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Opposition macht Front
gegen mögliche UK S-H-Privatisierung
Koalition hält sich
bedeckt / Konkrete Pläne erst in der nächsten Woche
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Kiel (SHL/20.05.) Die
Opposition im Landtag hat eindringlich vor einer Privatisierung des
Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UK S-H) gewarnt. Der
Grund: Schwarz-Gelb denkt darüber nach, einen privaten
Investor ins Boot zu holen, um so den Sanierungsstau in Höhe von
700 Millionen Euro abzubauen. Dies wäre ein Schlag ins Gesicht der
Mitarbeiter des Großklinikums, warnten SPD, Grüne, Linke und SSW.
Denn: Die über 10.000 Beschäftigten in Kiel und Lübeck hätten in
den letzten Jahren durch Mehrarbeit und Lohnverzicht einen großen
Beitrag zur finanziellen Gesundung des UK S-H geleistet. Zudem zeige
die Erfahrung aus anderen Bundesländern, dass die
Patientenversorgung leide, wenn private Renditeinteressen den
Vorrang hätten. CDU und FDP gaben sich bedeckt.
Eine Woche bevor die Koalition ihre Sparpläne
verkünden will, hieß es in einer über zweistündigen Debatte bei
Christdemokraten und Liberalen lediglich: Es dürfe keine „Denkverbote"
geben, und Privatisierungen seien nicht grundsätzlich „Teufelszeug".
Wissenschaftsminister Jost de Jager (CDU) erinnerte an den großen
Sanierungsbedarf und fragte: „Wie gelingt die bauliche Sanierung,
wenn die öffentlichen Mittel dafür nicht zur Verfügung
stehen?" Der CDU-Sozialpolitiker Werner Kalinka zeigte sich
hingegen skeptisch, ob „die Privatisierung der alleinige Weg
ist". Pflegekräfte bräuchten für ihre verantwortungsvolle
Arbeit gute Rahmenbedingungen, so Kalinka.
Spitzenpolitiker und Schuldzuweisungen
FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki warf den
Sozialdemokraten vor, den Kostendruck während ihrer Regierungszeit
verursacht zu haben: „Wir müssen den Müll, den Sie aufgetürmt
haben, abbauen", sagte Kubicki in Richtung von
SPD-Fraktionschef Ralf Stegner. Der Sozialdemokrat ging wiederum
Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hart an. Der
Regierungschef habe den Mitarbeitern in der Vergangenheit stets
sichere Arbeitsplätze versprochen. Dies gelte nun nicht mehr. „Das
einzige worauf man sich bei Ihnen verlassen kann, ist dass Sie
früher oder später ihr Wort brechen", so Stegner an
Carstensens Adresse.
Flemming Meyer (SSW) befürchtete, dass die
Universität Lübeck „mit der Gefährdung des dortigen
Uni-Klinikums in existenzielle Not" geraten könnte. Denn: Mit
der Übernahme durch einen privaten Käufer läge auch die
Entscheidung über die Zukunft des Lübecker Medizinstudiums in
dessen Hand. Die finanzielle Genesung des Uni-Klinikums, das dieses
Jahr erstmals mit einer „Schwarzen Null" abschließen will,
belegt nach Auffassung des Grünen-Abgeordneten Andreas Tietze: „Auch
öffentliche Träger können gut wirtschaften." Fest steht: Bis
März 2015 wird die Krankenversorgung am UK S-H in öffentlicher
Hand bleiben. Bis dahin läuft der Haustarifvertrag.
Opposition kritisiert Vergabeverfahren
Ein weiteres Thema der emotionalen Aussprache war
die umstrittene Vergabe eines Wäscherei-Großauftrags des UK S-H an
eine Rostocker Firma. Dieses Unternehmen zahle „Dumping-Löhne",
so die Opposition, und habe dadurch die Konkurrenz in Glückstadt
bei der Ausschreibung ausgestochen. Konsequenz: In Glückstadt
stehen 120 Mitarbeiter vor der Entlassung. Ranka Prante von den
Linken, die das Thema auf die Tagesordnung gesetzt hatten, warf dem
Klinikvorstand und auch der Landesregierung in dieser Sache „Scheinheiligkeit"
vor und forderte: „Schützen Sie die schleswig-holsteinischen
Arbeitnehmer!"
Auch SPD und Grüne warben angesichts dieses Falls
für einen gesetzlichen flächendeckenden Mindestlohn. Demgegenüber
verteidigte Minister de Jager die Auftragsvergabe: Öffentliche
Unternehmen seien an Vergaberegeln gebunden. „Schleswig-Holsteinische
Unternehmen zu bevorzugen, wäre rechtswidrig", so de Jager.
Der Wirtschafts- und der Sozialausschuss beraten das
Thema weiter.
Weitere Hauptredner:
Daniel Günther (CDU), Kirstin Funke (FDP), Antje Jansen (Linke)