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Bekämpfung von politischem Extremismus und Fremdenfeindlichkeit – Stärkung der Demokratie
Landtagsbeschluss vom 22. Februar 2007 – Drs. 16/1208neu
Bericht der Landesregierung
Drucksache: 16/1287
-Plenarprotokoll-

Rechtsextremismus ist "in der Mitte der Gesellschaft angekommen"

Landtag mahnt politische Programme,
Bildungsoffensive und positive Werte an

Kiel (SHL/22.03.) Der Kampf gegen politischen Extremismus, insbesondere mit rechtem Hintergrund, bleibt eine "Daueraufgabe der Gesellschaft und aller demokratischen Parteien". Das hat Innenminister Ralf Stegner (SPD) bei der Vorstellung seines Regierungsberichts zu diesem Thema im Einklang mit allen Fraktionen betont. Die verschiedenen Anstrengungen des Landes zur Stärkung einer demokratischen Grundhaltung, wie zum Beispiel das Programm "Schule gegen Rassismus / Aktion Courage", das Projekt "Sport gegen Gewalt" oder der internationale Schüleraustausch, stießen bei den Abgeordneten auf ein weitgehend positives Echo. Minister Stegner legte dar, dass laut der jüngsten Kriminalstatistik die Zahl der rechtsextremen Straftaten im Vorjahr gegenüber 2005 von 337 auf 510 angestiegen sei. Hierbei habe es 65 Gewaltdelikte im Vergleich zu 56 im Jahr zuvor gegeben.

Als Ursache für den Anstieg machte Stegner eine "grundlegende Neuausrichtung" des Rechtsextremismus aus: Insbesondere die NPD versuche jetzt," sich als Anwalt der kleinen Leute darzustellen". Thomas Rother (SPD) wies darauf hin, dass Schleswig-Holstein im Bundesvergleich mit zwei Gewalttaten auf 100.000 Einwohner die negativste Bilanz in Westdeutschland aufweise. Er zitierte eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, laut der zehn bis 15 Prozent der Wahlbevölkerung "ein gefestigtes rechtsextremes Weltbild" hätten – der Extremismus sei also "in der Mitte der Gesellschaft" angekommen.

Das bestätigte auch Anke Spoorendonk (SSW): "Der hässliche Skinhead ist schon lange nicht mehr der einzige Rechtsextremist in unserer Gesellschaft". Wer als Ausländer keinen Vermieter finde, der sei unmittelbar von Fremdenfeindlichkeit betroffen. Auch der SSW im Landtag habe nach der letzten Landtagswahl und der zwischenzeitlich angestrebten Regierungstolerierung Drohungen mit rechtem Hintergrund erhalten, so Spoorendonk – "darunter befinden sich Texte, die der dänischen Minderheit die Rückkehr nach Dänemark empfehlen".

Warnung vor "Scheinheiligkeit der Politik"

Wolfgang Kubicki (FDP) warnte angesichts verbreiteter rechtsextremer Einstellungen vor einer "Scheinheiligkeit der Politik" und einer übertriebenen politischen Korrektheit. Es sei falsch, "normabweichendes Verhalten" zu akzeptieren, nur weil es aus einem anderen Kulturkreis stamme. In diesem Zusammenhang kritisierte er die Frankfurter Amtsrichterin, die einer sofortigen Scheidung einer von ehelicher Gewalt betroffenen moslemischen Frau nicht habe zustimmen wollen, weil eine solche Züchtigung laut dem Koran gestattet sei.

Politik und Gesellschaft müssten "zur Migration stehen" und die Vorzüge einer multikulturellen Gesellschaft herausstellen, warb dagegen Karl-Martin Hentschel (Grüne) für "ein positives Gegenbild" zur rechtsextremen Weltsicht. Die beste Prävention sei zudem "ein Bildungswesen, das alle mitnimmt und das keine Verlierer schafft". "Es geht immer wieder darum, dass wir in unserem Land Chancengleichheit sicherstellen müssen", schloss Herlich Marie Todsen-Reese (CDU) an. Eine gute Bildung, Ausbildung und Qualifizierung, soziale Kompetenz und ein verlässliches Wertefundament nähmen hier eine Schlüsselrolle ein.

Bedrohung durch den Islamismus weiter ein Thema

Minister Stegner warnte auch vor den Gefahren von Links und seitens islamistischer Terroristen. Die linken Straftaten seien im Vorjahr um mehr als die Hälfte von 273 auf 118 zurückgegangen. Dennoch warnte er vor Aktionen im Umfeld des G8-Gipfels im mecklenburgischen Heiligendamm im Juni. Es gebe auch eine "intensive Bedrohung" durch den Islamismus, erinnerte er an den Kieler Kofferbomber vom letzten Sommer. Obwohl nur 13 Straftaten diesem Umfeld zugeordnet wurden, sei eine "unverändert hohe Wachsamkeit" nötig.

Die Ausschüsse für Innen und Recht und Soziales beraten den Bericht weiter.

