|
Landtag
einig: Schleswig-Holstein braucht mehr Wald
Landesregierung legt
siebten Waldbericht vor
Kiel (SHL/25.03.)
Die Landesregierung hält weiter daran fest, den Anteil des Waldes
an der Landesfläche von derzeit 10,3 Prozent auf zwölf Prozent zu
erhöhen. „Das bleibt allerdings ein Langzeit-Ziel", sagte
Umweltminister Christian von Boetticher (CDU) bei der Vorstellung
des siebten Waldberichts, der die Jahre 2003 bis 2007 umfasst. Das
Plenum kritisierte geschlossen, die Anstrengungen zur Neuwaldbildung
reichten nicht aus. Insbesondere den Privatwald-Besitzern müssten
mehr Anreize geboten und weniger bürokratische Hindernisse in den
Weg gelegt werden, um Ackerland in Waldflächen umzuwandeln,
forderten Redner aller Fraktionen.
Die Eckdaten des
Berichts: Seit 1987 sind landesweit rund 7.000 Hektar Neuwald
entstanden, im Berichtszeitraum etwas über 1.000 Hektar. Schleswig-Holstein verzeichnet damit zwar den größten
Zuwachs, bleibt aber das waldärmste Flächenland der
Bundesrepublik. Von den derzeit insgesamt 162.000 Hektar Wald im Lande befindet sich die Hälfte in
Privatbesitz. Gut ein Drittel ist Landes- oder Bundeswald,
der Rest gehört anderen öffentlichen Körperschaften.
Der Umweltminister zeigte sich erfreut über die Entwicklung des Forstsektors und erläuterte, dass
der Wald in Schleswig-Holstein heute ein Wirtschaftscluster mit einem Jahresumsatz von
rund 4,4 Milliarden Euro oder knapp 26.500 Vollzeitarbeitsplätzen sei.
Ferner sei der ökologische Waldumbau und die Neuwaldbildung unter Einsatz von 17,4 Millionen Euro an Landes-, Bundes- und EU-Mitteln seit 2003 vorangetrieben worden.
Ziel sei es zudem, so von Boetticher, dass die Landesforstanstalt
bis 2012 „eine schwarze Null schreibt". Im Berichtszeitraum waren
rund 20 Prozent der Stellen in der Forstwirtschaft abgebaut worden.
SPD und Grüne sprachen sich in der Debatte gegen
das geplante Verbot aus, den Wald im Frühjahr abseits der
festgelegten Wege zu betreten. Dies sieht der Entwurf für ein neues
Landeswaldgesetz vor, der sich derzeit in der Verbandsanhörung
befindet und 2010 verabschiedet werden soll. Von Boetticher merkte
an: Die öffentliche Diskussion in den letzten Wochen sei "teilweise unredlich und zu einem guten Teil geradezu absurd" verlaufen.
Der Bericht der Landesregierung wurde dem Umwelt-
und Agrarausschuss überwiesen.
Weitere Stimmen aus
dem Plenum:
Hartmut Hamerich (CDU):
Wir müssen angesichts der höchst angespannten finanziellen
Lage auch weiterhin mit Defiziten leben. Das Ziel, den Waldanteil
der Landesfläche auf 12 Prozent anzuheben, ist nach wie vor nicht
erreicht. Andere Ziele, wie beispielsweise die Gründung der
Landesforstanstalt, sind dagegen erreicht.
Konrad Nabel (SPD):
Die Sorgen vieler Menschen um den Wald machen sich bei der von
der Landesregierung geplanten Einschränkung des allgemeinen
Betretungsrechts fest. Wir werden es nicht zulassen, dass wir hinter
den Stand von 2004 zurückfallen und das einzige Bundesland ohne
freies, allgemeines Betretungsrecht wären.
Günther Hildebrand (FDP):
Ich bin überzeugt, dass es etwa durch intensives Sponsoring
oder weniger Auflagen bei der Erstaufforstung zu erkennbaren
Verbesserungen kommt. Sicherlich gibt es keine Patentrezepte, aber
nur weiter wie gehabt bei schwierigerer Haushaltslage ist keine
Lösung.
