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Auf dieser Seite: Kleinkind-Betreuung 

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Top 18:
Ausbau der Betreuung unter Drei-Jähriger
Antrag der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen
Antrag der Fraktionen von CDU und  SPD – Drs. 16/1315
Drucksache: 16/1296
-Plenarprotokoll-

Bundesfamilienministerin schiebt erneute Kinderkrippen-Debatte an


Im Sommer vergangenen Jahres eröffnet und
gleich "ausgebucht": Krippengruppe im Städtischen
Kindergarten Buschblick in Kiel-Friedrichsort

Landtag in Zielsetzung einig, aber Streit um
Bedarfsermittlung, Zeitschiene und Kosten

Kiel (SHL/22.03.) Im Grundsatz ist sich der Landtag auf breiter Front einig: Die Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren sollen ausgebaut werden. Über die konkreten Schritte zur Umsetzung herrschte im Landtag jedoch Unstimmigkeit. Die Große Koalition lehnte es ab, bis spätestens 2010 eine bedarfsgerechte Versorgung in allen Kommunen sicher zu stellen und das Thema auf Bundesebene stärker anzusprechen. Dies hatten die Grünen mit Unterstützung von FDP und SSW von der Landesregierung einfordern wollen. Stattdessen stimmten CDU und SPD für einen eigenen Antrag, in dem die Erstellung einer landesweiten Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Situation und des Planungsstandes der Kommunen gefordert wird.

Die Sozialpolitikerin der Grünen, Monika Heinold, begrüßte in der Debatte grundsätzlich den Vorschlag von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU), bis zum Jahr 2013 Krippenplätze für 30 Prozent der unter Dreijährigen einzurichten: Diese Zielsetzung "sollten wir als Grundlage nehmen", sagte sei. Zunächst einmal müsse jedoch das 2005 in Kraft getretene Tagesstätten-Ausbaugesetz (TAG) umgesetzt werden, das für jedes fünfte Kleinkind bis zum Jahr 2010 einen Betreuungsplatz vorsieht. Zur Finanzierung schlug sie erneut die Kappung des Ehegattensplittings vor. "Das bringt 100 Millionen Euro für Schleswig-Holstein", so Heinold.

"Der Bund ist in der Pflicht"

"Wir sind noch ein großes Stück vom Tagesstätten-Ausbaugesetz und dem Vorschlag der Bundesfamilienministerin entfernt", gestand Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) ein. Sie forderte zuvorderst einen Pakt von Bund, Ländern und Kommunen für mehr Bildung und Betreuung. Hier solle sich auch die Wirtschaft stärker engagieren. Ihren Angaben zufolge würden jährlich 3.000 neue Krippenplätze im Land benötigt. Die erforderlichen Kosten bezifferte sie auf einen "hohen zweistelligen Bereich". Aus Landesmitteln sei dies nicht zu bewerkstelligen – "der Bund ist in der Pflicht", so Erdsiek-Rave.

Auch Heike Franzen (CDU) und Astrid Höfs (SPD) sprachen sich dafür aus, dass Bund, Länder und Gemeinden an einem Strang müssten. Sie verwiesen vor allem auf die Notwendigkeit für die Eltern, Beruf und Familie unter einen Hut bringen zu können. "Vielen Gemeindevertretern ist die Bedeutung der Kinderbetreuung noch nicht klar", so Höfs. Auch deshalb sei es notwendig, den genauen Bedarf zu ermitteln. Hierauf reagierte der FDP-Abgeordnete Heiner Garg mit Unverständnis: "Sie stellen einen Antrag, der im September im Sozialausschuss bereits beschlossen wurde und sich in Umsetzung befindet, weil sie es nicht fertig bringen, einem ordentlichen Oppositionsantrag zuzustimmen", warf er der Großen Koalition vor.

"Krippen dürfen kein Kinderparkhaus werden"

Lars Harms (SSW) mahnte , bei der Einrichtung von neuen Betreuungsplätzen auf die pädagogischen Standards zu achten: "Krippen dürfen kein Kinderparkhaus werden."

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Hintergrund:
  Vor dem Hintergrund der aktuellen bundesweiten Debatte zu diesem Thema fordern die Grünen "einen zügigen Ausbau der Betreuungsangebote für unter Dreijährige" in Schleswig-Holstein. Die Landesregierung soll nach Vorstellung der Oppositionsfraktion die Ausbauplanung der Kommunen im Lande zusammenfassen, um "bis spätestens 2010 eine bedarfsgerechte Versorgung in allen Kommunen sicher zu stellen". Außerdem wird die Regierung aufgefordert, sich für eine Beteiligung des Bundes an den dabei anfallenden Kosten einzusetzen.
  Die Grünen loben in ihrem Antrag den Vorschlag von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU), bis zum Jahr 2013 Krippenplätze für 35 Prozent der Kinder bis drei Jahre einzurichten. Das entspräche etwa 750.000 Plätzen. Die Ministerin geht mit ihrem Vorstoß über das 2004 im Tagesstätten-Ausbaugesetz (TAG) vorgegebene Ziel von 20 Prozent bis 2010 hinaus. Derzeit liegt die Quote dem Statistischen Bundesamt zufolge deutschlandweit bei 285.000 Plätzen und etwa 13,5 Prozent.
  Schleswig-Holstein befindet sich, wie die meisten westdeutschen Länder, weit unter dem Bundesschnitt, während der Osten von der Leyens Zielvorgabe bereits weitgehend erreicht hat. Im Norden gab es laut der Statistik im Vorjahr rund 5.500 Krippenplätze, was einer Quote von 7,6 Prozent der Kinder in dieser Altersgruppe entspricht. Im Jahre 2002 waren es noch 2,9 Prozent.
  Unterdessen wird in der Politik über die Finanzierung der Krippen-Pläne gestritten. Das Bundesfamilienministerium rechnet bundesweit mit jährlich drei Milliarden Euro Mehrkosten, der Deutsche Städte- und Gemeindebund taxiert den Bedarf auf 9,5 Milliarden pro Jahr. Um die Mittel aufzubringen, sind verschiedene Vorschläge in der Diskussion: etwa eine Aussetzung der Kindergeld-Erhöhung, eine Kürzung des Ehegattensplittings, eine stärkere Belastung der Unternehmen oder ein Zugriff auf die Mehreinnahmen, die der Staatskasse durch die Mehrwertsteuer-Erhöhung zufließen. Ministerin von der Leyen hat Medienberichten zufolge eine Finanzierung aus dem allgemeinen Steueraufkommen des Bundes als "gerechtesten Ansatz" bezeichnet.
  Die schleswig-holsteinische Landesregierung hat, wie die meisten anderen Bundesländer, eine stärkere Beteiligung des Bundes gefordert. Mit Blick auf die Haushaltslage des Landes ließ die Regierung in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zudem verlauten, Schleswig-Holstein werde die Vorgaben des TAG (20 Prozent Versorgungsquote bis 2010) nicht erreichen.

mehr Informationen: plenum-online, Juni 2006
(www.sh-landtag.de/plenumonline/juni2006/texte/47_kinderbetreuung.htm)

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