Auf dieser Seite: Endlager

xxx

Top 12:
 
Endlagerstätten für radioaktive Abfälle
Große Anfrage der Fraktion der CDU
Antwort der Landesregierung
Drucksache: 15/2998, 15/3348
-Plenarprotokoll-

Kontroverse um Endlagerung
von Atommüll
Opposition kritisiert rot-grüne Atomkraftpolitik

Kiel (SHL). Die Opposition im Landtag hat der Landesregierung in der Debatte um die Entsorgung des Atommülls aus den deutschen Kernkraftwerken Verzögerungstaktik vorgeworfen . Um die eigene Wählerklientel nicht zu verschrecken, habe die Bundesregierung die Erforschung des Endlagers Gorleben (Niedersachsen) auf Eis gelegt, so die Kritik am Donnerstag, 27. Mai 2004, von CDU und FDP. Anlass des energiepolitischen Meinungsaustauschs war die Antwort der Regierung auf eine Große Anfrage der CDU-Fraktion zur Endlagerung radioaktiven Atommülls.

Die neue Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD), in deren Ressort auch die Reaktorsicherheit gehört, hatte zuvor die Atompolitik der Bundesregierung verteidigt. Sie halte es mit dem Prinzip "Sicherheit vor Schnelligkeit". Grundsätzliche Zweifel an der Eignung von Gorleben als Endlagerstätte seien bislang nicht ausgeräumt. Die Suche nach einem geeigneten Lager für Atommüll müsse deshalb fortgesetzt werden, sagte die Ministerin.

Diskussion auch um Zwischenlagerung

Die Folge dieser fortgesetzten Suche sei eine erhöhte Gefährdung der Bevölkerung, kritisierte die CDU/FDP-Opposition. Bereits eine Zwischenlagerung in Gorleben sei sicherer, als Zwischenlager auf dem Gelände der Atomkraftwerke in Schleswig-Holstein. Hintergrund: Da nach den Plänen der Bundesregierung frühestens im Jahr 2030 ein Endlager ausgewiesen wird, haben die AKWs Brokdorf, Krümmel und Brunsbüttel inzwischen Genehmigungen für Zwischenlager von atomaren Brennstäben erhalten. Bis zu 2.225 Tonnen radioaktive Abfälle dürfen die Betreiber in den kommenden Jahren auf dem Gelände ihrer Kraftwerke lagern.

Neben dem Thema Endlagerung nutzten die energiepolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen die Debatte auch zu einer grundlegenden Positionierung in der Energiepolitik. Dabei stellte sich allein die CDU auf den Standpunkt, dass die Atomenergie auch künftig für die Energieversorgung Deutschlands unverzichtbar sei. Die übrigen Parteien im Landtag lehnten die weitere Nutzung der Atomkraft ab.

Das Thema wurde zur weiteren Beratung an den Umweltausschuss sowie die Ausschüsse für Soziales und Wirtschaft überwiesen. 

Stimmen aus dem Plenum:

Trutz Graf Kerssenbrock (CDU): Wir sind der Auffassung, dass die Kernenergie zu dem Energie-Mix auch weiter ihren Beitrag leisten muss - schon aus klimaschutzpolitischen Gründen.

Wilhelm Malerius (SPD): Standortsuche heißt, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und den Stand der internationalen Diskussion nicht nur aus naturwissenschaftlicher, sondern auch aus gesellschaftspolitischer Sicht zu reflektieren.

Christel Aschmoneit-Lücke (FDP): Wenn Gorleben sich nicht als endgültiges Lager eignen sollte, so deuten  wissenschaftliche Erkenntnisse darauf hin, dass es sich als Zwischenlager für mehrere Jahrzehnte eignet - besser als die Standort-Zwischenlager in Kernkraftwerken.

Detlef Matthiessen (B’90/Grüne): Das Atomprogramm zur sogenannten friedlichen Nutzung der Kernenergie ist einer der größten Fehler, die in der Menschheitsgeschichte gemacht worden ist.

Lars Harms (SSW): Es ist wesentlich wichtiger, mehr in die Erforschung und die wirtschaftliche Erschließung von erneuerbaren Energien zu stecken als bisher.

Ministerin Gitta Trauernicht (SPD): Die Nutzung der Kernkraftenergie ist so etwas wie die Starterlaubnis für ein Flugzeug, für das man noch keine Landebahn gebaut hat.

Hintergrund:
  Die Bundesregierung hat im Februar 1999 den "Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte" (AkEnd) eingerichtet. Dieses Expertengremium, bestehend aus Geowissenschaftlern, Sozialwissenschaftlern, Chemikern, Physikern, Mathematikern, Bergbaufachleuten, Deponietechnikern, Ingenieuren und Experten aus dem Bereich Öffentlichkeitsarbeit, hat Ende 2002 ein Konzept zur Erschließung eines Atommüll-Endlagers in Deutschland vorgelegt. Der Standort dieses Lagers soll bis 2010 festgestellt werden, bis 2030 soll das Lager eingerichtet sein. Hintergrund dieser Standortsuche waren Zweifel an der Eignung des Salzstocks im niedersächsischen Gorleben, der bisher als einziger Standort für ein atomares Endlager in Betracht gezogen wurde.
  Vor diesem Hintergrund hat die CDU-Fraktion die Landesregierung in einer Großen Anfrage zu den Plänen der AkEnd, zu ihrer Beteiligung bei der Kommissionsarbeit und zu ihrer Einschätzung bezüglich des Standorts Gorleben befragt.
  Schleswig-Holstein hat mit Brunsbüttel, Brokdorf und Krümmel drei Atomkraftwerke. Zudem befinden sich zwei Interimslager für radioaktiven Müll im Lande (in Brunsbüttel und Krümmel) sowie zwei
Standort-Zwischenlager (in Brunsbüttel und Brokdorf).

zurück zum Textanfang

* * * * *

 

Themen-Übersicht

Aktuelles

Aktuelle Stunde: - - -

Dringlichkeit: - - -

Am Rand notiert:
Neu im Landtag

Gesetzentwürfe

2. Lesungen:

Landesverwaltungsgesetz
Innovationsstiftung
Landesbeamtengesetz
(Kurzmeldung)
Landesverwaltungsgesetz /
E-Government 

(Kurzmeldung)

1. Lesungen:

Hochschulgesetz
Lotteriegesetze
Hafenanlagensicherheit

Wirtschaft / Verkehr / Technik

TEN-Verkehrsprojekte
Bahnstrecke HL-HH
Bahnreform
Wirtschaftsbericht
Provinzial
Ausbildungsplatzabgabe
Verkehrsinfrastruktur
(Kurzmeldung)

Agrar / Tourismus / Landesentwicklung

Agrarpolitik
Sportboot-Maut
Landwirtschaft Nebenerwerb
Milchpreise
Entkoppelung von Prämien
(Kurzmeldung)
Verdeckte Feldbeobachtung
(Kurzmeldung)

Finanzen

NodwestLotto
Öffentliche Finanzen
Tarife Öffentlicher Dienst
(Kurzmeldung)

Arbeit/Soziales / Gesundheit

Endlager Atommüll
Sucht- und Drogenpolitik
Sozialhilfeausgaben

Bildung / Kultur / Forschung

Hochschulstruktur
Bologna-Prozess
Elementarpädagogik

Inneres / Recht

Härtefallkommission
Datenschutzbericht
Richterwahlausschuss
(Kurzmeldung)

Europa

Europapolitik

Natur / Umwelt / Energie

- - -