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Hintergrund:
  Mit einem breiten Bündel von Maßnahmen will die Landesregierung dem politischen Extremismus entgegentreten. Das geht aus einem von Schwarz-Rot beantragten Regierungsbericht hervor, der die Aktivitäten des Innenministeriums, des Justizministeriums, des Bildungsministeriums, des Sozialministeriums sowie der Staatskanzlei zusammenfasst. Einige Aspekte:
  • Politische Bildung: Der Bericht unterstreicht die Bedeutung der Landeszentrale für Politische Bildung und des Landesverbandes der Volkshochschulen bei der Vermittlung von politischem Wissen. Denn: "Wer für die Demokratie eintreten will, muss über politische Prozesse informiert sein und in einer Diskussion über entsprechende Argumente verfügen."

  • Justiz: Durch das so genannte Vorrangige Jugendverfahren können Staatsanwälte und Richter ein Verfahren wegen einer extremistischen Straftat bereits vier Wochen nach der polizeilichen Vernehmung starten. Dieses Schnellverfahren, das im Lande "erfolgreich praktiziert" werde, erhöhe die erzieherische Wirksamkeit der Strafe, so der Bericht.

  • Schule: Das Thema Extremismus und Fremdenfeindlichkeit spielt dem Papier zufolge unter anderem bei der Weiterbildung von Lehrern und bei der Gestaltung der Lehrpläne eine Rolle. So hat das Kieler Institut für Qualitätsentwicklung an den Schulen IQSH 350 Lehrer im Lande als Multiplikatoren für Streitschlichter ausgebildet. Damit werden an etwa 200 Schulen im Lande Schüler als friedliche Konflikt-Löser trainiert. Hier nimmt Schleswig-Holstein laut dem Bericht bundesweit eine führende Rolle ein.

  • Sport: Das Innenministerium unterstützt das Programm "Sport gegen Gewalt, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit" mit 230.000 Euro jährlich. Hierbei wird in landesweit 80 Projektgruppen in Zusammenarbeit mit Sportvereinen und Partnern aus der Jugendarbeit ein wöchentliches Sportprogramm für etwa 2.000 Kinder und Jugendliche veranstaltet. Zudem gibt es in jedem Jahr etwa 50 Sonder-Events wie Sportfeste und Turniere.

  • Jugendarbeit: Die Landesregierung fördert internationale Jugendbegegnungen. Neben den langjährigen Kontakten mit Frankreich und Polen gibt es nun auch Austauschprogramme mit Tschechien und Israel. Diese Begegnungen "sind besonders dazu geeignet, durch den Abbau von Vorurteilen zu Verständigung, Toleranz und einem friedlichen Miteinander beizutragen", heißt es in dem Bericht.

In ihrer Anfang des Monats vorgestellten Kriminalitätsstatistik für 2006 verweist die Landesregierung darauf, dass die politisch motivierte Kriminalität im vergangenen Jahr auf dem Niveau von rund 900 Delikten stagniert habe. Während die von "Links" motivierte Kriminalität stark rückläufig sei, steige die Zahl rechtsextremistischer Straftaten deutlich an. 510 Fälle politisch motivierter Kriminalität von "Rechts" stehen 118 Fällen politisch motivierter Kriminalität von "Links" entgegen. Die Polizei registrierte eine Zunahme rechtsextremistischer Straftaten in Höhe von 173 Fällen und eine Abnahme der linksextremistisch motivierten Kriminalität um 155 Fälle. Die Rechtsextremisten zeigten auch eine spürbar gestiegene Gewalttätigkeit. Während die Gewalttaten im linksextremistischen Spektrum um die Hälfte zurückgingen, stiegen sie im rechtsextremistischen Bereich von 56 auf 65 Delikte an.

mehr Informationen: plenum-online, September 2006
(www.sh-landtag.de/plenumonline/september2006/texte/02_reg_sicherheit.htm)

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A k t u e l l e s

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I n n e n  / R e c h t

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Organstreitverfahren / BVG
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Experten für Kommunalreform
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F i n a n z e nt

2. Lesung:
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(ohne Aussprache)
1. Lesungen:
Kommunalabgabe für Fremdenverkehrswesen
Landesbesoldungsgesetz
(ohne Aussprache)
Aktuelle Stunde:
Unternehmenssteuer-Reform
Berichte:
Kommunaler Finanzausgleich

S o z i a l e s  / A r b e i t  / G e s u n d h e i t

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Gesundheitsfürsorge/Kinder
Kinderförderung
(ohne Aussprache)
Ausbildung
(ohne Aussprache)

W i r t s c h a f t  /
V e r k e h r  /  T e c h n i k

1. Lesung:
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Stromnetz/Erdkabel
Logistikkonzept
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Berichte:
Börsengang der Bahn
Stromnetz/Erdkabel

 A g r a r  /  U m w e l t  / 
E n e r g i e  / F o r s t e n

1. Lesung:
Umweltprüfung
Antrag:
Atomenergie
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Agrarstruktur/Küstenschutz
EU-Chemkalienverordnung
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 B i l d u n g  /  K u l t u r  / W i s s e n s c h a f t

Anträge:
Umsetzung Schulgesetz
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Eingangsphase Grundschule
(ohne Aussprache)
Berichte:
Lehrerbildung
Hochschulpakt
Sprachheilschulen
(ohne Aussprache)

 E u r o p a  / O s t s e e –
k o o p e r a t i o n

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