Druckversion
zurück zur Textseite


Top 19: 
Alkoholmissbrauch unterbinden
Antrag der Fraktion B`90 / DIE GRÜNEN – Drs.16/1364neu

Landtag sagt dem "Koma-Saufen" unter Jugendlichen den Kampf an

Abgeordneten unterstützen Maßnahmenkatalog
der Großen Koalition / gesetzliche Regelungen zunächst nicht gefordert

Kiel (SHL/lno/10.05). Der Landtag macht mobil gegen das so genannte "Koma-Saufen" unter Jugendlichen: Im Kampf gegen exzessiven Alkoholkonsum in Gaststätten und Discotheken sowie auf Festen setzt Schleswig-Holstein auf ein Bündnis mit Gastwirten, Event-Veranstaltern und Kommunen. Unisono forderten Vertreter aller Landtagsparteien unter anderem ein größeres Verantwortungsbewusstsein beim Ausschank von Alkohol. Zudem verlangten Vertreter aller Parteien eine strengere Anwendung des bestehenden Rechts im Bereich des Jugendschutzes. Neue Gesetze indes sind derzeit nicht geplant. 

Die Abgeordneten griffen damit den Großteil eines Maßnahmenkatalogs auf, den CDU und SPD in einem Antrag vorgelegt hatten und der sich an die Ziele der Landesregierung anlehnt. Demnach steht im Mittelpunkt eine freiwillige Selbstverpflichtung des Hotel- und Gaststättenverband (DeHoGa), Jugendlichen komplett den Zugang zu Veranstaltungen zu verwehren, auf denen für einen Festbetrag unbegrenzt Alkohol getrunken werden kann – Stichwort: "Flaterate-Partys" oder "All you can drink"-Angebote. Hintergrund der Debatte ist der Alkohol bedingte Tod eines 16-Jährigen aus Berlin, der Im März bei einer solchen Party 52 Gläser Tequila getrunken haben soll.

"Wir werden in Schleswig-Holstein auch die Beratungsfunktion stärken", kündigte Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) zudem in der Debatte an und nannte dafür die von der Großen Koalition bereits ins Leben gerufen Initiative "Schleswig-Holstein feiert richtig". Und, so Carstensen, in diesen Bereich gehöre auch, dass Eltern mit ihren Kindern Klartext über die Gefahren reden müssen – "schließlich sind die Familien für die Kinder und Jugendlichen der wichtigste Bezugspunkt"

 "Der Alkoholkonsum unter Jugendlichen durchzieht alle gesellschaftlichen Schichten", befand Angelika Birk (Grüne). Sie begrüßte die aus dem Regierungslager angekündigten Maßnahmen zur Bekämpfung des Jugendalkoholismus, konnte sich aber, wenn diese wirkungslos bleiben würden, auch neue gesetzliche Regelungen vorstellen. Ein von den Grünen in dieser Sitzung geforderter mündlicher Regierungsbericht zu dem Thema wurde mit Billigung der Oppositionspartei nicht gehalten. Dass Plenum verständigte sich darauf, bis zum Dezember die Ergebnisse der angeschobenen Initiativen abzuwarten. 

Laut dem jüngst veröffentlichten Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung gelten rund 1,6 Millionen Menschen in Deutschland als alkoholabhängig. Weitere 1,7 Millionen "praktizieren einen gesundheitsschädigenden, missbräuchlichen Alkoholkonsum". Mehr als zehn Millionen Menschen in Deutschland trinken "in riskanter Weise" Alkohol. Von den 12- bis 25-Jährigen greift dem Bericht zufolge jeder Fünfte regelmäßig zum Glas oder zur Flasche. Der jährliche Pro-Kopf-Konsum liegt bei zehn Litern reinen Alkohols. 40.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen des Alkoholkonsums.

Weitere Stimmen aus dem Plenum:

Frauke Tengler (CDU): Im letzten Jahr fielen 27.000 Jugendliche durch abnormen Alkoholgenuss auf, vor fünf Jahren waren es noch halb so viele.

Peter Eichstädt (SPD): Jugendliche, die durch exzessiven Alkoholgenuss aufgefallen sind, sollten zu einer Suchtberatung verpflichtet werden.

Heiner Garg (FDP): Es kann nicht sein, dass Falschparker strenger verfolgt werden als jemand, der Alkohol an Jugendliche ausschenkt.

Lars Harms (SSW): Eine nachhaltige Drogenpolitik sollte sich nicht von aktuellen Stimmungen leiten lassen. Es kommt darauf, den Jugendlichen einen vernünftigen Umgang mit Alkohol beizubringen.


zurück zur Textseite

* * * * *