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Umbau der
Hochschulen: Landtag
uneins in der Bewertung
Regierung sieht Fortschritte /
Opposition sieht "Murks"
Kiel (SHL). Die
Strukturreform an den schleswig-holsteinischen Hochschulen ist,
trotz einzelner Schwierigkeiten, in vollem Gange – mit diesem
Fazit hat Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) am Mittwoch,
26. Mai, die Aussprache über die Umsetzung der
Strukturempfehlungen der so genannten Erichsen-Kommission
eingeleitet. Wie im Juli 2003 zwischen Bildungsministerium und
Landesrektorenkonferenz vereinbart, sollen die neun Unis des
Landes mehr Planungsspielraum und finanzielle Rückendeckung
erhalten. Gegenleistung der Hochschulen: Die Umsetzung der
Vorschläge der "Erichsen-Kommission", die unter anderem
die umstrittene Konzentration der Ausbildung auf bestimmte Fächer
und Studienorte beinhalten. Der Zwischenbericht der Ministerin
rief bei der Opposition heftige Kritik hervor: Von der
Nichteinhaltung vereinbarter Zeitpläne bis hin zum Vorwurf der
Unfähigkeit und Fahrlässigkeit bei der Umsetzung der Reform war
die Rede.
Erdsiek-Rave
betonte, dass die Umsetzung der Reform zwar nicht ohne
Schwierigkeiten vonstatten gehe, da bei Professoren und
Studierenden gleichermaßen um Verständnis für die Maßnahmen
geworben werden müsse – dennoch „sind wir weit
vorangekommen". Als Beispiel führte die Ministerin den Umzug
des Studiengangs Maschinenbau von Heide nach Flensburg an. Alle
Heider Studenten würden automatisch in Flensburg angenommen. Auch
die Konzentration des Fachbereichs Bauwesen in Lübeck werde bis
zum Sommersemester 2007 abgeschlossen. Für
die Maßnahmen stelle der Innovationsfonds in den nächsten fünf
Jahren 23,1 Millionen Euro zur Verfügung. Bis zum 1. September
2004 würden zudem die ersten Entscheidungen über Anträge auf
Förderung aus dem Innovationsfonds gefällt. "Wir
liegen genau auf der Linie zur Excellenz und
Leistungsförderung", schloss Erdsiek-Rave.
CDU: "Lichtjahre" vom Ziel entfernt /
SPD: "Nörgeleien" helfen nicht weiter
Genau das bezweifelte
der CDU-Hochschulpolitiker Jost de Jager: "Sie sind bei der
Umsetzung der Zielvereinbarungen Lichtjahre von dem entfernt, was
sie ursprünglich mal vorgehabt haben. "Zeitpläne seien
nicht eingehalten worden, grobe handwerkliche Fehler des
Bildungsministeriums nährten Zweifel an der Zuverlässigkeit der
Koalition. Zum Studiengang Maschinenbau beschied er: Die Studenten
blieben faktisch erst einmal in Heide. Es habe lediglich eine
rechtliche Verlagerung stattgefunden. Ein Umzug zum Wintersemester
2004/05 werde nicht stattfinden können, da die Kosten für den
Umzug (3,5 Millionen Euro) nicht tragbar seien. "Wie kann man
eine Zielvereinbarung abschließen, wenn die Kostenstelle dafür
gar nicht existiert?", fragte de Jager und forderte: "Machen
Sie den Innovationsfonds nicht zu einem Schattenhaushalt der
schleswig-holsteinischen Hochschulpolitik." Der
Innovationsfonds sei nicht ins Leben gerufen worden, um
Umzugskosten zu finanzieren.
Der Umzug gehöre dazu
und sei Teil der Innovation, konterte Jürgen Weber (SPD). Die CDU
habe es konsequent vermieden, bei den Erichsen-Verhandlungen klar
zu Standort-relevanten Fragen Stellung zu beziehen – da falle es
leicht, die Landesregierung später für deren Entscheidungen zu
kritisieren. Wolle man Ressourcen effektiver nutzen, komme man um
Standortfragen nicht herum. Dabei gebe es natürlich Gewinner und
Verlierer. Nach nur einem halben Jahr sei es für eine umfassende
Bewertung der Reform jedoch noch zu früh. Der
CDU warf Weber vor, politisches Kapital aus den bestehenden
Problemen schlagen zu wollen: "Mit schadenfrohen Nörgeleien
werden sie nicht punkten."
FDP: Umsetzung ist
"Murks" /
Grüne: "Motor" nicht abwürgen
Was die
Landesregierung bisher zustande gebracht habe sei "Murks",
befand Ekkehard Klug (FDP). Beispiel dafür sei der Umzug des
Fachbereichs Maschinenbau von Heide nach Flensburg. So gebe es in
Flensburg etwa gar keinen Raum, der der vier Meter hohen
Versuchsanlage für Verfahrenstechnik Platz böte. "Wollen Sie
die in einem Zelt aufbauen?", spottete Klug.
