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Verfassungsschutzbericht 2007
Federführend ist das Innenministerium
Drucksache: 16/1997
-Plenarprotokoll-

Verfassungsschutzbericht 2007:
Extremistische Gewalt bereitet 
weiter Sorge

Kiel (SHL/30.05.) Trotz stagnierender Mitgliederzahlen bleibt die Bekämpfung der NPD eine der Hauptaufgaben bei der Auseinandersetzung mit dem Extremismus im Lande. Dies hat Innenminister Lothar Hay (SPD) bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes 2007 deutlich gemacht. Die Partei, die wie im Vorjahr weiterhin 240 Mitglieder zählt, sei „die stärkste und dominierendste Organisation im rechtsextremen Bereich", stellte der Minister fest. Zudem habe sich das „aktionistische Potential" am rechten Rand verdreifacht.

Dem Bericht zufolge war die rechte Szene im vergangenen Jahr für 440 Straftaten, darunter 59 Gewaltdelikte, verantwortlich. Linksextremisten verübten dem Bericht zufolge 236 Straftaten, darunter 38 Gewaltdelikte. Das waren doppelt so viele wie im Vorjahr. Diese hohe Zahl resultierte insbesondere aus Angriffen auf rechtsextremistische Veranstaltungen sowie aus Ausschreitungen im Umfeld des G8-Gipfels im mecklenburgischen Heiligendamm im letzten Juni. Als linksextrem gelten in Schleswig-Holstein 850 Personen.

Mehr bürgerschaftliches Engagement angemahnt

In der sachlich geführten Debatte mahnten die Grünen und der SSW ein stärkeres bürgerschaftliches Engagement der Parteien, wie etwa durch die Teilnahme an Demonstrationen, an. Die Liberalen wandten sich angesichts der überschaubaren Extremismusszene gegen die von der Landesregierung geplante Erweiterung der Befugnisse für den Verfassungsschutz. Vertreter von Union und SPD bezeichneten den Kampf gegen den Extremismus als „Selbstverständlichkeit" für eine wehrhafte Demokratie.

Der Bericht wurde zur abschließenden Beratung an den Innen- und Rechtsausschuss überwiesen.

Stimmen aus dem Plenum:

Peter Lehnert (CDU): Nur die konsequente Beobachtung, Überwachung und Erhöhung des Drucks kann Extremisten in Schach halten. Das Land darf nicht hinnehmen, dass sich verfassungsfeindliche Kräfte - egal welcher Couleur - hierzulande Freiräume für gesetzwidriges Handeln schaffen.

Thomas Rother (SPD): Ein NPD-Verbot würde finanziell, organisatorisch, publizistisch und auch persönlich gegen manchen Kader eine nachhaltige Schwächung der gesamten Szene hervorrufen. Es hätte uns auch einen NPD-Ratsherrn in Kiel und einen NPD-Kreistagsabgeordneten im Kreis Herzogtum Lauenburg erspart.

Ekkehard Klug (FDP): Ein Wermutstropfen bleibt, dass der Anteil der als aktionistisch zu bezeichnenden Rechtsextremen angestiegen ist. Ein Beispiel hierzu bieten die Vorfälle um die Demonstrationen am 1. Mai in Hamburg. Dort gab es zum ersten Mal einen äußerst gewalttätigen schwarzen Block auch bei den Rechten.

Karl-Martin Hentschel (Grüne): Der rechte Rand wird nicht stärker. Es ist aber so, dass sich die Kameradschaften der NPD angenähert haben. Damit einher ging eine Zunahme der Gewalt. Das ist eine dramatische Veränderung.

Anke Spoorendonk (SSW): Im Vorfeld der Kommunalwahl konnte man wieder einmal erleben, womit man es bei der NPD und ihren Schergen zu tun hat. Bei der Anreise zu einem NPD-Aufmarsch in Hamburg, haben Neonazis einen Regionalzug besetzt und ausländerfeindliche und menschenverachtende Hetzparolen skandiert.

