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Bildungsminister
verteidigt Erhöhung der Pflichtstundenzahl für Lehrer
Opposition: Es
herrscht Wut, Frust und blankes Entsetzen
Kiel (SHL/20.5.) Es bleibt dabei:
Lehrer an Regional-, Gemeinschafts- und Berufsschulen sowie an Gymnasien
müssen in Schleswig-Holstein ab dem kommenden Schuljahr im Schnitt eine
Stunde mehr pro Woche arbeiten. Bildungsminister Ekkehard Klug (FDP)
verteidigte angesichts der dramatischen Haushaltslage die im April
beschlossene Anhebung der Pflichtstundenzahl. Ein Antrag der Opposition,
einen ursprünglich veröffentlichten Erlass, der keine wesentliche
Erhöhung vorsah, wieder einzuführen, lehnten CDU und FDP ebenso ab wie
einen Antrag der Grünen für ein neues Arbeitszeitmodell, bei dem auch
die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts angerechnet wird. Als
Ausgleich für die Mehrbelastung kündigte der Bildungsminister eine
neue Regelung zur Altersregelung an. Künftig sollen Lehrer nicht mehr
nur nach dem 58. Lebensjahr, sondern auch ab dem 60. und ab dem 63.
Lebensjahr jeweils eine Stunde weniger unterrichten dürfen.
Der Minister hatte seinen ursprünglichen
Pflichtstundenerlass vom 31. März im Bildungsausschuss einen Tag
später zurückgenommen und die Korrektur mit der
Unterrichtsstunden-Erhöhung mit einer Empfehlung der
Haushaltsstrukturkommission begründet. Somit steigt ab dem kommenden
Schuljahr die Unterrichtsstundenzahl für Lehrer an Regional- und
Gemeinschaftsschulen auf 27 Wochenstunden, für Berufs- und
Gymnasiallehrer auf 25,5 Stunden. Gleichzeitig sinkt die
Wochenstundenzahl für Hauptschullehrer um 30 Minuten, für
Grundschullehrer ändert sich nichts. Grüne, SPD, SSW und Linke
kritisierten im Einklang mit Gewerkschaften: Die Belastung der Lehrer
hat die oberste Grenze erreicht.
SPD: Landesregierung betreibt „Behördensatire"
„Die Schullandschaft ist in Aufruhr. Es herrscht Wut,
Frust und blankes Entsetzen", stellte Ines Strehlau (Grüne) fest.
Detlef Buder (SPD) sprach angesichts der kurzfristigen Rücknahme des
Erlasses von einer „Behördensatire". Und während Lars Harms
(SSW) meinte, „nach den Umwälzungen in der Schullandschaft in den
vergangenen Jahren ist es das falsche Signal, die Lehrer als Belohnung
für ihre Mehrarbeit auch noch mit zusätzlichen Stunden zu
belasten", forderte Ellen Streitbörger von der Linken: Die
Pflichtstundenzahl müsse grundsätzlich für alle Lehrer auf 24
Wochenstunden begrenzt werden.
Koalition: Auch die Lehrer müssen ihren Beitrag
Minister Klug, Heike Franzen (CDU) und Cornelia Conrad
(FDP) betonten hingegen, es gehe kein Weg an Einsparungen vorbei. Auch
die Lehrer müssten einen zumutbaren Beitrag leisten, um die schwierige
Haushaltslage des Landes zu bewältigen. Der ursprüngliche Erlass
hätte 300 Planstellen mehr gekostet, die nicht zu finanzieren gewesen
wären, meinte Cornelia Conrad. Die jetzige Pflichtstundenzahl
orientiere sich am Bundesdurchschnitt. „Wir können nicht weniger
Stunden anregen, wenn wir Finanzhilfen von anderen Bundesländern in
Anspruch nehmen wollen", machte Ekkehard Klug deutlich. Und Heike
Franzen meinte: „Der Erlass ist ehrlich."
Hintergrund:
Die Grünen schließen sich den Protesten der GEW gegen
die neuen Arbeitszeitregelungen für Lehrer an und fordern
ein komplett neues Arbeitszeitmodell.
Hintergrund
ist die Ankündigung des Bildungsministeriums aus dem
April, wonach Lehrer an Regional- und Gemeinschaftsschulen
ab dem neuen Schuljahr durchgehend 27 Wochenstunden
unterrichten sollen. Das ist entgegen ursprünglicher
Pläne eine Stunde mehr. Bei Gymnasial- und
Berufsschullehrern erhöht sich die Zahl der
Pflichtstunden ebenfalls um eine auf 25,5. Das Ministerium
begründet dies mit der dramatischen Haushaltslage. Zudem
orientiere sich die Zahl von 25,5 Wochenstunden an
Gymnasien und Berufsschulen am Durchschnitt der
Bundesländer.
Orientierung an Leistung und Zeitbedarf gefordert
Hiergegen
regt sich scharfer Protest seitens der Lehrer. Die
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) plant am 3.
Juni Arbeitsniederlegungen. Auch die Grünen im Landtag
halten die höhere Pflichtstundenzahl „angesichts der
steigenden Herausforderungen und der hohen Beanspruchung
vieler Lehrkräfte" für ein „falsches
Signal".
Sie fordern
stattdessen ein neues Arbeitszeitmodell, „das sich an
den tatsächlichen Leistungen und Zeitbedarfen
orientiert". Dies müsse zum Beispiel das Engagement
der Lehrer außerhalb des Unterrichts und die
unterschiedliche Belastung in den verschiedenen
Schulfächern einbeziehen. Solche Modelle gebe es bereits
in Dänemark und Hamburg. Stattdessen halte die
Landesregierung aber an der „umstrittenen
Unterscheidung" der Schulformen fest, kritisieren die
Grünen.
Vorherige
Debatte zum Thema: plenum-online Juli
2007
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