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Auf dieser
Seite: Printmedien
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Top 27:
Situation und Entwicklung der Printmedien in
Schleswig-Holstein
Landtagsbeschluss vom 25. Januar 2006 – Drucksache 16/511
Federführend ist das Innenministerium |
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Pressevielfalt in Gefahr

Landtag sorgt sich um
Konzentrationsprozesse im Printmedien-Bereich
Kiel (SHL/01.06.)
Die Parteien des Landtages fürchten um das Niveau der
Zeitungslandschaft in Schleswig-Holstein. Die Aufteilung
des Printmarktes unter den fünf großen Tageszeitungsanbietern
– Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag (sh:z), Kieler
Nachrichten, Lübecker Nachrichten, Dithmarscher Landeszeitung
und Hamburger Abendblatt – gehe nicht nur auf Kosten der
Pressevielfalt durch die abgesteckten Verbreitungsgebiete, sondern
wirke sich auch auf die Meinungsvielfalt aus, hieß es im
Plenum.
Parteiübergreifend wurde zudem der
Stellenabbau in den Redaktionen sowie eine wachsende Aufmachung
der Blätter im Boulevard-Stil kritisiert. Beides hätte zu einem
erheblichen Qualitätsverlust geführt. Den Redakteuren bliebe
kaum noch Zeit für das Redigieren von Texten, die häufig von
freien Mitarbeitern ohne journalistischem Hintergrund geliefert
würden. Moniert wurde auch das Outsourcing einzelner Ressorts.
Grundlage der Debatte war ein von
den Oppositionsparteien beantragter Bericht der Landesregierung,
der ebenfalls auf harsche Kritik stieß: Das Papier sei eine
bloße Ansammlung von Stellungnahmen und enthalte nur wenig
aussagekräftige Informationen zur Entwicklung des Zeitungsmarktes
in Schleswig-Holstein. Innenminister Ralf Stegner (SPD) wies die
Kritik zurück: In der Kürze der Zeit und auch aus Kostengründen
sei ein umfassenderes Zahlen- und Informationswerk nicht
realisierbar gewesen. Überdies hätten einige Unternehmen wie der
sh:z eine Stellungnahme verweigert.
Die Printmedien kämpfen seit
einigen Jahren mit sinkenden Auflagezahlen. So erreichten die
deutschen Tageszeitungen im Jahr 2005 noch 74,8 Prozent der
Bevölkerung ab 14 Jahren. 1995 lag die Zahl bei über 80 Prozent
(Zahlen des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger). Ein Grund
hierfür ist der neu entstandene Kleinanzeigenmarkt im Internet,
der der Print-Anzeige vielfach den Rang abgelaufen hat. Die
Gewerkschaft ver.di und der Deutsche
Journalistenverband sehen hierdurch die Pressefreiheit
bedroht, weil die verbliebenen Anzeigenkunden Druck auf die
Redaktionen ausüben und so die Inhalte bestimmen könnten.
Der Bericht wurde an den Innen- und
Rechtsausschuss überwiesen.
Stimmen aus dem Plenum:
Wolfgang
Kubicki (FDP): Verlage sind auch Unternehmen, die sich am
Markt positionieren und den wirtschaftlichen Anforderungen
genügen müssen. Gegen diese Art des Strukturwandels anzukämpfen,
ist gleichbedeutend mit dem Kampf gegen Windmühlenflügel.
Allerdings wird es problematisch, wenn der Strukturwandel dazu
führt, dass das Produkt leidet und die Versorgung der Bürger mit
diesem Produkt schlechter wird.
Johann Wadephul (CDU): Durch
die mangelnde Konkurrenz geht ein Stück politische Kultur
verloren. Dies ist eine beklagenswerte Entwicklung. Der Trend der
Berichterstattung geht in Richtung Oberflächlichkeit. Um diese
Entwicklung zu stoppen, bedarf es einer kritischen Diskussion mit
den Verlegern.
