Der
Minister sieht sich zudem einer Forderung der Grünen
gegenüber, Sofortmaßnahmen zum Schutz der Tiere zu
ergreifen. Die Oppositionsfraktion verweist darauf, dass
die Zahl der Brutpaare der Trauerseeschwalbe einen
historischen Tiefststand erreicht habe. Deswegen müsse
der Umbruch von Grünland zu Ackerland umgehend gestoppt
werden. Die Vergrämung der Vögel durch Knallkanonen
müsse unterbunden und das Trockenfallen von Gräben
verhindert werden.
EU-Kommission droht mit Klage
Mitte Mai
hat die Landesregierung der EU-Kommission die Erweiterung
der Vogelschutzgebiete in der ETS-Region und auf
Eiderstedt zugesichert. Damit soll der jahrelange Streit
um dieses Thema beigelegt werden. Seit 2001 läuft ein
Vertragsverletzungsverfahren wegen unzureichender Meldung
Europäischer Vogelschutzgebiete. Ende April hatte die
Kommission erklärt, von einer Klage abzusehen, wenn
Schleswig-Holstein bis zum 31. Mai einer Erweiterung der
beiden Vogelschutzgebiete zustimmt.
Nach
gründlicher Prüfung der Kommissionsforderung und nach
Gesprächen mit Vertretern der Kommunen, der
Landwirtschaft und des Naturschutzes habe er die Meldung
empfohlen, erklärte Umweltminister von Boetticher
gegenüber den Medien. Andernfalls habe eine Klage vor dem
Europäischen Gerichtshof gedroht, an deren Ende zwar
keine Zwangsgelder, aber möglicherweise die Verurteilung
zur Meldung weit größerer Gebiete gestanden hätte.
Eiderstedt
Die
Kommission hatte für Eiderstedt die Verbindung der drei
bisher schon gemeldeten Gebiete zu einer
zusammenhängenden Region gefordert. Die Erweiterung
soll etwa 4.200 Hektar umfassen, so dass das Eiderstedter
Vogelschutzgebiet später eine Fläche von insgesamt 7.000
Hektar haben soll. Damit sollen die Voraussetzungen für
den Erhalt der in Schleswig-Holstein vom Aussterben
bedrohten Trauerseeschwalbe verbessert werden. Außerdem
diene die Erweiterung dem Schutz von Wiesenvögeln wie
Uferschnepfe und Kiebitz, berichtet das Umweltministerium.
Eider-Treene-Sorge-Region
In der
Eider-Treene-Sorge-Region hatte die Kommission eine
Verbindung von Teilbereichen des bestehenden
Vogelschutzgebietes entlang der Treene beziehungsweise im
östlichen Kernbereich durch die Einbeziehung der
dazwischen liegenden Flächen gefordert. Der entsprechende
Erweiterungsvorschlag hat eine Fläche von insgesamt rund
5.200 Hektar. Zusammen mit den bereits gemeldeten Teilen
umfasst das Vogelschutzgebiet Eider-Treene-Sorge-Niederung
dann eine Fläche von etwa 14.800 Hektar. Die neu
hinzukommenden Flächen besitzen laut Ministerium eine
große Bedeutung als Nahrungsgebiet für die
Weißstorchpopulation und für die hier überwinternden
Zwergschwäne. Darüber hinaus seien die
Erweiterungsflächen wichtige Brutgebiete für
Uferschnepfe, Kiebitz und Großen Brachvogel.
Zur Vorgeschichte
Die Debatte
um die Schutzgebietsausweisung an der Westküste wird seit
Jahren kontrovers geführt. Die alte rot-grüne Koalition
wollte ursprünglich einen Großteil der 30.000 Hektar
großen Halbinsel Eiderstadt zur Vogelschutzfläche
erklären. Das Argument: Hier leben fünf Vogelarten, die
auf der EU-Schutzliste stehen. Grundlage war das 1992
beschlossene Programm „Natura 2000", in dem sich
die Mitgliedsstaaten der EU verpflichtet haben,
Naturschutzgebiete im Sinne der „Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie
(FFH) und der Vogelschutz-Richtlinie auszuweisen.
Damit hatte
Rot-Grün aber massive Proteste der ansässigen Landwirte
auf sich gezogen. Sie befürchten hierdurch
wirtschaftliche Nachteile. Die CDU hatte diese Proteste
unterstützt. Nach dem Regierungswechsel 2005 hat der neue
CDU-Umweltminister Christian von Boetticher statt der
geplanten 19.800 Hektar auf der Halbinsel nur noch 2.700
Hektar als Vogelschutz-Gebiet an die EU gemeldet. Dies, so
die EU-Kommission, entspreche nicht den von Deutschland
eingegangenen Verpflichtungen.