Bleibt der Schulbus
kostenfrei?
Liberale wollen Schulgesetz ändern /
Koalition hält an Regelung fest
Kiel (SHL/10.05.).
Im Streit um die im jüngst verabschiedeten Schulgesetz
festgeschriebene 30-prozentige Beteiligung der Eltern an den
Schulbeförderungskosten bleiben die Fronten verhärtet. Während
die Regierungsfraktionen die Regelung für gerecht halten, beharrt
die Opposition geschlossen auf dessen Abschaffung. In einer
emotional geführten Debatte bezeichneten die Liberalen, die
diesbezüglich eine Schulgesetz-Änderung eingebracht hatten, die
30-prozentige Beteiligung als "verkapptes Schulgeld".
So warnte der Bildungsexperte der FDP, Ekkehard
Klug, vor einem „Einstieg in die Bezahlschule". Und: Die seit
Januar gültigen Bestimmungen seien "ein eklatanter Widerspruch
zu den familienpolitischen Lippenbekenntnissen von
Schwarz-Rot". Monika Heinold (Grüne) warf der SPD vor,
landauf, landab zu versprechen, "dass die Eltern nicht mehr
bezahlen müssen, während sie im Landtag erzählen, dass das
Schulgesetz eine soziale Tat ist". Laut ihrer Rechnung müssten
die Eltern im Land im Jahr 2007 insgesamt sechs Millionen Euro für
den Schultransport ausgeben. Auch Anke Spoorendonk (SSW) bezeichnete
die Elternbeteiligung als "schwerwiegende politische
Fehlentscheidung". Insbesondere für Eltern im ländlichen Raum
seien die Kosten schwer zu tragen.
Bildungsministerin kritisiert Kommunen
Dem widersprach Tobias Koch (CDU): "Fakt ist,
dass der größte Teil der Beförderung weiter bezahlt wird."
Außerdem müssten beispielsweise im Kreis Rendsburg-Eckernförde
kinderreiche Familien nur für ein Kind zahlen. "Sie wissen ja
gar nicht wie Schülerbeförderung funktioniert", sprach
Henning Höppner (SPD) den Liberalen die Kompetenz in Sachen
Schülerbeförderung ab. Eine Elternbeteiligung sei auch deshalb
gerecht, weil Eltern in kreisfreien Städten und innerhalb
größerer zentraler Schulstandorte die Beförderungskosten zu 100
Prozent selbst tragen müssten. Außerdem, so Höppner, seien in
Härtefällen nach wie vor Entlastungen über die Sozialklausel
möglich.
Die Kreise würden jetzt den Eindruck erwecken, dass
die Eigenbeteiligung allein von der Landesregierung geplant worden
sei und ausschließlich der Entlastung des Landeshaushaltes diene,
kritisierte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD). Dies sei
keineswegs der Fall. Die Kommunen würden vielmehr "Abstand von
der eigenen Forderung nehmen", so Erdsiek-Rave. Dies sollten
sich insbesondere "Kreise wie Nordfriesland und Ostholstein ins
Stammbuch schreiben".
Kommunen sparen 17 Millionen Euro
Hintergrund der Debatte ist unter anderem ein
aktueller SPD-Landesparteitag-Beschluss, der sich gegen die
Elternbeteiligung ausgesprochen hatte. Ersten Berechnungen zufolge
würde sich bei einer Beteiligung an den Beförderungskosten das
Einsparvolumen für die Kreise und Gemeinden auf 17 Millionen Euro
belaufen. Im Landesdurchschnitt könnten sich die Kosten pro
Schüler auf 110 Euro jährlich belaufen.
Der Gesetzentwurf der FDP wurde an den
Bildungsausschuss überwiesen.