Landesregierung
will Geldhahn für Erholungsorte weiter aufdrehen
Änderung des Kommunalabgabengesetzes geplant
Kiel (SHL/22.03.)
Die von der Landesregierung geplante Änderung des
Kommunalabgabengesetzes ist im Landtag auf breite Zustimmung
gestoßen: Regierungsfraktionen sowie Grüne und SSW begrüßten
einen vorgelegten Gesetzentwurf, der die Erhebung einer
Fremdenverkehrsabgabe nicht nur auf die Kerngebiete von anerkannten
Kur- und Erholungsorten beschränken will. Künftig soll auch in
angrenzenden Gemeindegebieten abkassiert werden dürfen. Beispiel:
Zurzeit kann im Stadtteil "Ostseeheilbad" Travemünde die
Fremdenverkehrsabgabe erhoben werden, nicht jedoch in der Lübecker
Altstadt, obwohl dort ebenfalls viele Gewerbetreibende wie Hoteliers
wirtschaftliche Vorteile vom Tourismus haben.
Harsche Kritik an dem Gesetz kam von den Liberalen:
Sie fürchten Wettbewerbsnachteile für die lokale Wirtschaft. Die
Fremdenverkehrsabgabe wird zuvorderst für Werbung und Marketing des
Ortes verwendet. Unternehmen im unmittelbaren Kurbereich zahlen
zudem eine Kurabgabe für die Erhaltung und Verwaltung der
Kuranlagen.
Stegner: "Kein Zwang von oben"
Die Änderung des Kommunalabgabengesetzes gehöre zu
den Entlastungspotentialen, die die Landesregierung den Gemeinden
anbieten möchte, um deren Kosten für öffentliche Einrichtungen zu
decken, betonte Innenminister Ralf Stegner (SPD) bezugnehmend auf
den jüngst gekürzten kommunalen Finanzausgleich. Allerdings, so
Stegner, sei die Erhebung der Fremdenverkehrsabgabe freiwillig, es
gebe "keinerlei Zwang von oben".
"Hätten Sie den Kommunen nicht 120 Millionen
Euro weggenommen, müssten Sie dieses Gesetz nicht
beschließen", blies Heiner Garg (FDP) zur Generalabrechnung
mit der Finanzpolitik der Landesregierung. Er warnte vor den Kosten
für die lokale Wirtschaft und deren Folgen: Die
Fremdenverkehrsabgabe könnte nicht nur auf die Gäste umgelegt
werden, sondern auch auf die Einwohner, die dann bei ihren
alltäglichen Einkäufen die Abgabe indirekt mitfinanzieren
müssten.
SSW warnt vor Trittbrettfahrer-Mentalität
"Es ist nur gerecht, wenn diejenigen, die vom
Tourismus profitieren, sich finanziell an der bereit gestellten
Infrastruktur beteiligen", konstatierte dagegen Jürgen
Feddersen (CDU). In dieselbe Richtung argumentierte auch Regina
Poersch (SPD): Die Kur- und Erholungsorte seien auf verlässliche
Einnahmen angewiesen, "um ihre touristische Infrastruktur in
Schuss halten zu können".
Auch Detlef Matthiessen (Grüne) hielt es für
gerecht wenn die Fremdenverkehrsabgabe "auf mehr
Schultern" verteilt werden würde als bisher. Schließlich
würden "Touristen häufig in die Peripherie fahren, um bei ´famila´
einzukaufen".
Anke Spoorendonk (SSW) bezeichnete den Gesetzentwurf
als nachvollziehbar, warnte aber vor der "Trittbrettfahrer-Mentalität
der Umlandgemeinden". Sie mahnte deshalb eine vernünftige
Gemeindestrukturreform an. Denn: „Die Gemeindegrenzen entsprechen
häufig nicht den Nutzräumen", so Spoorendonk.
Der Gesetzentwurf wurde an den Innen- und
Rechtsausschuss sowie den Wirtschaftsausschuss geleitet.