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Landtag geschlossen
gegen
Maut für Sportboote
Vignette für motorisierte Skipper schädlich für Tourismus
Kiel (SHL). Kommt
nach der Autobahngebühr für LKW nun auch die Maut für
Wasserstraßen? Im Landtag regt sich Widerstand gegen die vom
Bundesverkehrs-
Ministerium geplante Einführung einer Sportboot- Vignette. Das
Parlament und die Landesregierung stellte sich am Donnerstag, 27.
Mai 2004, geschlossen hinter einen Antrag der CDU. Ein ähnlich
lautender Antrag der FDP wurde von den Liberalen kurzfristig
zurückgezogen, um ein einheitliches Votum des Parlamentes zu
gewährleisten. Mit dem verabschiedeten Antrag der Union wird die Landesregierung aufgefordert, sich in Berlin gegen die
Verwirklichung der Pläne einzusetzen. Vertreter aller Parteien
bezeichneten die Abgabe für motorisierte Sportboote auf
Binnengewässern als ein falsches Signal für den Tourismus im
Lande. Die Opposition warf der Bundesregierung in der Debatte
"grenzenlose Phantasien" bei der Schaffung neuer Steuern
und Gebühren vor. Die SPD verwies darauf, dass die Diskussion
über die konkrete Ausgestaltung der Abgabe noch in Gange sei.
Das
Bundesverkehrsministerium plant, motorisierte Sportbootfahrer mit
60 bis 90 Euro jährlich zur Kasse zu bitten. Die Einnahmen,
geschätzte 7,5 Millionen Euro pro Jahr, sollen in die
Verkehrsinfrastruktur investiert werden. Vor allem die
Tourismuswirtschaft kritisiert das Vorhaben. Die Befürchtung:
Potenzielle Wassertouristen könnten wegen der Maut in andere
europäische Länder abwandern. Vertreter von Umweltverbänden
hingegen signalisierten grundsätzliche Zustimmung. Das Deutsche
Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr zählt
in Deutschland rund 420.000 Boote.
Stimmen aus dem
Plenum:
Christel
Aschmoneit-Lücke (FDP): Das
von Bundesverkehrsminister Stolpe beabsichtigte Eintrittsgeld für
Freizeitskipper wird dazu führen, dass so mancher Kapitän und
Urlauber darauf verzichten wird, Schleswig-Holstein vom Wasser aus
zu erkunden.
Hans-Jörn Arp
(CDU): Hier wird eine
Bürokratie aufgebaut, die nicht Not tut. (...) Die erwarteten
Einnahmen von 7,5 Millionen Euro dürften durch den zu erwartenden
Verwaltungs- und Überwachungsaufwand aufgefressen werden.
Hermann Benker
(SPD): Schon allein die Diskussion über diese
Sportboot-Vignette ist kontraproduktiv, ja schädlich für den
Wassertourismus. Es empfiehlt sich, die Diskussion nicht auf der
jetzigen spekulativen Ebene zu führen.
Verkehrsminister
Bernd Rohwer (SPD): Wir müssen jetzt gemeinsam unsere
Abgeordneten in Berlin unterstützen, die Debatte noch einmal zu
führen.
Detlef Matthiessen
(Grüne) und Lars Harms (SSW) verzichteten auf einen
eigenen Redebeitrag und unterstützten die Anträge.
Hintergrund:
FDP und CDU im Landtag fordern die
Landesregierung auf, sich auf Bundesebene gegen die
geplante Vignette für Sportboote einzusetzen. Das
Bundesverkehrsministerium plant, motorisierte
Sportbootfahrer mit 60 bis 90 Euro jährlich zur Kasse zu
bitten. Inhaber von unmotorisierten Segel- und Ruderbooten
sollen von der Abgabe befreit bleiben. Das Geld,
geschätzte 7,5 Millionen Euro pro Jahr, soll in die
Verkehrsinfrastruktur investiert werden.
Neben der Opposition kritisieren auch die
Landesregierung und die Tourismuswirtschaft das Vorhaben.
Das Wirtschaftsministerium schlägt vor, stattdessen mit
den Wassersport-Verbänden über eine Erhöhung der
jährlichen Pauschalen zu verhandeln. Die Befürchtung:
Potenzielle Wassertouristen könnten wegen der Maut in
andere europäische Länder abwandern. Zudem sei die
Abgabe ungerecht, da bereits jetzt beispielsweise die
Passage des Nord-Ostsee-Kanals kostenpflichtig ist.
Vertreter von Umweltverbänden hingegen signalisierten
grundsätzliche Zustimmung.
Das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut
für Fremdenverkehr zählt in Deutschland rund 420.000
Boote. Damit ist jeder 193. Deutsche sein eigener
Kapitän.
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