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Stegner:
"Sparen allein reicht nicht"
Landtag berät Haushaltslage /
Opposition wirft
Rot-Grün fehlende Konzepte vor
Kiel (lno/SHL). Schleswig-Holsteins Parlamentarier suchen nach
Auswegen aus der Finanzkrise des Landes. "Sparen alleine reicht
nicht", betonte Finanzminister Ralf Stegner (SPD) am Freitag,
28. Mai 2004, in der Debatte des Kieler Landtags. "Wir setzen auf einen Dreiklang aus
Konsolidieren, Investieren und entschlossenen Strukturreformen." Die
Opposition warf der rot-grünen Koalition vor, das Land "in den Dreck
gefahren" zu haben. Selbst angesichts der zugespitzten Lage fehle der
Landesregierung ein Konzept zur Sanierung des Haushaltes, kritisierte
Oppositionsführer Martin Kayenburg (CDU). Ministerpräsidentin Heide
Simonis (SPD) hielt dagegen, auch die Opposition habe Verantwortung für das Land.
Nach der jüngsten Steuerschätzung fehlen Schleswig-Holstein in den
Jahren 2005 bis 2007 jährlich 445 Millionen bis 490 Millionen Euro an
Steuereinnahmen. Der Schuldenberg des Landes wuchs indes auf 19,1 Milliarden Euro - das sind umgerechnet
6.763 Euro je Einwohner. In diesem Jahr rechnet Rot-Grün mit 19,1 Millionen Euro Mehreinnahmen.
Somit werde das Land 2004 "mit einem dunkelblauen Auge wegkommen",
sagte Stegner.
Kayenburg:
Rot-Grün macht unser Land arm
Dagegen hält CDU-Fraktionschef Kayenburg die für dieses Jahr
erwarteten Millioneneinnahmen für eine Täuschung der Öffentlichkeit.
Tatsächlich seien 2004 Steuermindereinnahmen von 84,3 Millionen zu
erwarten. "Das Land hat kaum noch Chancen zu handeln", warnte
Kayenburg. "Rot-Grün macht unser Land und die Bürger arm", befand er.
Stegner will die Löcher in den öffentlichen Kassen unter anderem
durch eine weitere Straffung der Landesverwaltung stopfen. So würden
etwa Finanzämter, Gerichte und Polizei neu geordnet. Weitere Einsparpotenziale berge der geplante Ausbau der Zusammenarbeit mit
Hamburg, die sich bereits bei der Zusammenlegung der Katasterämter und Datenzentralen bewährt habe.
Sprecherinnen der Grünen und des
Südschleswigschen Wählerverbandes (SSW), Monika Heinold und Anke
Spoorendonk, mahnten in der knapp anderthalbstündigen Debatte eine Kommunalreform an, um die
öffentlichen Kassen zu entlasten. Heinold plädierte zudem für
eine "zeitnahe" Steuerreform, die insbesondere die
Lohnnebenkosten "deutlich absenkt", und betonte die
Bereitschaft ihrer Fraktion für parteiübergreifende Anträge,
wie beispielsweise zum Ehegattensplitting oder zur
Erbschaftssteuer. Spoorendonk warnte davor, die im Landeshaushalt
für 2004/2005 enthaltenen Mittel für Investitionen zu kürzen
oder "panikartig" bei dem Personal und den
Landesverwaltungen zu sparen. Weder eine Haushaltssperre noch ein
Nachtragshaushalt werde benötigt, notfalls müsse die
Neuverschuldung - auch für 2005 - erhöht werden, so die
SSW-Landesgruppen-Vorsitzende.
Hay: Wer sein Pulver
zu früh verschießt,...
Der FDP-Finanzpolitiker
Heiner Garg bekräftigte die Forderung seiner Fraktion, Vermögen des
Landes zu verkaufen, um den Schuldenberg zu verkleinern - etwa die Anteile an der HSH Nordbank im Volumen von bis zu 500 Millionen Euro.
SPD-Fraktionschef
Lothar Hay warf der Opposition vor, die Haushaltslage schlecht zu
reden, ohne "kaum etwas Neues" zur Entlastung
beizutragen. Die Forderung nach einem Nachtragshaushalt für 2004
lehnte er ab. Generell sei die Lage keineswegs aussichtslos.
"Ein Fußballspiel dauert so lange, bis der Schiedsrichter
abpfeift. Und wer sein Pulver zu früh verschießt, den bestraft
das Leben", nahm er der Opposition die Hoffnung auf einen
Machtwechsel.
Hintergrund:
Laut den Ergebnissen der Mai-Steuerschätzung
stehen dem schleswig-holsteinischen Landeshaushalt weitere
Einnahmeverluste bevor. Zwischen 2005 und 2007 werden
jährlich 445 bis 490 Millionen Euro weniger als geplant
in die Landeskasse fließen. Im laufenden Jahr werden
dagegen Mehreinnahmen von 19,1 Millionen anfallen. Der
Etat hat ein Volumen von rund acht Milliarden Euro pro
Jahr. Die Schulden des Landes belaufen sich auf insgesamt
etwa 20 Milliarden.
Auf Antrag von SPD und Grünen berichtet der
Finanzminister über die Konsequenzen aus diesen neuen
Zahlen.
mehr
Informationen: plenum-online,
Dezember
2003 (Doppelhaushalt)
(www.sh-landtag.de/plenumonline/dez03/texte/06_14_haushal.htm)
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