Peter Eichstädt (SPD): Die
Medienmacher als vierte Gewalt im Staat haben eine
gesellschaftliche Verantwortung inne. Es ist etwas anderes, ob man
mit Brötchen handelt oder ob man Nachrichten verbreitet – und
dies oft aus einer Monopolstellung heraus. Mit dem drastischen Abbau von Stellen in den Redaktionen und dem verstärkten
Einsatz von so genannten freien Mitarbeitern sinkt auch die Qualität
der Berichterstattung
Karl-Martin Hentschel (Grüne):
Wenn, wie in einigen outgesourcten Gesellschaften in
Schleswig-Holstein, ausgerechnet Redakteure, die eigentlich Hüter
der Demokratie sein sollen, aus Angst um ihren Arbeitsplatz nicht
mehr die Kraft haben, einen Betriebsrat zu wählen, dann ist die
Pressefreiheit offensichtlich in Gefahr.
Anke Spoorendonk (SSW): Die
Konzentration der Tageszeitungen ist mit dem Inhaber-Tausch der
Eckernförder Zeitung und der Dithmarscher Rundschau abgeschlossen
und der Markt bereinigt, indem es keine konkurrierenden
Lokalzeitungen mehr gibt. Diese Situation ist nicht hinnehmbar,
denn gerade im harten Geschäft der Meinungen ist die
Meinungsvielfalt unabdingbar.
Hintergrund:
Auf Antrag der
Oppositionsparteien legt die Landesregierung einen Bericht
zur Situation der Printmedien in Schleswig-Holstein vor.
FDP, Grüne und SSW hatten dies angesichts sinkender
Auflagen und schwindenden Anzeigenaufkommens auf dem
Zeitungsmarkt gefordert.
Den Printmarkt in Schleswig-Holstein teilen dem
Regierungsbericht zufolge in erster Linie der
Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (sh:z), die Kieler
Nachrichten, die Flensburg Avis, die Lübecker
Nachrichten, die Dithmarscher Landeszeitung und das
Pinneberger Tageblatt unter sich auf. Die Zahl dieser so
genannten publizistischen Einheiten, das heißt Zeitungen
mit eigener Kernredaktion und einheitlichem Mantelteil,
ist seit 1991 unverändert. Insofern betont der Bericht,
dass es in Schleswig-Holstein keine kartellrechtlich
bedenkliche Fusionswelle gegeben hat, wie sie in anderen
Teilen Deutschlands zu beobachten ist – etwa in Berlin
oder Mecklenburg-Vorpommern.
Die Printmedien kämpfen seit einigen Jahren mit
sinkenden Auflagezahlen. So erreichten die deutschen
Tageszeitungen im Jahr 2005 noch 74,8 Prozent der
Bevölkerung ab 14 Jahren. 1995 lag die Zahl bei über 80
Prozent (Zahlen des Bundesverbandes Deutscher
Zeitungsverleger). Ein Grund hierfür ist der neu
entstandene Kleinanzeigenmarkt im Internet, der der
Print-Anzeige vielfach den Rang abgelaufen hat. Die
Gewerkschaft ver.di sieht hierdurch die Pressefreiheit
bedroht, weil die verbliebenen Anzeigenkunden Druck auf
die Redaktionen ausüben und so die Inhalte bestimmen
könnten.
Die Verlage versuchen deshalb vielfach, ihre Kosten
zu drücken, unter anderem durch Outsourcing. So hat
beispielsweise der sh:z jüngst seine Sportredaktion
ausgegliedert und in eine Sport- und Event GmbH
überführt, in der auch der für das Verlagshaus
abgeschlossene Tarifvertrag nicht mehr gilt. Der Deutsche
Journalistenverband und die Gewerkschaft ver.di haben
hiergegen protestiert. Der Regierungsbericht betont, dass
das Vorgehen des Verlages "rechtlich nicht zu
beanstanden" sei.
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