Hilfspaket für
Kleinstbetriebe im Plenum umstritten
Kiel (SHL/20.05.) Mit
Skepsis haben die Oppositionsfraktionen auf verschiedene
Vorschläge der Koalition reagiert, wie für Schleswig-Holsteins
Kleinstunternehmen bürokratische Hürden abgebaut werden können.
CDU und FDP fordern eine dauerhafte Festschreibung der
Kleinbeihilfen sowie eine Streichung der Jahresabschlusspflicht.
Außerdem sollen die von der Bundesregierung hoch gesetzten
Schwellenwerte bei der Vergabe öffentlicher Aufträge über das
Jahresende 2010 hinaus bestehen bleiben. Bei diesen drei
Vorstößen, die zur Beratung an den Wirtschafts- und an den
Finanzausschuss überwiesen wurden, setzt die Koalition auf die
Unterstützung und die Initiative der Landesregierung, da für
jede einzelne Maßnahme entweder die Zustimmung des Bundes oder
der EU erforderlich ist.
Als Kleinstunternehmen gelten Betriebe, die nicht
mehr als zehn Personen beschäftigen, eine Bilanzsumme von
höchstens 500.000 Euro aufweisen und einen Jahresumsatz von
weniger als eine Million Euro erzielen.
Während Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU)
die geforderten Maßnahmen als notwendige Schritte zur Erhaltung
und Schaffung von Arbeitsplätzen lobte, hagelte es von Seiten der
Opposition Kritik. Die SPD wandte sich gegen die Abschaffung der
Bilanzierungspflicht, da diese die
Voraussetzung für eine vernünftige Bonitätsprüfung sei. Die
geplante Verlängerung der hoch gesetzten Schwellenwerte bei der
Vergabe öffentlicher Aufträge bezeichnete die Sozialdemokratin
Regina Poersch gar als „Korruptionsförderungsgesetz".
Diskussion um freihändige Vergabe
Auch Grüne und SSW warnten in diesem Zusammenhang
vor möglicher Vetternwirtschaft. Bei der sogenannten
freihändigen Vergabe, die nicht an eine Ausschreibung gebunden
ist, liegt der Wert zurzeit bei 100.000 Euro (statt zuvor 30.000),
bei beschränkten Ausschreibungen gilt eine Million Euro als
Grenzwert – anstatt 100.000. Diese Praxis möchte Schwarz-Gelb
über das Jahresende 2010 hinaus verlängern.
Kritisch wurde vom SSW auch eine
Frist-Verlängerung für die Gewährung von Kleinbeihilfen über
den 31. Dezember hinaus gesehen. Hier würde aus einer
vorübergehenden Maßnahme zur Bekämpfung der Krise eine
dauerhafte Subvention für Unternehmen. Hintergrund: Derzeit
können Beihilfen bis zu einem Höchstbetrag von 500.000 Euro auch
ohne EU-Genehmigung an Unternehmen in allen Zweigen der
Wirtschaft, außer im Fischereisektor und in der Landwirtschaft,
vergeben werden.
Die Linken warfen der Union und den Liberalen vor,
mit ihren Vorschlägen reine Klientelpolitik zu betreiben.
Hauptredner:
Jens Magnussen (CDU), Regina Poersch (SPD), Christopher Vogt
(FDP), Andreas Tietze (Grüne), Björn Thoroe (Linke), Lars Harms
(SSW)