Lesungen:
Verfassungsänderung
Informationsgesetz
Polizeigesetz
Beamten-/Richtergesetz
(ohne Aussprache)
2. Lesungen:
Kommunalreform
Metropolregion Hamburg
(ohne Aussprache)
Beamten-/Richtergesetz
(ohne Aussprache)
Anträge:
Luftsicherheitsgesetz
Verwaltungsregionen
Migrationsforschung
(ohne Aussprache)
Bericht:
Föderalismusreform

S o z i a l e s  / A r b e i t  / G e s u n d h e i t

1. Lesungen:
Behinderte/Gemeindeord.
Brustkrebs- Vorsorgeuntersuchungen
(ohne Aussprache)
Anträge:
Pauschalabgabe Mini-Jobs
Änderung SBG II
Armutsbekämpfung
Krebs-Therapiezentrum
(ohne Aussprache)
Landärzte
(ohne Aussprache)
Barrierefreies Fernsehen
(ohne Aussprache)
Gender Mainstreaming / Entbürokratisierung
(ohne Aussprache)
Berichte:
Kinderarmut
Integration Behinderte

W i r t s c h a f t  /
V e r k e h r  /  T e c h n i k

1. Lesung:
Tariftreuegesetz
2. Lesung:
Ingenieurgesetz
(ohne Aussprache)
Anträge:
Masterplan für den Norden
Parlamentspartnerschaft Zhejiang
(ohne Aussprache)
Energiepolitik
(ohne Aussprache)
Berichte:
Tourismus
Wirtschaftsraum Brunsbüttel
Außenwirtschaft

F i n a n z e nt

Aktuelle Stunde:
Finanzen / Sparhaushalt
Anträge:
Landesbeteiligungen
Finanzplanung
(ohne Aussprache)

 A g r a r  /  U m w e l t  / 
E n e r g i e  / F o r s t e n

Anträge:
Landeswald
Agrarförderung Ländl. Räume
(ohne Aussprache)
Bericht:
Raumordnungsbericht

 B i l d u n g  /  K u l t u r  / W i s s e n s c h a f t

Antrag:
Berufsschulangebot
Berichte / Aktuelle Stunde:
Universitätsrat
Lehrerausbildung

 E u r o p a  / O s t s e e –
k o o p e r a t i o n

Antrag:
Minderheitenschutz
Berichte:
Europabericht 2006