Zur
Vorgeschichte: Die beiden Meiler sind am 28. Juni 2007
innerhalb weniger Stunden abgeschaltet worden. Auf dem
Gelände des AKW Krümmel in Geesthacht war in einer
Trafostation ein Feuer ausgebrochen. Wie die Feuerwehr
mitteilte, hatte sich Kühlflüssigkeit entzündet. Eine
Gefahr für den Nuklearbereich bestand nach Angaben von
Vattenfall nicht. Rund zwei Stunden zuvor das
Atomkraftwerk Brunsbüttel nach einem Kurzschluss in einer
Schaltanlage heruntergefahren und vom Netz getrennt
worden. Im Sommer 2009 war Krümmel wieder hochgefahren
worden – allerdings nur für wenige Tage. Seit einer
Schnellabschaltung am 4. Juli 2009 steht der Meiler wieder
still. Grund war dies Mal ein Kurzschluss in einem
Transformator – ähnlich wie beim ersten Zwischenfall im
Juni 2007.
Seit den
Unfällen laufen umfangreiche Reparaturen. Laut den
Aussagen des Vattenfall-Konzerns in den Medien aus diesem
Februar gibt es noch keinen Termin, wann die Kraftwerke
wieder angefahren werden sollen. Vattenfall hat seinen
Antrag an das Bundesumweltministerium, die Laufzeiten von
Krümmel auf Brunsbüttel zu übertragen, Mitte März
zurückgezogen.
Vorfälle entfachen Diskussion über
Sicherheit und Rest-Laufzeiten
Die
Vorfälle haben eine kontroverse Debatte über die
Sicherheit der Atomkraft, die Verlässlichkeit des
Betreibers und die im Atomkonsens aus dem Jahr 2000
vorgesehenen Rest-Laufzeiten ausgelöst. Medienberichten
zufolge will die schwarz-gelbe Koalition in Berlin nach
einem Sondierungsgespräch mit den vier großen
Stromkonzernen Vattenfall, RWE, EnBW und E-on auch die
ältesten der noch 17 deutschen Atomkraftwerke vorerst am
Netz lassen. Damit könnte auch für die eigentlich vor
der Abschaltung stehenden Reaktoren Neckarwestheim I in
Baden-Württemberg (im Frühjahr) und Biblis A in Hessen
(im Herbst) die Zeit bis zu einer förmlichen
Verlängerung der AKW-Laufzeiten überbrückt werden.
Spitzenvertreter der CDU/FDP-Koalition im Lande plädieren
unterdessen dafür, die Rest-Strommengen der Pannen-Meiler
auf das jüngere AKW Brokdorf zu übertragen.
Den
Atomkonsens über einen allmählichen Ausstieg
Deutschlands aus der Nutzung der Kernenergie erzielten die
damalige rot-grüne Bundesregierung und die Stromindustrie
nach langen Verhandlungen im Juni 2000. Darin werden die
Restlaufzeiten der Kraftwerke festgelegt. Von den 17
verbliebenen deutschen AKW liegen drei in
Schleswig-Holstein. Brunsbüttel würde demnach 2012 vom
Netz gehen, Brokdorf und Krümmel würden 2019 folgen.
Der Landtag
hat zuletzt im Januar über die AKW debattiert.