Notlage der Kieler Lindenau-Werft beschäftigt den Landtag
Minister sagt Hilfe der Regierung zu
Kiel (SHL/20.05.) Die
Schieflage der Kieler Lindenau-Werft hat im Landtag einen Streit
über das Verhalten der HSH Nordbank ausgelöst. „Dass das
Kreditinstitut sich aus der Finanzierung des für die Werft
überlebenswichtigen Auftrages zurückgezogen hat, ist ein
Skandal", meinte Anette Langner, deren SPD-Fraktion eine
Debatte über die Maritime Wirtschaft am "Europäischen Tag der
Meere" angestoßen hatte. CDU, FDP und Wirtschaftsminister Jost
de Jager (CDU) betonten, das Risiko-Kreditgeschäft sei
Aufgabe der Bank und nicht der Politik.
„Wir dürfen die Sorge um Arbeitsplätze nicht zum
Zankapfel machen", warnte Minister de Jager, nachdem sich
sowohl Grüne als auch Linke der Kritik von Langner angeschlossen
hatten. Der Minister versicherte, die Regierung unternehme alles, um
der Werft zu helfen. So soll am Freitag ein so genanntes
Finanzierungsgespräch unter anderem mit dem Insolvenzverwalter von
Lindenau im Wirtschaftsministerium stattfinden.
Hintergrund: Der Lindenau-Werft droht trotz beabsichtigter
Entlassungen das finanzielle Aus, falls ein dringend benötigter
Kredit ausbleibt. Die HSH Nordbank hatte die Finanzierung von neun
Millionen Euro für den einzigen Neubauauftrag der Werft – einen
Doppelhüllentanker – vorläufig abgelehnt. Das Geld ist in Zeiten
der weltweiten Wirtschaftskrise für einen Neustart nötig. Nach 20
Monaten im Insolvenzverfahren werden 156 Mitarbeiter entlassen, 95
weitere sowie zehn Auszubildende sollen über den hinaus aber
weiterarbeiten.
Die grundsätzliche Bedeutung der Werftindustrie
für die Wirtschaft des Landes stand indes im Plenum außer Zweifel.
CDU und FDP setzten schließlich einen Antrag durch, der die
Landesregierung unter anderem auffordert, sich bei der
Bundesregierung für mehr Unterstützung der Werften einzusetzen.
Abgelehnt wurde dagegen ein Antrag der SPD. Darin wurde die
Landesregierung aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass der Bund
seine Hilfen ausbaut – etwa durch zinsgünstige Kredite für
Reeder bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau, durch von Aufträgen
unabhängigen Innovationsbeihilfen oder durch eine
"Abwrackprämie" zur Verschrottung alter und
umweltschädlicher Schiffe.