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Lübeck "Königin der Ostsee"
Ostseehäfen auf
Wachstumskurs / Hansestadt boomt
Kiel (lno/SHL/01.06) Von den Ostseehäfen in Schleswig-Holstein hat
Lübeck auch im nächsten Jahrzehnt die größten Wachstumschancen. Das
geht aus einem Regierungsbericht hervor, über den der Landtag debattierte. Danach kann der Güterumschlag in Lübeck
von 27,3 Millionen Tonnen im vorigen Jahr bis 2015 auf 38,7 Millionen
zunehmen. "Lübeck boomt besonders, bleibt die Königin der Ostsee",
sagte Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU). Insgesamt gebe
es für die Häfen wegen des florierenden Handels im Ostseeraum erstklassige Wachstumsaussichten.
Schätzungen sagen ein Wachstum des Seetransports im Ostseeraum um
64 Prozent zwischen 2003 und 2020 vorher.
Für die nächsten fünf Jahre seien
– einschließlich Brunsbüttel an der Nordsee – Investitionen in die schleswig-holsteinischen Häfen von
150 Millionen Euro absehbar, sagte Austermann. Zustimmend griff er
"Privatisierungsgedanken" in Lübeck auf und sagte dem
Vorhaben seine Unterstützung zu. Eine Privatisierung des bisher in städtischem Eigentum
befindlichen Hafens wäre eine "großartige Chance". Die
wirtschaftliche Bedeutung der Ostseehäfen Lübeck, Kiel und Puttgarden
zeigt sich Austermann zufolge auch darin, dass dort 15.000 Menschen
beschäftigt sind. Generell schließt sich der
Regierungsbericht
Grüne und SSW
gegen Fehmarn-Belt-Brücke
In Kiel hat der Güterumschlag in den vergangenen Jahren stagniert,
mit 4,74 Millionen Tonnen lag das Ergebnis 2005 sogar um fast eine
Million Tonnen unter dem von 1995. Die Prognosen für 2015 schwanken
zwischen 5,5 und 9 Millionen Tonnen. Puttgarden musste im vergangenen
Jahrzehnt einen Rückgang von 7,4 auf 3,8 Millionen Tonnen hinnehmen.
Als Hauptursache gilt die Konkurrenz der Brücke über den Großen Belt.
Da die weitere Entwicklung in Puttgarden stark vom Bau einer Brücke
über den Fehmarnbelt abhängt, sind dem Regierungsbericht zufolge für
die weitere Umschlagsentwicklung keine seriösen Prognosen möglich.
Insbesondere die Grünen und der SSW sprachen sich in der Debatte
vehement gegen den Brückenschlag nach Dänemark aus.
Der Bericht wurde – unter
Mitberatung des Europaausschusses – an den Wirtschaftsausschuss
überwiesen.
Stimmen aus dem Plenum:
Hans-Jörn Arp (CDU): Der Kieler und der
Lübecker Hafen sollen international gemeinsam auftreten und sich
gemeinsam vermarkten, um langfristig Arbeitsplätze zu sichern.
Thomas Rother (SPD): Die Häfen in
Mecklenburg-Vorpommern werden mit zu hohen Förderquoten vom Bund
unterstützt. Das verzerrt den Wettbewerb.
Heiner Garg (FDP): Die Landesregierung muss
eine Strategie entwickeln, wie das Süd-Nord-Gefälle im Land
abzuschwächen ist.
Karl-Martin Hentschel (Grüne): Der
Güterverkehr auf langen Strecken muss verstärkt auf Schiff und Schiene
verlagert werden. Dafür werden vor allen in Kiel und Lübeck mehr
Hafenterminals für den kombinierten Verkehr benötigt.
Lars Harms (SSW): Die Planung einer festen
Fehmarn-Belt-Querung schwebt wie ein Damoklesschwert über dem
Hafen Puttgarden und würde Arbeitsplätze gefährden.
Hintergrund:
Auf Initiative von CDU und SPD legt die
Landesregierung dem Parlament einen Bericht über die
Entwicklung der schleswig-holsteinischen Ostseehäfen vor.
Der Bericht konzentriert sich auf die drei größten
Anlagen in dieser Region: Lübeck, Kiel und Puttgarden.
Lübeck ist laut Bericht der größte
Fährhafen Europas und der umschlagsstärkste deutsche
Ostseehafen. Der Güterumschlag erhöhte sich zwischen
1995 und 2005 von 20,84 auf 27,32 Millionen Tonnen. Rund
7.000 Arbeitsplätze in der Hansestadt hängen direkt oder
indirekt vom Hafen ab. Das zuständige
Landes-Wirtschaftsministerium geht davon aus, dass Lübeck
seine Stellung als Bindeglied zwischen Mitteleuropa und
dem nordischen und baltischen Raum in den nächsten Jahren
weiter ausbauen wird. Eine Studie des
Bundes-Verkehrsministeriums prognostiziert ein
Umschlagspotential von 38,7 Millionen Tonnen im Jahr 2015.
Kiel hat sich seit Jahrzehnten als Fracht-
und Fährhafen für Schweden und Norwegen etabliert. Seit
1990 sind auch Russland und das Baltikum hinzugekommen.
Dennoch sank der Güterumschlag seit 1995 von 5,65 auf
4,74 Millionen Tonnen. Der Bericht erklärt dies unter
anderem durch den Bau von Straßenverbindungen wie der
Öresund-Brücke und der Verlagerung des Papier- und
Zellstoffumschlags nach Lübeck im Zuge der Insolvenz der
Firma Cellpap im Jahre 2003. Die Studie des
Bundesverkehrsministeriums benennt ein Umschlagspotential
von 7,2 Millionen Tonnen im Jahr 2015. Nach Angaben der
Stadt hängen hier 5.000 Jobs am Hafen.
Puttgarden ist ein privater Fährhafen der
Reederei Scandlines und bedient im Zuge der Vogelfluglinie
die schnellste Fährverbindung von Deutschland nach
Dänemark. Hier ist der Güterumschlag in den vergangenen
zehn Jahren stark zurückgegangen – von 7,4 auf 3,8
Millionen Tonnen. Dies lag dem Bericht zufolge am Bau der
Großen-Belt-Brücke. Auf Fehmarn arbeiten rund 600
Menschen im Hafen oder auf den Fährschiffen. Eine
"seriöse Prognose" für die weitere Entwicklung
Puttgardens, so der Bericht, sei erst nach einer
endgültigen Entscheidung über den Bau einer
Fehmarnbelt-Querung möglich.
Generell schließt sich der Regierungsbericht
Schätzungen an, die ein Wachstum des Seetransports im
Ostseeraum um 64 Prozent zwischen 2003 und 2020
vorhersagen. Und: "Es ist davon auszugehen, dass die
schleswig-holsteinischen Ostseehäfen von diesem Zuwachs
profitieren".
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