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Zur Bahnreform und zum Schienenpersonennahverkehr in Schleswig-Holstein
Antrag der Fraktionen von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Drucksache: 15/3430
-Plenarprotokoll-

Bahnreform hat zu viele Weichen
Landtag fordert
konsequente
Trennung von Schienen- und Fahrbetrieb

Kiel (SHL). Zehn Jahre nach der Bahnreform hat der Landtag der 1994 neu gegründeten Deutschen Bahn AG (DB) kein gutes Zwischenzeugnis ausgestellt. Die parteiübergreifenden Kritikpunkte: Die DB müsse wichtige Infrastrukturprojekte im Lande wie die Elektrifizierung der Strecke Lübeck-Hamburg vorantreiben. Und: Sie dürfe ihr Monopol über das Schienennetz nicht zu Lasten privater Unternehmen ausnützen. Deswegen forderte der Landtag im breiten Konsens die konsequente unternehmerische Trennung von Schienen- und Fahrbetrieb. Anlass der Debatte am Donnerstag, 27. Mai 2004, war ein rot-grüner Antrag. Mit dessen Forderungen zur schleswig-holsteinischen Bahn-Zukunft ging die Opposition weitgehend konform. CDU und FDP wendeten aber ein, anstelle von Diskussionen und Planungen sei es höchste Zeit für die konkrete Umsetzung der Schienenprojekte – und hier versage die Landesregierung.

Bei der Bahnpolitik habe Kiel einen sehr schlechten Draht nach Berlin und zur DB, bemängelte der CDU-Verkehrsexperte Uwe Eichelberg. Die Folge seien Verzögerungen. Die Entwicklung des Regionalverkehrs in Schleswig-Holstein sei eine "Erfolgsstory", hielt Verkehrsminister Bernd Rohwer (SPD) dem entgegen. Probleme gebe es beim Güterverkehr und beim Fernverkehr der DB, während sich die Strategie der weitgehenden Privatisierungen im Lande bewährt habe, so Rohwer weiter. Die privaten Anbieter "zeigen der DB wie es geht", pflichtete Gerhard Poppendiecker (SPD) bei. Grünen-Fraktionschef Karl-Martin Hentschel verwies auf einen dreißigprozentigen Zuwachs im Regionalverkehr im Zuge der Privatisierungen der letzten Jahre.

"Wer soll all die schönen Wünsche bezahlen?"

Für die Zukunft nannte Poppendiecker eine Reihe von Projekten mit hoher Priorität, wie die Elektrifizierung der Strecken Lübeck-Kiel und Lübeck-Hamburg, den Ausbau des Engpasses Pinneberg-Elmshorn, die Hochbrückensanierung am Nord-Ostsee-Kanal sowie die Anbindung an den Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel. Über diese Liste gebe es keine unterschiedlichen Meinungen, betonte Christel Aschmoneit-Lücke (FDP) mit Blick auf den Forderungskatalog. Aber: "Wer soll all die schönen Wünsche bezahlen?" Durch die Maut-Ausfälle hänge die Finanzierung vielfach in der Luft. Viele der rot-grünen Vorstellungen seien unrealistisch, kritisierte auch der Christdemokrat Eichelberg. Dies gelte zum Beispiel für das angestrebte Länder-Mitspracherecht bei den Subventionierungs-Entscheidungen des Bundes.

Die Forderung nach der Trennung von Netz und Betrieb äußerten alle Redner: Bei den Schienen solle der Bund die Verantwortung für das Fernnetz behalten, die Länder wiederum sollten für den Nahverkehr verantwortlich sein. Diese Maßnahme sei die Voraussetzung für gerechte Ausschreibungen, bei denen die privaten Unternehmen gleichberechtigt mit der DB auftreten könnten. Ein solcher Schritt müsse in jedem Fall vor dem geplanten Börsengang der DB erfolgen.

Mehr Service gefordert 

Neben dem Grünen Hentschel rückte auch Lars Harms vom SSW den Service in den Blickpunkt: So müsse es eine bessere Abstimmung zwischen der DB und den Konkurrenz-Unternehmen beim Fahrplan, beim Tarifsystem und beim Kartenverkauf geben.

Der Antrag wurde an den Wirtschaftsausschuss überwiesen.

Hintergrund:
  Die Deutsche Bahn AG ( DB ) ist die teilprivatisierte Nachfolgerin der Ende 1993 aufgelösten Staatsbahnen Deutsche Bundesbahn und Deutsche Reichsbahn. Hundertprozentiger Anteilseigner und damit Eigentümer der DB ist nach wie vor die Bundesrepublik Deutschland. Seit der Deregulierung der 90er Jahre hat die DB nicht mehr das Monopol auf den Schienenverkehr. In Schleswig-Holstein sind neben traditionellen Privatbahnen wie der AKN (Altona-Kaltenkirchen-Neumünster) auch neue Wettbewerber wie die zum Connex-Konzern gehörende Nord-Ostsee-Bahn unterwegs. Die DB ist in verschiedene, voneinander unabhängige, Unternehmen untergliedert, beispielsweise für die Bereiche Schienennetz (DB Netz), Personenbahnhöfe (DB Station&Service AG) oder Personenverkehr (DB Regio , DB Fernverkehr und DB Stadtverkehr). Die Nahverkehrstochter der DB im Norden ist die Regionalbahn Schleswig-Holstein.
  DB und Bundesregierung planen eine vollkommene Privatisierung durch einen Börsengang. Umstritten ist, ob das Schienennetz ebenfalls privatisiert werden soll. SPD und Grüne im Landtag fordern mit Blick auf die Zukunftspläne der DB unter anderem den Erhalt des öffentlichen Einflusses auf das Schienennetz, den Ausbau von Strecken wie Lübeck-Hamburg und Kiel-Hamburg sowie die bessere Koordinierung von Fahrplänen und Tarifen zwischen DB und privater Konkurrenz.

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