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Hintergrund:
Innenminister Lothar Hay (SPD) legt dem Parlament seinen Verfassungsschutzbericht für das vergangene Jahr vor.

   Rechtsextremismus

Demnach ist 2007 die Zahl der von Rechtsextremisten verübten Straftaten um 14 Prozent auf 440 Fälle gesunken. Darunter waren 59 Gewalttaten. Die Zahl der vom Verfassungsschutz registrierten Mitglieder rechtsextremer Parteien und Organisationen stieg um 60 auf 1.410. Als gewaltbereit gelten 740 - 80 mehr als 2006. Hier handelt es sich vor allem um Skinheads. Die Zahl der gewaltbereiten Rechtsextremen ist seit den 90ern dem Bericht zufolge drastisch angestiegen. Zudem beobachtet der Geheimdienst eine engere Zusammenarbeit zwischen „aktionistischen" Neonazis und der NPD. Die NPD mit ihren landesweit 250 Mitgliedern sei es im Vorfeld der Kommunalwahl aber nicht gelungen, eine nennenswerte Basis aufzubauen.

   Linksextremismus

Linksextremisten verübten dem Bericht zufolge 236 Straftaten, darunter 38 Gewaltdelikte. Es wurde eine Verdoppelung der Straftaten gegenüber dem Vorjahr registriert. Dies resultierte aus Angriffen auf rechtsextremistische Veranstaltungen sowie aus Ausschreitungen im Umfeld des G8-Gipfels im mecklenburgischen Heiligendamm im letzten Juni. Hier haben sich laut Bericht insbesondere Mitglieder der Gruppe „Avanti" hervorgetan. 850 Menschen gelten als linksextrem, 350 als gewaltbereit. Es sei aber auch den Linksextremen nicht gelungen, „eine umfassende Bewegung zu schaffen".

Islamistisch-terroristische Strukturen seien in Schleswig-Holstein nach wie vor nicht erkennbar, heißt es in dem Bericht weiter. Einzelne Islamisten mit Kontakt zum internationalen Jihad würden beobachtet. Extremistische Ausländerorganisationen, überwiegend türkische und kurdische, hätten unverändert 1.735 Mitglieder. Eine unorganisierte Anhängerschaft habe die irakische Terrorgruppe Ansar-al-Islam. Von diesen Anhängern könne möglicherweise der Terror im Irak mit Geld, Personal odr Sachmitteln unterstützt werden.

   Aktuell: Internationale Terrorismusbekämpfung

Innenminister Hay hat einen Gesetzentwurf zur Ausweitung der Befugnisse des Verfassungsschutzes in die Kabinettsberatung eingebracht. Die Pläne sehen unter anderem vor, den Beobachtungsauftrag der Verfassungsschützer auf den internationalen Terrorismus zu erweitern. Es dürften demnach auch „einzelne besonders gefährliche Personen" überwacht werden. Zudem soll die Behörde künftig bei privaten Unternehmen im Einzelfall Auskünfte über Passagier-, Konto-, Post- und Telekommunikationsdaten einholen. Zu den auskunftspflichtigen Unternehmen gehören beispielsweise Fluggesellschaften, Kreditinstitute und Postdienstleister. Der Verfassungsschutz soll künftig auch technische Mittel einsetzen dürfen, um Standorte von Handys zu orten.

Schleswig-Holstein setze damit die Terrorismusbekämpfungsgesetze des Bundes in Landesrecht um und folge allen anderen Ländern, so der Minister. Als Gegengewicht zu den erweiterten Befugnissen des Geheimdienstes soll die parlamentarische Kontrolle über die Angelegenheiten des Verfassungsschutzes und über die Maßnahmen zur Post- und Fernmeldeüberwachung organisatorisch in einem parlamentarischen Kontrollgremium zusammengefasst werden.

letzter Verfassungsschutz-Bericht:
 plenum-online, Mai 2007

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