Dem Bericht zufolge war die rechte Szene im
vergangenen Jahr für 440 Straftaten, darunter 59 Gewaltdelikte,
verantwortlich. Linksextremisten verübten dem Bericht zufolge 236
Straftaten, darunter 38 Gewaltdelikte. Das waren doppelt so viele
wie im Vorjahr. Diese hohe Zahl resultierte insbesondere aus
Angriffen auf rechtsextremistische Veranstaltungen sowie aus
Ausschreitungen im Umfeld des G8-Gipfels im mecklenburgischen
Heiligendamm im letzten Juni. Als linksextrem gelten in
Schleswig-Holstein 850 Personen.
Mehr bürgerschaftliches Engagement angemahnt
In der sachlich geführten Debatte mahnten die
Grünen und der SSW ein stärkeres bürgerschaftliches Engagement
der Parteien, wie etwa durch die Teilnahme an Demonstrationen, an.
Die Liberalen wandten sich angesichts der überschaubaren
Extremismusszene gegen die von der Landesregierung geplante
Erweiterung der Befugnisse für den Verfassungsschutz. Vertreter von
Union und SPD bezeichneten den Kampf gegen den Extremismus als „Selbstverständlichkeit"
für eine wehrhafte Demokratie.
Der Bericht wurde zur abschließenden Beratung an
den Innen- und Rechtsausschuss überwiesen.
Stimmen aus dem Plenum:
Peter Lehnert (CDU): Nur die konsequente
Beobachtung, Überwachung und Erhöhung des Drucks kann Extremisten
in Schach halten. Das Land darf nicht hinnehmen, dass sich
verfassungsfeindliche Kräfte - egal welcher Couleur - hierzulande
Freiräume für gesetzwidriges Handeln schaffen.
Thomas Rother (SPD): Ein NPD-Verbot würde
finanziell, organisatorisch, publizistisch und auch persönlich
gegen manchen Kader eine nachhaltige Schwächung der gesamten Szene
hervorrufen. Es hätte uns auch einen NPD-Ratsherrn in Kiel und
einen NPD-Kreistagsabgeordneten im Kreis Herzogtum Lauenburg
erspart.
Ekkehard Klug (FDP): Ein Wermutstropfen bleibt,
dass der Anteil der als aktionistisch zu bezeichnenden
Rechtsextremen angestiegen ist. Ein Beispiel hierzu bieten die
Vorfälle um die Demonstrationen am 1. Mai in Hamburg. Dort gab es
zum ersten Mal einen äußerst gewalttätigen schwarzen Block auch
bei den Rechten.
Karl-Martin Hentschel (Grüne): Der rechte Rand
wird nicht stärker. Es ist aber so, dass sich die Kameradschaften
der NPD angenähert haben. Damit einher ging eine Zunahme der
Gewalt. Das ist eine dramatische Veränderung.
Anke Spoorendonk (SSW): Im Vorfeld der
Kommunalwahl konnte man wieder einmal erleben, womit man es bei der
NPD und ihren Schergen zu tun hat. Bei der Anreise zu einem
NPD-Aufmarsch in Hamburg, haben Neonazis einen Regionalzug besetzt
und ausländerfeindliche und menschenverachtende Hetzparolen
skandiert.