Kiel (SHL). Beim Zusammenwachsen
der europäischen Hochschullandschaft zu einer gemeinsamen
Wissenschaftsregion ist Schleswig-Holstein gut aufgestellt.
Dieses Fazit zog Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) am
Mittwoch, 26. Mai 2004, in ihrem Bericht zur so genannten Erklärung
von Bologna. In dieser haben sich 40 europäische Staaten vor fünf
Jahren verpflichtet, ihre Bildungsabschlüsse bis 2010
weitgehend zu vereinheitlichen und im Hochschulbereich stärker
zu kooperieren. Laut Erdsiek-Rave liegt der Anteil der neuen
internationalen Bachelor- und Masterstudiengänge in
Schleswig-Holstein bereits bei 5,7 Prozent - deutlich über dem
Bundesdurchschnitt von 3,7 Prozent.
Die Einführung der neuen
internationalen Abschlüsse ist einer der Kernpunkte des
Protokolls von Bologna. Sie sollen die alten Abschlüsse Diplom
beziehungsweise Magister ersetzen. Dabei soll der Bachelor in
sechs bis sieben Semestern zu einem berufsqualifizierenden
Abschluss führen. Das Aufbaustudium zum Master von weiteren
zwei bis drei Semestern soll nur einem Teil der
Bachelor-Studenten offen stehen und stärker
wissenschaftlich orientiert sein.
Während Rot-Grün den Umbau
der Hochschullandschaft vor allem als Chance sahen, warnten CDU,
FDP und SSW, dass die gegenüber den Master-Abschlüssen
geringer qualifizierten Bachelor-Studenten, auf dem Arbeitsmarkt
zum Teil große Probleme hätten. Sie stünden auch in
Konkurrenz zu den Lehrberufen der dualen Berufsausbildung.
Hauptgrund hierfür: Die neuen Abschlüsse seien in weiten
Teilen der Wirtschaft bislang so gut wie unbekannt. Insbesondere
CDU und FDP forderten deshalb auf, bei der Umsetzung des
Bologna-Protokolls auf die Bremse zu treten. Aufklärung tue Not,
hatte auch Erdsiek-Rave zuvor eingeräumt: Sie kündigte an, künftig
verstärkt für die neuen Abschlüsse zu werben.
Einig waren sich alle Fraktionen
darin, dass der Bologna-Prozess flexibel umgesetzt werden müsse.
So solle beispielsweise der Anteil von Master- zu
Bachelor-Studenten nicht von der Kultus-Minister-Konferenz
vorgegeben, sondern der Autonomie der Hochschulen überlassen
werden.
Stimmen aus den Fraktionen
Jost de Jager (CDU): Ich
warne vor überstürzten Abenteuern. Zumindest in der mittelständischen
Wirtschaft gibt es in Schleswig-Holstein bislang keinen
Arbeitsmarkt für Bachelor-Absolventen. Um auch die Akzeptanz zu
erhöhen müssen wir das alte Diplom als Zusatzabschluss weiter
anbieten.
Jürgen Weber (SPD): Den
Zeitrahmen für die Internationalisierung bis 2010 dürfen wir
nicht aus den Augen verlieren. Dort dürfen wir uns vom
internationalen Prozess nicht abkoppeln.
Ekkehard Klug (FDP):