Detlef Matthiessen (Grüne):
Wegen des Klimawandels kann es auch in Schleswig-Holstein nur
eine Richtung geben: Nachhaltiger Erhalt des Waldes und
Neuwaldbildung zur Bindung von Kohlendioxid. 1.000 Hektar Neuwald in
den vergangenen Jahren, das ist viel zu wenig.
Lars Harms (SSW):
Seit dem letzten Forstbericht hat sich die forstpolitische
Situation in Schleswig-Holstein nicht sehr zum Positiven verändert.
Die politischen Diskussionen um den Verkauf des Landeswaldes bis hin
zur Umstrukturierung und Neuorganisation der Landesforstverwaltung
haben im Land für erhebliche Unruhe gesorgt.
Hintergrund:
Die Landesregierung legt dem Parlament ihren 111 Seiten
starken Waldbericht für die Jahre 2003 bis 2007 vor.
Demnach ist Schleswig-Holstein nach wie vor das
waldärmste Flächenland in Deutschland. 10,3 Prozent der
Landesfläche sind bewaldet, im Bundesdurchschnitt sind es
31 Prozent. Der Norden verzeichnet aber auch die größte
Zuwachsrate aller Bundesländer – seit 1987 sind 7.000
Hektar neu aufgeforstet worden. Zum Vergleich: Im Jahr
1780 betrug der Waldanteil in Schleswig-Holstein nur vier
Prozent. Innerhalb des Landes gibt es starke regionale
Unterschiede: Im Südosten, im Kreis Lauenburg, stehen die
meisten Bäume; der Waldanteil beträgt fast 25 Prozent.
Die Marschen im Nordwesten sind hingegen fast unbewaldet.
Von den
162.000 Hektar Wald im Lande befindet sich die Hälfte in
Privatbesitz. Gut ein Drittel ist Landes- oder Bundeswald,
der Rest gehört anderen öffentlichen Körperschaften. 61
Prozent der schleswig-holsteinischen Wälder bestehen aus
Laubbäumen, 39 Prozent aus Nadelhölzern. 60 Prozent der
Bäume sind jünger als 60 Jahre.
Das
Ziel: Zwölf Prozent der Landesfläche sollen
bewaldet werden
CDU und SPD
haben in ihrem Koalitionsvertrag aus dem Jahr 2005 das
Ziel ausgegeben, den Waldanteil auf zwölf Prozent der
Landesfläche zu erhöhen. Um dies zu erreichen, sollen
private Waldbesitzer verstärkt dazu ermuntert werden,
aufzuforsten.
Weitere
forstpolitische Schwerpunkte des Umweltministeriums sind
der Umbau der Forstverwaltung. Hier wurden in den letzten
Jahren 20 Prozent der Stellen abgebaut, es arbeiten noch
250 Mitarbeiter im Forstdienst. Zudem soll es neue
gesetzliche Regelungen für den Wald und die Jagd geben.
Der erste Entwurf des neuen Waldgesetzes ist in den
letzten Wochen in der Öffentlichkeit auf Protest
gestoßen. Er sieht ein Betretungsverbot abseits der Wege
im Frühjahr vor, um Jungtiere zu schützen.
Umweltschützer halten dies für unnötig.
Der
Wald als Schutz-, Erholungs- und Wirtschaftsfaktor
55 Prozent der Wälder
erfüllen eine Schutzfunktion, etwa als
Wasserschutzgebiete, als Windschutz, als Natur- und
Vogelschutzgebiete oder als Naturdenkmäler. 11.000 Hektar
sind Erholungswald und beispielsweise mit Wander-,
Fahrrad- und Reitwegen, Spielplätzen oder Grillhütten
ausgestattet. Daneben ist der Wald auch Wirtschaftsfaktor:
Es gibt im Lande 5.100 Forstbetriebe, die allermeisten
bewirtschaften allerdings nur wenige Hektar.
Debatte zum
Landeswaldgesetz: plenum-online, November
2004
|
|