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Opposition sorgt
sich
um Datenschutz
Kiel (SHL/09.05.)
Die Opposition im Landtag hat die Vorstellung des
Datenschutzberichtes 2007 für Kritik an dem im Februar
verabschiedeten und umstrittenen neuen Polizeigesetz genutzt.
Deutschland werde immer mehr zum Überwachungsstaat, so der
Vorwurf, den Innenminister Ralf Stegner (SPD) vehement als "Zerrbild
der Wirklichkeit" bestritt. Das Unabhängige Landeszentrum
für den Datenschutz (ULD), dessen Arbeit parteiübergreifend
gelobt wurde, hatte in seiner Vorlage insbesondere auch vor
weiteren Einschränkungen von Grundrechten im Zuge des Kampfes
gegen den Terrorismus gewarnt, wie zum Beispiel im Bereich
Telefon- und Online-Überwachung.
Stegner bekräftigte,
um den Datenschutz im Land sei es "gut bestellt".
Schleswig-Holstein belege im bundesweiten Vergleich einen
Spitzenplatz. Die Hauptquelle für den "liederlichen Umgang
mit ihren persönlichen Angaben" bildeten viele Bürger durch
den sorglosen Umgang selbst, so Stegner. Unterstützung erhielt
der Minister von der CDU. Es gehe nicht um willkürliche
Datenerhebung und Speicherung. Auch sei das neue Polizeirecht
nicht dazu da, Täter zu schützen, so die Union. Auch die SPD
konnte keinen "Zielkonflikt zwischen Datenschutz und innerer
Sicherheit" ausmachen.
Dagegen kündigte die
FDP eine juristische Überprüfung des Polizeigesetzes an. Es gehe
der Großen Koalition nicht um die Sache, sondern "um ihr
Gesicht", so der Vorwurf. Die Grenzen des Datenschutzes seien
bereits überschritten. In die gleiche Kerbe schlugen auch die
Grünen. Sie befürchteten, dass sich neue Gefahrenquellen für
die Bürger durch zu viel staatliche Überwachung eröffnen
können – etwa durch "Datenklau von dubiosen Drittstaaten".
Auch der SSW hob hervor, das "informationelle
Selbstbestimmungsrecht" gehöre zum modernen Datenschutz.
Stimmen aus dem
Plenum:
Thomas Rother
(SPD): Die Zertifizierung
des Datenschutzes durch Siegel ist begrüßenswert.
Wolfgang Kubicki
(FDP): Jeder hat etwas zu
verbergen, was er der Öffentlichkeit nicht mitteilen will oder
muss.
Karl-Martin
Hentschel (Grüne): Der
Staat ist kein Hacker und darf es auch nicht werden.
Anke Spoorendonk
(SSW): Wer neue Verfahren
ohne ausreichende Vorbereitung einführt, darf sich über
Ablehnung nicht wundern.
Hintergrund:
Der Landtag berät den jährlichen Bericht des
Unabhängigen Landeszentrums für den Datenschutz (ULD),
den der Landesdatenschutzbeauftragte Thilo Weichert im
März an Landtagspräsident Martin Kayenburg übergeben
hat.
Darin warnt das ULD vor weiteren Einschränkungen
von Grundrechten im Zuge des Kampfes gegen Terrorismus und
Kriminalität . Weichert bemängelte bei der Vorstellung
des Berichts eine "Vergeheimdienstlichung" des
Sicherheitsapparates. Würde etwa die vom
Bundesinnenministerium geforderte geheime
Online-Durchsuchung erlaubt, so wäre dies nach Ansicht
Weicherts ein schwerer Schlag gegen die
Informationssicherheit.
Der Rechtsstaat dürfe sich nicht von
terroristischen Straftätern Regeln aufzwingen lassen, die
Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Freiheitsrechte
beeinträchtigten, erklärte Weichert weiter. So würde es
"System sprengende Wirkung" haben, wenn Pläne
für eine mindestens sechsmonatige Vorratsspeicherung von
Telekommunikations-Verkehrsdaten umgesetzt werden. Auch
Pläne für eine bundesweite Vorratsdatenbank, in der
Angaben über die Einkommen aller abhängig Beschäftigten
gespeichert werden sollen, rügte der Beauftragte als
unverhältnismäßig.
Trotz verschiedener im parlamentarischen
Beratungsverfahren eingearbeiteter Änderungen stößt
auch das neue schleswig-holsteinische Polizeirecht bei der
ULD auf Skepsis: Es enthalte immer noch
verfassungsrechtlich angreifbare Regelungen. Besonders
kritisch wollen die Datenschützer verfolgen, wie das neue
Autokennzeichen-Screening, die Schleierfahndung und die
elektronische Dokumentation polizeilicher Vorgänge
gehandhabt werden. Weichert rügte auch das
Bildungsministerium, weil es sich bis zuletzt geweigert
habe, in seinen Plänen für eine Schülerstatistik die
Datenschutz-Anforderungen zu berücksichtigen. Nach
Ansicht Weicherts ist es um die
"Datenschutz-Kultur" in Schleswig-Holstein aber
besser bestellt als im Bund.
Der 175-seitige Bericht listet auch gravierende
Einzelverstöße gegen den Datenschutz auf. Deutlich
nehmen Weichert zufolge Videoaufzeichnungen zum
Ausspionieren von Nachbarn zu. Einen Rekord gebe es auch
bei Eingaben und Anfragen zur Erfassung von Daten von
Hartz-IV-Empfängern.
mehr Informationen: Unabhängiges
Landeszentrum für den
Datenschutz
Schleswig-Holstein
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