Hildebrand rechnete vor, dass beispielsweise ein
Ort mit 500 Wohnungen dann nur noch um zwei Einheiten pro Jahr
wachsen könne – dies sei eine „faktische Stilllegung des
ländlichen Raums". Innenminister Lothar Hay (SPD)
verteidigte hingegen die "Acht-Prozent-Klausel".
Aufgrund des demographischen Wandels, so der Minister, würden bis
2025 nur noch halb so viele neue Wohnungen benötigt wie in den
vergangenen 15 Jahren. Besonders im Norden des Landes werde die
Zahl der Einwohner sinken.
Deshalb, fügte Thomas Hölck (SPD) an, könne „nicht
so weiter geplant werden wie bisher". Angesichts einer
alternden Gesellschaft warnte er vor einem „Wettbewerb um
Köpfe", der dazu führen könne, „dass einerseits die
Stadtfunktion weiter geschwächt wird und andererseits die
Gemeinden am Bedarf vorbeiplanen".
Auch Union und SSW sehen Bremswirkung für
Entwicklung auf dem Land
Werner Kalinka vom Koalitionspartner CDU übte
hingegen Kritik daran, dass der LEP den Schwerpunkt auf Städte,
größere Gemeinden und Hauptverkehrsadern lege: „Stadt und Land
müssen sich gleichmäßig entwickeln können", sprach sich
Kalinka gegen die „einengende" Acht-Prozent-Vorgabe aus.
„Der Landesentwicklungsplan bremst jegliche Entwicklung auf dem
Land aus", mahnte auch Lars Harms (SSW). Er befürchtete
einen „Stillstand" mit negativen Auswirkungen auf die
wirtschaftliche Weiterentwicklung im ländlichen Raum.
Grüne wollen noch mehr
Karl-Martin Hentschel (Grüne) ging der Plan
hingegen nicht weit genug. Er prognostizierte ein Absinken der
Bevölkerungszahl im Lande um 80.000 Menschen bis 2025. Werde der
LEP in der jetzigen Form umgesetzt, so könnten in den kommenden
Jahrzehnten „locker 200.000 neue Wohnungen ohne Bedarf
entstehen". Die Konsequenz: Wohnungsleerstände und der
Verfall der Immobilienpreise. „Die Politik muss hier
vorbeugen", forderte Hentschel.
Der Landesentwicklungsplan soll die
schleswig-holsteinische Raumordnungsplanung für die nächsten
zwei Jahrzehnte festschreiben. Das Beteiligungsverfahren läuft
noch: Verbände, Kammern und Vereine haben noch bis zum 31. Juli
Zeit für eine Stellungnahme; die Bürger und ihre Kommunen bis
zum 31. Oktober. Der Landtag will das Thema zunächst in den
Ausschüssen für Innen und Recht, Umwelt und Agrar sowie
Wirtschaft weiter behandeln. Im Herbst will das Parlament das
Thema dann erneut im Plenum diskutieren, bevor der LEP im Kabinett
endgültig verabschiedet wird.