Grüne fordern mehr
Dämmschutz gegen den Klimakiller CO2
Kiel (SHL/22.03.)
Die Grünen stehen im Landtag mit ihrer Forderung nach strengeren
Energiesparvorgaben für Immobilienbesitzer weitgehend allein auf
weiter Flur. Eine Verschärfung der gegenwärtigen Bestimmungen
könnte die Eigentümer beim Häuserbau oder bei
Modernisierungsmaßnahmen finanziell überfordern. Neben
der Einführung eines Energiepasses, der sich am theoretisch
berechneten Energiebedarf einer Immobilie orientieren soll, peilen
die Grünen unter anderem an, die Anforderungen für Wärmedämmung
um 30 Prozent anzuheben. Die Landesregierung soll sich
diesbezüglich bei den anstehenden Beratungen zur neuen
Energie-Einsparverordnung im Bundesrat einsetzen. Der Antrag wurde
zunächst zur Beratung an den Innen- und Rechtsausschuss und an den
Wirtschaftsausschuss überwiesen.
"Die Vorschläge der Grünen schießen über
das Ziel hinaus", wies Innenminister Ralf Stegner (SPD) das
Ansinnen der Oppositionspartei zurück. Die vorhandenen
Mindeststandards für den Bau und die Modernisierung von Immobilien
würden als "Lenkungsvorgabe" ausreichen. Zudem lehnte er
die Forderung nach einem Energiepass ab, der sich am theoretisch
berechneten Energiebedarf der Immobilie orientiert. Hintergrund: Die
EU will einen ähnlichen Energiepass vorschreiben, der sich aber
nach dem tatsächlichen Verbrauch richte. Dies, so Stegner, sei
leichter zu handhaben.
"Lassen Sie uns mit Klimaschutz ernst
machen", warb dagegen Detlef Matthiessen (Grüne) für die
Pläne seiner Fraktion. Er führte an, dass der in der
Energie-Einsparverordnung vorgesehene Dämmschutz vom technischen
Stand des Jahres 1995 ausgehe. Dabei könne mit modernsten
Wärmedämmmaßnahmen mittlerweile bis zu 90 Prozent der Kosten
eingespart werden." Wilfried Wengler (CDU) erinnerte daran,
dass vorgesehen sei, die von der EU geforderten Maßnahmen zum
Dämmschutz 1:1 in der Verordnung umzusetzen. Allerdings müsse die
Orientierung am Stand von 1995 "nicht der Weisheit letzter
Schluss sein", gestand er ein.
Bis 2010 sind in Schleswig-Holstein 150.000
Wohnungen umfassend zu modernisieren. Das dafür erforderliche
Investitionsvolumen wird auf 3,2 Milliarden Euro geschätzt",
rechnete Thomas Hölck (SPD) vor um zu der Schlussfolgerung zu
kommen: "Ein Betrag, der in dieser Größenordnung wird kaum
von den Vermietern und Eigentümern alleine zu finanzieren sein.
Auch Heiner Garg (FDP) offerierte eine Hochrechnung, demzufolge
"rund 20 Prozent aller CO2-Emissionen in Deutschland aktuell im
Gebäudesektor entstehen." Vor diesem Hintergrund "gibt es
folglich noch eine Menge zu tun", folgerte Garg, schränkte
aber zugleich ein: "Dämmmaßnahmen müssen machbar
bleiben."
"Der Energiepass darf nicht zu einem
standardisierten Ausweis verkommen, der eine Übersicht liefert
über die Heizkosten und sich auf allgemeine Energiespartipps
beschränkt", sprach sich Lars Harms (SSW) wie die Grünen für
Nachbesserungen am Energiepass aus. Der Energiepass ist ab 2008 ein
verpflichtendes Zertifikat, das beurteilt, wie ein Gebäude
energetisch einzuschätzen ist. Er soll Verbraucher informieren,
Einsparpotentiale aufzeigen und Vergleiche ermöglichen.