Auch die Kosten für den Umzug von 3,5 Millionen Euro seien
unverhältnismäßig. Das gesamte Jahresbudget für die
Fachhochschule Westküste in Heide betrage gerade einmal 4,5
Millionen Euro. – "das muss man mal in
Beziehung setzen", forderte Klug. Das Beispiel zeige: Das
Maß an "Unfähigkeit und Fahrlässigkeit" sei
unerhört. Eine
der Ursachen: Der Hochschulvertrag und die Zielvereinbarungen
seien unter großem Zeitdruck zustande gekommen und folglich
"mit heißer Nadel gestrickt".
Kritik sei im Detail
"unter Umständen berechtigt", räumte Angelika Birk
(Grüne) ein. Man könne aber "den Motor auch schon vorher
abwürgen", warnte sie. Die Maßnahmen seien nicht für alle
bequem. Doch auch die Hochschulen müssten für die Einhaltung der
Zeitpläne sorgen. Es könne nicht sein, dass das Parlament jeden
kleinen Schritt der Hochschulen nachkontrollieren müsse. "Wie
kann es eigentlich sein, dass wir bestellte Vermittler bei den
Verhandlungen zwischen den Hochschulen brauchen?" Das spreche
nicht für die Mündigkeit der Beteiligten, so Birk.
SSW: Studiengänge in Flensburg
ein "voller Erfolg"
Am Reformprozess
führe kein Weg vorbei, stellte die Vorsitzende der
SSW-Landtagsgruppe Anke Spoorendonk fest. Die
grenzüberschreitenden Studiengänge in Flensburg seien gestärkt
worden – dies sei ein Erfolg auf ganzer Linie. Auch bei dem
Umzug der Sonderpädagogik werde es zu einem Erfolg kommen, zeigte
sie sich zuversichtlich. "Wir
befinden uns erst am Anfang des Prozesses. Es ist noch zu früh
für eine Evaluation. Die Richtung stimmt aber", so
Spoorendonk. Allerdings: Eckernförde, betroffen von der
Schließung der Bauschule, stehe ausschließlich als Verlierer da.
In diesem Bereich werde es keine "qualitative"
Verbesserung geben.
Der Antrag wurde einstimmig
an den Bildungsausschuss überwiesen.
Hintergrund:
Bildungsministerium und Landesrektorenkonferenz
haben sich im Juli 2003 auf einen Vertragsentwurf zur
Umstrukturierung der schleswig-holsteinischen
Hochschullandschaft geeinigt. Die neun Unis im Lande
erhalten mehr Planungsspielraum und finanzielle
Rückendeckung des Landes. Im Gegenzug sollen sie die
Reform-Vorschläge der so genannten Erichsen-Kommission
umsetzen.
Das Land gibt bis 2008 die Zusicherung, sämtliche
Tarif- und Besoldungserhöhungen zu finanzieren.
Jährliche Kosten: 3,1 Millionen Euro im laufenden Jahr
und fünf Millionen Euro in den Folgejahren. Zusätzlich
wird ein Innovationsfonds eingerichtet, der ebenfalls mit
rund fünf Millionen Euro pro Jahr zu Buche schlägt. Die
verbindlichen Stellenpläne werden für drei Jahre
ausgesetzt.
Die Rektoren verpflichten sich demgegenüber auf
eine Zielvereinbarung. Inhalt: Die Erichsen-Vorschläge
zur Konzentration der Ausbildung auf bestimmte Fächer und
Studienorte sollen umgesetzt werden. Knackpunkte hierbei
sind unter anderem die Verlagerung der
Realschullehrer-Ausbildung von Kiel nach Flensburg und die
Auflösung des Architektur-Standorts Eckernförde
zugunsten von Lübeck.
Zur Finanzierung der Hochschulen sind im
Haushaltsentwurf 2004 insgesamt rund 251 Millionen Euro
veranschlagt. Davon erhält die Christian Albrechts
Universität Kiel rund 134 Millionen. Die Uni Lübeck und
die FH Kiel jeweils circa 19 Millionen und die
Fachhochschulen in Lübeck und Flensburg gut 13
beziehungsweise gut 11 Millionen.
Nachdem der Landtag im Dezember 2003 erstmals über
die Pläne beraten hat, berichtet die Landesregierung nun
auf Antrag der CDU über den aktuellen Stand.
mehr Informationen: plenum-online,
Dezember
2003
(www..sh-landtag.de/plenumonline/dez03/texte/
09_42_unigebuehren_zielvereinbarung.htm)
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