Wirtschaftsbericht:
Koalition und Opposition
ziehen unterschiedliche Schlüsse
Kiel (SHL/31.05.)
Schleswig-Holstein soll das wachstumsstärkste Bundesland werden.
Dieses Ziel gab Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) bei
der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts 2006 aus, der unter
der Überschrift "Aufbruch im Norden" steht. Kernpunkte
der schwarz-roten Wirtschaftspolitik, so Austermann, seien
verbesserte Rahmenbedingungen für den Mittelstand und die
Technologie- und Innovationsförderung. Die Redner von CDU und SPD
sahen die jüngsten positiven Wirtschafts- und Arbeitsmarktsdaten
als Bestätigung für den Regierungskurs. Die Opposition hingegen
erneuerte ihre Kritik: Die Koalition rede viel, erreiche aber vor
allem für die Arbeitslosen zu wenig.
Im Vorjahr rangierte das Land zwischen den Meeren
mit einem Plus von 1,3 Prozent an dritter Stelle der deutschen
Wachstums-Rangliste - "ein sehr positives Ergebnis",
folgerte Austermann. Weitere Impulse versprach er sich insbesondere
von dem neuen Schleswig-Holstein-Fonds, über den bis 2009 rund 415
Millionen Euro ausgeschüttet werden, unter anderem für die
Verkehrs-Infrastruktur. Auch der "Seed- und Startup-Fonds",
der die Zusammenarbeit von Unternehmen und Hochschulen stärken
soll, sei ein viel versprechendes Zukunftsprojekt.
Opposition: "Keine Visionen und keine
Konzepte"
Hier setzte die Mängelliste der Opposition an: Im
Bereich Technologieförderung habe die Regierung "keine
Visionen und keine Konzepte", beanstandete Karl-Martin
Hentschel (Grüne). Er plädierte insbesondere für eine "zukunftsfähige
Energiepolitik durch regenerative Energien". Der Schritt "weg
vom Öl" bedeute Einsparungen für breite Schichten und stärke
so die Kaufkraft. "Leider bleibt das Problem weiterhin die
schwache Binnenkonjunktur", ergänzte Lars Harms (SSW) mit
Blick auf die für den 1. Januar 2007 geplante
Mehrwertsteuererhöhung. Er forderte zudem eine "regional
ausgeglichene Wirtschaftspolitik", die den Norden des Landes
nicht übergehe. Heiner Garg (FDP) verwies auf den weltweiten
Wirtschaftsboom. Im Vergleich dazu gebe es im Lande "höchstens
ein Boomchen". Ein Wachstum von 1,3 Prozent reiche bei weitem
nicht aus, um die strukturelle Arbeitslosigkeit in
Schleswig-Holsteins zu beseitigen.
Johannes Callsen (CDU) sah hingegen die aktuellen
Erwerbslosenzahlen als Zeichen einer Trendwende: Im Mai war die
Arbeitslosigkeit in Schleswig-Holstein gegenüber dem Vorjahresmonat
um 13 Prozent oder um 21.000 Betroffene gesunken. "Ein
eindrucksvolles Zeichen, dass unsere Politik stimmt", so
Callsen. "Mehr unternehmerischer Freiraum" durch
Bürokratieabbau habe frische Kräfte freigesetzt. Dies sei auch ein
Erfolg der SPD-geführten Vorgängerregierung, betonte Bernd
Schröder (SPD). Dennoch gab er zu bedenken, dass die
Arbeitslosenzahlen immer noch "besorgniserregend" seien.
Er forderte die Wirtschaft insbesondere auf, ausreichend
Ausbildungsplätze bereitzustellen.
Der Wirtschaftsausschuss wird den Bericht
abschließend beraten.