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Auf dieser Seite:Tätigkeitsbericht 2006 der Bürgerbeauftragten 

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Tätigkeitsbericht der Bürgerbeauftragten für soziale Angelegenheiten des Landes Schleswig-Holstein bei dem Präsidenten des Schleswig-Holsteinischen Landtages für das Jahr 2006
Drucksache: 16/1350
-Plenarprotokoll-

Landtagspräsident Martin Kayenburg ist stets der erste, der einen Blick in den Jahresbericht der  Bürgerbeauftragten für soziale Angelegenheiten des Landes Schleswig-Holstein werfen darf. Birgit Wille-Handels überreichte ihm das über 100 Seiten starke Papier am 24. April

Lob und Anerkennung für das
Büro der Bürgerbeauftragten

Politiker besorgt über wachsende Zahl von Hilfesuchende im Bereich Hartz IV

Kiel (SHL/10.05.) Parteiübergreifend hat der Landtag der Bürgerbeauftragten für soziale Angelegenheiten, Birgit Wille-Handels, seine Anerkennung ausgesprochen. Anlässlich ihres im Plenum erörterten Tätigkeitsberichts über das Jahr 2006 hoben Redner aller Parteien hervor, wie wichtig ihre Arbeit für gesellschaftspolitische Belange sei. Durch die unmittelbare Nähe der Bürgerbeauftragten zu den Bürgern erkenne sie oft Stimmungen und Probleme lange bevor diese in den politischen Schlagzeilen auftauchten. Im Plenum wurde angeregt, die Erkenntnisse der Bürgerbeauftragten nicht nur einmal im Jahr zu hören.

Zu den Fakten: Die Zahl der im vergangen Jahr an die Bürgerbeauftragte gerichteten Eingaben bewegte sich auf etwa gleich hohem Niveau wie im Vorjahr. Im Berichtszeitraum wurden 3.006 Eingaben bearbeitet. Rund zwei Drittel der Eingaben betrafen den Bereich der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II/Hartz IV). Hier war eine Steigerung um 20 Prozent zu verzeichnen. Den Schwerpunkt dabei bildeten Fragen zur Leistungsgewährung.

Besorgt teilten die Politiker in diesem Zusammenhang die bei der Bürgerbeauftragten aufgelaufene Kritik, dass viele behördliche Bescheide nach wie vor für den Bürger nicht nachvollziehbar seien und dass Schwächere in der Gesellschaft noch immer nicht ausreichend gefördert werden. "Es knirscht hier und da noch im Gebälk", gab auch Justiz- und Arbeitsminister Uwe Döring (SPD) mit Blick auf die anhaltende Flut von Klagen bei den Sozialgerichten zu.

Stimmen aus dem Plenum:

Torsten Geerdts (CDU): Schwächere in der Gesellschaft werden immer noch nicht ausreichend gefördert. Hartz IV-Empfänger sind keine Bittsteller und keine Allmosenempfänger, sondern Leistungsempfänger, die zum Großteil jahrelang in die sozialen Systeme eingezahlt haben.

Wolfgang Baasch (SPD): Über 3.000 Eingaben in einem Jahr machen deutlich, wie notwendig eine unabhängige, die Interessen der Menschen aufnehmende Beratungsstelle wie die der Bürgerbeauftragten für soziale Angelegenheiten ist.

Heiner Garg (FDP): Die Bürgerbeauftragte bot echte Hilfe für ratsuchende Bürger, die in über 80 Prozent der Fälle erfolgreich gewesen ist. Angesichts der weiter zunehmenden Zahl Rat- und Hilfesuchender muss Politik dafür sorgen, dass Gesetze sich nachvollziehbar umsetzen lassen.

Angelika Birk (Grüne): Der Bericht sollte Pflichtlektüre für den Chef der Bundesagentur für Arbeit und Schulungsmaterial für alle Mitarbeiter in den Arbeitsagenturen sein. Die Bürger brauchen verständliche Bescheide.

Lars Harms (SSW): Die unhaltbaren Zustände bei den Bescheiden haben sich bisher nicht geändert. Was gerichtsfest formuliert ist, muss nicht gleich bürgerfreundlich sein.

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Hintergrund:
  Der Landtag behandelt den Jahresbericht 2006 der Bürgerbeauftragten für soziale Angelegenheiten des Landes Schleswig-Holstein, Birgit Wille-Handels.
  Die Zahl der im vergangen Jahr an die Bürgerbeauftragte gerichteten Eingaben bewegte sich demnach auf etwa gleich hohem Niveau wie im Vorjahr. Im Berichtszeitraum wurden 3.006 Eingaben bearbeitet. Die Zahl setzt sich zusammen aus 2.981 Neueingängen und 25 unerledigten Eingaben aus dem Vorjahr. Abschließend bearbeitet wurden 2.861 Eingaben. Von den erledigten zulässigen Eingaben (2.618) wurden 2.398 positiv abgeschlossen.
  Eine deutliche Steigerung der Eingaben gab es im Bereich der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II/Hartz IV). Hier war eine Steigerung um 20 Prozent auf 1.022 Eingaben zu verzeichnen. Den Schwerpunkt in diesem Bereich bildeten Fragen zur Leistungsgewährung. Etwa 55 Prozent der Anfragen betrafen Fragen zur Anspruchsberechtigung, zur Leistungshöhe, zu Mehrbedarfen und einmaligen Beihilfen. Mit rund 20 Prozent folgten dann Eingaben zum Bereich der Unterkunfts- und Heizkosten. Hier ging es hauptsächlich um die Angemessenheit der Unterkunftskosten und die angemessenen Wohnungs- beziehungsweise Eigenheimgrößen.
  In fast allen Beschwerden wurde von den betroffenen Bürgern die Unübersichtlichkeit und mangelnde Aussagekraft der Bescheide kritisiert: Diese seien insbesondere hinsichtlich der Anrechnung von Vermögen und Einkommen sowie der Berechnung der Unterkunftskosten oft nicht nachzuvollziehen. Der Bundesagentur für Arbeit als zuständige Behörde sei dieser Missstand seit Inkrafttreten des Gesetzes bekannt, heißt es in dem Bericht. Dennoch sei keine Verbesserung der Situation eingetreten.
  Ein Großteil der Beschwerdeführer beklagte zudem die mangelhafte oder fehlende fachliche Beratung. So würden Fragen zu Hilfs- und Fördermöglichkeiten nicht beantwortet und Bescheide trotz konkreter Nachfragen nicht erläutert.
  Im Bereich des Kindergeldes stieg die Anzahl der Eingaben um rund 62 Prozent. Im ersten Halbjahr 2006 wurden oftmals monatelange Bearbeitungszeiten und die mangelnde Erreichbarkeit gerade der Familienkasse Flensburg kritisiert. Nach wie vor wirke sich die Neuorganisation der Familienkasse negativ auf den Bearbeitungsstand aus, so der Bericht. Im zweiten Halbjahr 2006 gingen die Eingaben jedoch spürbar zurück. Dies sei ein positiver Hinweis darauf, dass die Bearbeitungsrückstände abgebaut werden konnten.

Info: Die Bürgerbeauftragte für soziale Angelegenheiten 
des Landes Schleswig-Holstein

weitere Informationen zu den Beauftragten im Land:
plenum-online, März 2007
(www.sh-landtag.de/plenumonline/maerz2007/texte/09_petitionswesen.htm)

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