Kiel (SHL). "Wir sind eine
wehrhafte Demokratie", dieses Fazit hat Innenminister Ralf
Stegner (SPD) bei der Landtagsdebatte zum neuen, vor zwei Wochen veröffentlichten Verfassungsschutzbericht gezogen. Vor allem
der gescheiterte Einzug der NPD in das Parlament in
Schleswig-Holstein sei ein Erfolg aller demokratischen Gruppen.
Dennoch, so Stegner am Donnerstag, 26. Mai, hätten Rechts- wie
Linksextremisten insbesondere für Jugendliche weiterhin
Anziehungskraft. Die derzeit bundesweit gefährlichste Gruppe der
Extremisten, radikale Islamisten, spielt dagegen laut Stegner in
Schleswig-Holstein keine Rolle. Einig waren sich die
Landtagsparteien in der Aussprache darin, dass dem Extremismus
weiterhin hohe Wachsamkeit entgegengebracht werden muss.
Geteilt waren die Meinungen, ob eine Verschärfung der Gesetze
angebracht sei.
Deutschland sei Teil eines allgemeinen
Gefahrenraumes, warnte Peter Lehnert (CDU), die geistige und
politische Auseinandersetzung mit dem radikalen Islamismus "eine
der wichtigsten politischen Aufgaben der kommenden Jahre". Vor
diesem Hintergrund müssten die Kompetenzen von Verfassungsschutz
und Strafverfolgungsbehörden erweitert werden, forderte er. Die
Sicherung der Demokratie dürfe nicht mit einem immer größeren
Verlust von Freiheit erkauft werden, mahnte dagegen Thomas Rother
von der SPD. Zugleich verteidigte er jedoch die im Koalitionsvertrag
vereinbarten Regelungen zur Terror-Bekämpfung – unter anderem den
Einsatz der Rasterfahndung.
FDP warnt vor Eingriffe in Bürgergrundrechte
Wieder besseres Wissen behaupteten CDU, SPD und
Grüne, "dass die Bedrohung durch den internationalen
Terrorismus akut und aktuell ist", damit Anti-Terror-Gesetze
auf Zustimmung in der Bevölkerung stießen, kritisierte dagegen
Wolfgang Kubicki (FDP). Laut Verfassungsschutzbericht sei eine
solche Gefährdung jedoch "objektiv nicht vorhanden", der
Eingriff in Bürgergrundrechte durch die Anti-Terror-Gesetzes-Pakete
nicht gerechtfertigt, so der Fraktionschef der Liberalen. Anne
Lütkes (Grüne) wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass ihre
Partei in Berlin erneut auf eine Befristung dieser Gesetze
hingewirkt habe: Ihre Partei werde grundrechtsbeschränkende Gesetze
nur so lange mittragen, wie sie "erforderlich und
verhältnismäßig" seien.
Im Kampf gegen Extremisten rief Anke Spoorendonk
(SSW) zu Integrationsstrukturen auf. Dazu gehöre beispielsweise die
Vermittlung von Sozialkompetenz bereits in den Schulen. Ausländer
müssten sich bemühen, die deutsche Sprache zu erlernen; nur so
würden sie für den demokratisch-gesellschaftlichen Dialog auch
erreichbar.
Dank an scheidenden Verfassungsschutzchef
Alle Redner dankten dem Leiter des
schleswig-holsteinischen Verfassungsschutzes Michael Wolf, der nach
18 Jahren an der Spitze der Behörde seinen letzten Bericht
vorgelegt hat, für sein langjähriges Engagement. Wolf geht dieses
Jahr in den Ruhestand.
Der Bericht wurde zur abschließenden Beratung an
den Innen- und Rechtsausschuss überwiesen.