60 Jahre gerwählter Landtag

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Vor 60 Jahren ist in Kiel das erste frei gewählte schleswig-holsteinische Landesparlament nach dem Krieg zusammengekommen. Zwar gab es bereits seit Februar 1946 Volksvertretungen für das Land zwischen den Meeren, doch bestanden diese ersten beiden ernannten Landtage aus Abgeordneten, die von der britischen Besatzungsmacht "handverlesen" worden waren. So wurde der Weg Schleswig-Holsteins in eine selbstbestimmte, demokratische Zukunft erst so richtig geebnet mit der Landtagswahl vom 20. April 1947 und der konstituierenden Landtagssitzung knapp drei Wochen später – am 8. Mai 1947.
(Bitte beachten sie auch: Sonderveröffentlichung)

Feierstunde zum 60. Geburtstag des Landtages: 

Erfolge der Vergangenheit und Aufgaben für die Zukunft

Bundestagspräsident Lammert: Die öffentlichen Angelegenheiten vertragen keine Bequemlichkeit

Kiel (SHL/ 09.05.) Tagespolitische Differenzen traten in den Hintergrund, als das Sophienquartett des Philharmonischen Orchesters Kiel im Plenarsaal aufspielte und der Landtag, gemeinsam mit rund 80 Ehrengästen, des demokratischen Neubeginns im Lande vor 60 Jahren gedachte. Schleswig-Holstein blicke insgesamt auf eine "erfolgreiche Demokratie-Geschichte" zurück, betonte Landtagspräsident Martin Kayenburg in der rund zweistündigen Feierstunde anlässlich der Zusammenkunft des ersten gewählten Landesparlaments am 8. Mai 1947. Allerdings, gab der Hauptredner der Feierstunde, Bundestagspräsident Norbert Lammert, zu bedenken, gelte es, die parlamentarische Demokratie auch in Zukunft für die Bürger attraktiv zu gestalten. Der zweite Festredner, der Politikwissenschaftler Prof. Michael Ruck von der Uni Flensburg, legte eine Analyse der Rolle von Parlamenten im europäischen Mehrebenensystem vor, während Ministerpräsident Peter Harry Carstensen in seinem Grußwort feststellte: "In Schleswig-Holstein wurde durch die Jahrzehnte ein Land aufgebaut, in dem es sich zu leben lohnt."

"Was wir zum Funktionieren unserer modernen Gesellschaft am dringendsten brauchen, geht verloren: Vertrauen", beklagte Bundestagspräsident Lammert und verwies auf den Rückgang der Wahlbeteiligung und den Verlust der Bindungskraft der Parteien. Er warnte vor einem Rückzug der Bürger aus der Politik und vor einer "Bequemlichkeit" gegenüber den öffentlichen Belangen. Stattdessen mahnte er insbesondere von den jungen Menschen mehr Verantwortung an; es gehe in der Politik nicht um abstrakte Angelegenheiten, sondern um die Zukunft des eigenen Lebens: "Buh-Rufe ersetzen nicht das eigene Engagement."

An die Adresse der politisch Verantwortlichen appellierte das Parlamentsoberhaupt: "Wir müssen bescheidener in unseren Ankündigungen werden, anspruchsvoller in den Zielen und mutiger im Handeln." Dazu gehöre auch, dass Parlamente nicht versuchten, jede Frage durch eine gesetzliche Regelung zu lösen: "Gesetze regeln immer angenommene Durchschnittsfälle – diese kommen im Leben aber so gut wie nicht vor", so Lammert.

Die Rede von Bundestagspräsident
Norbert Lammert im Wortlaut (pdf)
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Kayenburg: Parlamentarische Arbeit
transparent machen

Auch Landtagspräsident Kayenburg forderte die Politik auf, "die Verfahrensweise ihres Handelns und ihre erbrachten Leistungen den Bürgerinnen und Bürgern noch viel einsichtiger und transparenter machen, als dies bisher der Fall gewesen ist." Ein lebendiges demokratisches Gemeinwesen könne letztlich nur gemeinsam von den Bürgern mit ihren gewählten Volksvertretern gestaltet werden, denn: "Die freie politische Selbstbestimmung ist das höchste Gut in unserer demokratischen Gesellschaft."

