Minus für öffentliche Haushalte befürchtet
Kiel (SHL/23.03.)
Trotz einer Vielzahl von Bedenken unterstützt die schwarz-rote
Koalition im Lande die Unternehmenssteuerreform, die die
Bundesregierung vergangene Woche auf den Weg gebracht hat. Zwar
bemängelten insbesondere die SPD-Vertreter in einer vom SSW
beantragten Aktuellen Stunde die zu erwartenden Einnahmeausfälle
für den Landeshaushalt. Diese sollen nach ersten Berechnungen des
Finanzministeriums bei etwa 80 Millionen Euro pro Jahr liegen.
Andererseits werde durch die Reform aber die Wettbewerbsfähigkeit
des Standorts Deutschland steigen, hoffen die Koalitionäre von
CDU und SPD. Dies schaffe Wachstum und Arbeitsplätze und sorge so
auch für höhere Steuereinnahmen. Während die FDP die Reform als
"unzureichend" bezeichnete, weil sie das Steuersystem
weiter verkompliziere, kritisierten Grüne und SSW die zu
erwartenden Einnahmeausfälle für die öffentlichen Haushalte als
"unerträglich". Das Geld müsse besser in
Kinderbetreuung und Bildung investiert anstatt den großen
Konzernen geschenkt werden.
Nach den Bundesplänen soll unter anderem die
Besteuerung der Gewinne von Kapitalgesellschaften von 38,65 auf
29,83 Prozent heruntergefahren werden. Die Körperschaftssteuer
soll von 25 auf 15 Prozent sinken. Personengesellschaften sollen
künftig nicht mehr nach dem Einkommenssteuersatz (42 Prozent),
sondern mit 28,25 Prozent belastet werden. Agenturmeldungen
zufolge kostet die Steuersenkung den Staat bundesweit
30 Milliarden Euro, wovon allerdings 25 Milliarden durch den Wegfall
von Steuervorteilen kompensiert werden sollen. Es gibt aber auch
Schätzungen, die von einer noch höheren Belastung der
öffentlichen Haushalte ausgehen.
Er sei zwar "nicht ungeteilt
begeistert", bekannte der CDU-Finanzexperte Frank Sauter. Die
Reform passe aber "in den großen politischen
Zusammenhang", weil Deutschland sich damit den anderen
Industrienationen anpasse, die solche Reformen teilweise bereits
vor Jahrzehnten vorgenommen hätten. Das sah auch
Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) so. Er erkannte aber
noch "Nachbesserungsbedarf" im Interesse der
forschungsintensiven mittelständischen Betriebe und der Werften
im Lande.
SPD mit großen Bedenken
Die SPD-Finanzpolitikerin Birgit Herdejürgen
(SPD) merkte an, die Koalition habe im laufenden Haushalt bereits
einen "Puffer" für die Steuerausfälle eingebaut –
nämlich globale Minderausgaben von 50 Millionen Euro jährlich.
An die Groß-Unternehmen appellierte sie, sie sollten ihrer
"sozialen Verantwortung der Besitzenden" gerecht werden
und Arbeitsplätze im Lande sichern. Ihr Parteifreund, der
Finanzausschussvorsitzende Günter Neugebauer sagte nur
eingeschränkt "Ja" zur Reform. Er forderte, sie müsse
"aufkommensneutral" erfolgen, da die
"Handlungsfähigkeit des Staates" erhalten werden
müsse.
Damit lag Neugebauer weitgehend auf der Linie von
SSW und Grünen. "Müssen die deutschen Unternehmen jetzt
wirklich weiter entlastet werden?", fragte Anke Spoorendonk
(SSW) und erinnerte an die Position der Bundesrepublik als
Exportweltmeister. Sie erinnerte an die letzte
Unternehmenssteuerreform von 2001, die "katastrophale
Auswirkungen" auf den Landeshaushalt gehabt habe. Die
Grünen-Abgeordnete Monika Heinold befürchtete, die Reform
verschärfe die "Spaltung der Gesellschaft". Es könne
nicht angehen, dass die einfachen Bürger durch die jüngste
Mehrwertsteuererhöhung belastet würden, während die Unternehmen
gleichzeitig im großen Stile entlastet würden.
Oppositionsführer Wolfgang Kubicki (FDP)
argwöhnte, die "Komplexität des deutschen
Steuerrechtes" werde durch untaugliche Kompromisse innerhalb
der Berliner Großen Koalition weiter steigen. Insbesondere die
Personengesellschaften würden gegenüber den
Kapitalgesellschaften ungleich behandelt und damit weiter
belastet: "So schwächt man die Bereitschaft zum
unternehmerischen Engagement".
Weitere
Redner: Karl-Martin Hentschel (Grüne), Lars Harms
(SSW), Tobias Koch (CDU), Heiner Garg (FDP)
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