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"Es
stehen ernste und harte
Zeiten bevor"
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Ministerpräsident
Peter Harry Carstensen
eröffnet
3. Tagung der
16. Wahlperiode mit 45-minütiger
Regierungserklärung / Skeptische Reaktionen bei der
Opposition |
Kiel (lno). Vier Wochen nach seiner Wahl zum schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten hat Peter Harry Carstensen (CDU)
mit einer Regierungserklärung die Schwerpunkte der von ihm geführten
großen Koalition umrissen. Das schwarz-rote Bündnis sei nach dem Ergebnis der Landtagswahl vom 20. Februar angesichts der
schwierigen Ausgangslage die einzig verantwortbare Konsequenz, sagte
Carstensen am Mittwoch, 25. Mai, im Landtag. Den Themenfeldern Arbeit und Bildung räumte Carstensen dabei höchste Priorität ein. Sehr kritisch fiel
seine Bestandsaufnahme aus: 166.000 Menschen seien arbeitslos, das Wirtschaftswachstum viel zu gering, Investitionen zu niedrig, die
Verwaltung von Land und Kommunen in der bisherigen Form nicht zukunftsfähig.
"Offenheit und Ehrlichkeit werden Merkmal unserer Politik sein",
sagte Carstensen. Nach dem Ergebnis der Landtagswahl vom 20. Februar
sei die große Koalition angesichts der Ausgangslage die einzig verantwortbare Konsequenz.
"Die Menschen wissen, dass ernste und harte Zeiten bevorstehen",
betonte der Ministerpräsident. Er kündigte einen sozial
verträglichen Personalabbau in der Landesverwaltung an.
Es könne nicht auf Dauer so weiter gehen, dass 60 Prozent der
Steuereinnahmen für Personal ausgegeben werden. Dem öffentlichen Dienst seien von der Politik zu viele Aufgaben übertragen worden.
"Mit der Reduzierung der Aufgaben muss die Zahl der Beamten, Angestellten und Arbeiter im Landesdienst daher deutlich sinken." Die
Beamten sollen ab August nächsten Jahres 41 Wochenstunden arbeiten und damit eine mehr als bisher.
Was auf den
Prüfstand kommt
Wie im Koalitionsvertrag von CDU und SPD vereinbart, will die
Regierung die Verwaltung von Land und Kommunen straffen. Die Ministerien sollen sich auf die staatlichen Kernaufgaben beschränken,
andere Landesbehörden aufgelöst werden. Die Zahl der Verwaltungen in
den Kreisen soll spürbar sinken, so dass eine Verwaltung künftig für
8.000 bis 9.000 Einwohner zuständig wird. Auf den Prüfstand kommen alle
Landesregelungen – zum Beispiel die Bauordnung oder das Naturschutz-und das Denkmalschutzgesetz. Carstensen bekräftigte das Ziel einer
gemeinsamen Wirtschafts- und Verwaltungsregion mit Hamburg: "Echte
Kooperationen sind besser als virtuelle Nordstaat-Debatten."
Die Landesregierung will in dieser Legislaturperiode alle
3.700 frei werdenden Lehrerstellen neu besetzen und ab 2006 durch eine
Erhöhung der Pflichtstunden zusätzlichen Unterricht im Umfang von mehr als 300 Stellen ermöglichen. Zum Schulabschluss wird es zentrale
Prüfungen geben, die Abiturzeit wird in der Wahlperiode auf zwölf Jahre verkürzt. Bei Studiengebühren will das Land wie angekündigt
keine Vorreiterrolle übernehmen, aber auch keine Insellösung zulassen. Als Schwerpunkte in der Wirtschaftspolitik hob Carstensen
Gesundheitswirtschaft, maritime Wirtschaft, Ernährungsindustrie, Tourismus, Mikroelektronik und regenerative Energien hervor.
Reaktionen auf die
Regierungserklärung
Die Grünen vermissten eine überzeugende programmatische Kursbestimmung, die FDP
befürchtete "schwarz-roten Stillstand". Grünen-Fraktionschefin Anne Lütkes,
die in dieser Sitzung die Oppositionsführung übernahm (siehe
plenum-online, April
2005), sah insbesondere die große Koalition im
Hinblick auf den Bundestagswahlkampf im Dilemma. "Bis auf weiteres
wird die Sachpolitik zum Wohle des Landes vom Bundestagswahlkampf verdrängt", erwartete
auch FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki. Der CDU-Fraktionsvorsitzende
der CDU, Johann Wadephul, bekannte sich wie Carstensen ungeachtet der geplanten
Bundestagsneuwahl zum Bündnis mit der SPD: "Wir wollen den gemeinsamen Erfolg des Kabinetts Carstensen und dieser Koalition."
Auch die SPD werde sich trotz Wahlkampf auf die gemeinsame
Sacharbeit zum Wohle des Landes konzentrieren, versicherte Fraktionschef Lothar Hay. Die große Koalition sollte ungeachtet der
Differenzen etwa in der Bildungs- und Umweltpolitik mehr tun als nur
auf der Ebene des Minimalkonsenses vorangehen. Hay wies die Forderung
des früheren grünen Koalitionspartners nach einer Enquetekommission
"Nordstaat" zurück. Die SSW-Chefin im Landtag, Anke
Spoorendonk, lehnte trotz der desolaten Haushaltslage eine Sparpolitik nach dem
Rasenmäherprinzip ab. Sie forderte höchstmögliche Investitionen vor
allem in Straßen- und Wohnungsbau, Werften und regionale Projekte.
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Oppositionsführerin Anne
Lütkes (Grüne): "Bei Ihnen fehlt die soziale und
ökologische Gerechtigkeit. Am Verhältnis zur Gerechtigkeit
aber, ist eine moderne Regierung zu messen."
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CDU-Fraktionsvorsitzender
Johann Wadephul: "Diese Koalition hat ein Erbe
angetreten, das man normalerweise ausschlagen würde. Das
Land ist pleite – wir haben eine Herkules-Aufgabe vor
uns."
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SPD-Fraktionschef Lothar Hay:
"Die große Koalition war nicht gerade eine Liebesheirat,
aber wir werden alle unsere Energien darauf verwenden, dass es
in 60 Monaten besser aussieht."
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FDP-Fraktionschef Wolfgang
Kubicki: "Am Randes des Abgrunds ist schwarz-roter
Stillstand noch immer besser als rot-grüner
Fortschritt."
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Anke Spoorendonk,
Vorsitzende des SSW im Landtag: "Man wird sehen, ob diese
Koalition wirklich vernünftig regieren kann oder ob es eine
Notlösung bleibt."
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Fotos: Archiv |
Hinweis: Die
Regierungserklärung im
Internetangebot der Landesregierung
Hintergrund:
Traditionell stellt der Ministerpräsident zum
Beginn einer Wahlperiode die Grundlagen seiner Politik in
einer umfangreichen Regierungserklärung vor. Generell
haben der Ministerpräsident und die Mitglieder der
Landesregierung die Möglichkeit, während einer
Plenarsitzung des Landtages eine Regierungserklärung, das
heißt eine Stellungnahme zu einem aktuellen politischen
Thema, abzugeben. Grundlagen dieser Regelung sind Artikel
21 der Landesverfassung und Paragraph 48 der
Geschäftsordnung. Der Landtag kann im Anschluss an eine
Regierungserklärung eine Aussprache zu diesem Thema
vornehmen, deren Dauer im Ältestenrat festgelegt wird. In
dieser Sitzung sind dafür rund drei Stunden
vorgesehen.
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