Positiv hob Kayenburg mit Blick auf die Entwicklung im schleswig-holsteinischen Landesparlament hervor, dass sich "ein Aufbruch aus dem konfrontativen und politisch scheinbar festgefügten Lagerschema hin zum streitbaren Miteinander" vollzogen habe.

Die Begrüßung von Landtagspräsident
Martin Kayenburg im Wortlaut (pdf)
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Carstensen: Minderheitenpolitik ein
Aushängeschild des Landes

Ministerpräsident Carstensen merkte an, die erste Phase der Föderalismusreform habe den Ländern wieder mehr Einfluss gegeben. Dies sei von Bedeutung, denn die Stärke des Föderalismus liege in der "Einheit in Vielfalt". Zu dieser Vielfalt habe auch beigetragen, so Carstensen, dass sich das Land zu einem „guten Nachbarn" entwickelt habe, und dass der Frieden im deutsch-dänischen Grenzraum auf festen Grundlagen stehe: "Schleswig-Holstein hat gelernt, seine Minderheiten als Bereicherung wahrzunehmen."

Das Grußwort von Ministerpräsident
Peter Harry Carstensen im Wortlaut (pdf)
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Prof. Ruck: Klassische Parlamentsaufgaben bleiben

Prof. Ruck beschrieb in seiner Analyse des politischen Mehrebenensystems aus Kommune, Land, Bund und EU eine "geringe Transparenz" des "überkomplexen" Systems. Seit den 80er Jahren habe es eine "doppelte Kompetenzverschiebung" gegeben: von den Ländern Richtung Berlin und Brüssel sowie von den Parlamenten zu den Regierungen. Im Zuge dieser "Entparlamentisierung" habe sich ein "Exekutivföderalismus" entwickelt, und die Landesparlamente seien auf die Rolle von "Ratifikationsämtern" von Regierungsentscheidungen zurückgedrängt worden.

Dies, so der Politikwissenschaftler, ändere aber nichts an der grundsätzlichen Rolle der Abgeordneten: Die Mehrheit bleibe aufgerufen, durch eine enge personelle Verflechtung mit der von ihr getragenen Regierung direkten Einfluss auf die Entscheidungen zu nehmen. Und: Der Opposition falle die Rolle der Regierung im Wartestand zu, die Alternativen aufzeigen müsse. "Nehmen Sie mit Elan ihre Schlüsselaufgaben wahr", lautete sein Appell an den Landtag.

Die Rede des Politikwissenschaftlers
Prof. Michael Ruck im Wortlaut (pdf)
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Sonderveröffentlichung: 

Die Parlamentszeitung "Der Landtag" hat die konstituierende Sitzung des ersten gewählten Landtages noch einmal aufleben lassen. Anhand des Protokolls wurde eine Zeitung erstellt, wie es die Pressestelle des Landtages damals möglicherweise gemacht hätte. Stil und Aufmachung sind dem Zeitgeist der späten 40er Jahre nachempfunden, ebenso wie das "vergilbte" Papier. Und natürlich galten damals auch noch die alten Rechtschreibregeln. Eine kleine historische Spielerei ist dies, denn die erste "echte" Landtagszeitung erschien erst 1965.

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Die Gesamtausgabe der Zeitung "Der Landtag" (Mai / 2007)
 ist kostenfrei erhältlich bei der Pressestelle des Schleswig-Holsteinischen Landtages.
Mail: bestellungen@landtag.ltsh.de
Oder Telefon: 0431 / 988-1163 

 

 

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60 Jahre gewählter Landtag /
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