Gegenüber dem Vorjahr habe sich das Angebot im Land
verdoppelt, bilanzierte Frauenministerin Anne Lütkes (Grüne) in
ihrem Bericht zur Umsetzung des "Girls’ Day" in
Schleswig-Holstein, den alle Landtagsparteien beantragt hatten.
110 Anbieter hätten über 1.400 Plätze zur Verfügung gestellt.
Dennoch, so die Ministerin, sei die
"Verfassungswirklichkeit" noch immer ein gutes Stück
von einer umfassenden Gleichstellung der Geschlechter entfernt.
Weiteren Fortschritt soll deshalb der nächste "Girls’
Day" bringen, der am 22. April 2004 stattfinden wird.
Birgit Herdejürgen (SPD) betonte, der "Girls’
Day" sei mehr als ein Berufspraktikum. Er solle schon früh,
vor der Berufswahl, zum Nachdenken anregen. Hintergrund: Drei
Viertel aller Mädchen entschieden sich für einen von 20
typischen Frauen-Berufen, die meistens nur wenig Prestige und
Aufstiegsmöglichkeiten böten.
Jutta Scheicht (CDU) griff ein altes Vorurteil auf:
"Frauen und Technik – da prallen zwei Welten
aufeinander". Doch die Zeiten hätten sich geändert. Ein
Beispiel hierfür: In Lübeck hätten sich im letzten Semester
erstmals mehr Frauen als Männer zum Studium eingeschrieben. Mehr
noch: 26,5 % der Frauen schlössen die Schule mit dem Abitur ab,
der Männeranteil liege lediglich bei 19,5 Prozent. Bedauerlich
sei, dass junge Frauen diese Chancen häufig nicht nützten.
Veronika Kolb (FDP) verwies darauf, dass auch die
Unternehmen vom "Girls’ Day" profitierten. 49 Prozent
der Teilnehmer aus dem Vorjahr erwarteten eine Steigerung des
Frauenanteils bei den Auszubildenden. Laut Shell-Jugendstudie
wollten auch Frauen Karriere machen – ihr Verhältnis zur
Technik sei jedoch "zurückhaltender".
Irene Fröhlich (Grüne) verwies auf das Angebot des
Instituts für Physik der Kieler Christian Albrechts-Universität,
das unabhängig vom "Girls’ Day" Schnupperkurse für
Mädchen anbiete. Der Mädchenzukunftstag sei zudem ein passender
Gegensatz zum Muttertag am nächsten Sonntag, dem 11.Mai.
Silke Hinrichen (SSW) merkte an, es gebe in der Tat immer
mehr weibliche Studienanfänger - Frauen seien aber dennoch in
technischen Studiengängen unterrepräsentiert. Deutschland liege
an letzter Stelle, was die Zahl weiblicher Führungskräfte
anginge. "Nach der Schule" fange das Problem an, obwohl
Mädchen in technischen Fächern häufig gut seien.