Uni Flensburg: Keine
Rückstufung – aber Kürzungen wahrscheinlich
Wie "ungezogene Kinder": Abgeordnete der
Liberalen provoziert die Opposition

Fast die gesamte Opposition im Landtag
verlässt den Plenarsaal,
nachdem Katharina Loedige (FDP), „der linken Seite" des
Hauses vorgeworfen hatte, wie „ungezogene Kinder"
aufzutreten
Kiel (SHL/21.05.) Die
Universität Flensburg wird nicht auf den Status einer
Pädagogischen Hochschule zurückgestuft, muss aber mit dem
Verlust von Studiengängen rechnen. Wissenschaftsminister Jost de
Jager (CDU) bezeichnete Berichte über eine mögliche Abwertung
der Grenz-Uni im Landtag als „Unsinn". Konkretes will die
Koalition aber erst am nächsten Mittwoch vorlegen, wenn das mit
Spannung erwartete Ergebnis der Haushaltsstrukturkommission der
Öffentlichkeit vorgestellt wird. Die Opposition reagiert empört
– wegen der möglichen Kürzungen im Hochschulbereich und wegen
der Weigerung der Regierung, zum jetzigen Zeitpunkt ihre Pläne
zur Diskussion zu stellen.
Auf der Streichliste stehen Berichten zufolge die
Wirtschaftswissenschaften in Flensburg. Das deutete auch Minister
de Jager an. Er verwies darauf, dass die Uni laut eigener Aussage
Probleme habe, ihre Aufgaben zu erfüllen. Dies könne nun dazu führen,
so der Minister, dass „weniger Aufgaben" am Standort
Flensburg wahrgenommen würden.
Opposition will Fachgutachten abwarten
SPD, Grüne, Linke und SSW forderten Schwarz-Gelb
auf, mit der Umstrukturierung der Nord-Uni zumindest bis zum
Herbst zu warten, wenn das Fachgutachten der
"Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen" über die
Hochschule vorliegt. Die Koalition habe offenbar Sorge, argwöhnte
der SSW-Abgeordnete Lars Harms, dass das Gutachten ein anderes
Ergebnis bringt als von der Landesregierung gewünscht. Auch
Martin Habersaat (SPD) warf dem Minister vor, er verfahre nach dem
Motto: „Was interessiert ein Gutachten, wenn ich eine Meinung
habe."
Rasmus Andresen (Grüne) betonte, „nichts wäre
dümmer als die Wirtschaftswissenschaften in Flensburg zu
streichen". Denn: „Die Wirtschaftswissenschaften an der
Universität arbeiten äußerst erfolgreich." Und Anke
Spoorendonk (SSW) befürchtete eine „Abkoppelung des gesamten nördlichen
Landesteils von der Bildung insgesamt". Flensburg werde
„wohl nicht der letzte Hochschulstandort sein, der wegen der
Schuldenbremse geschliffen wird", befürchtete Björn Thoroe
(Linke).
FDP-Politikerin sorgt für Eklat
Die Koalitionsabgeordneten verwiesen erneut auf
die angespannte Haushaltslage und auf die erst vor zwei Tagen in
der Landesverfassung verankerte Schuldenbremse. Daniel Günther
(CDU) erklärte, auch der Bildungsbereich könne „von einer
kritischen Überprüfung nicht ausgeschlossen werden". Und
Kirstin Funke (FDP) ergänzte, es dürfe auf dem Weg zu einer
gesunden Landeskasse „keine Denkverbote" geben.
Für Empörung bei der Opposition sorgte die
FDP-Abgeordnete Katharina Loedige, die „der linken Seite"
des Hauses vorwarf, wie „ungezogene Kinder" aufzutreten.
Fast alle Oppositionspolitiker verließen daraufhin den
Plenarsaal.
Die Diskussion über die Hochschullandschaft wird
im Bildungsausschuss fortgesetzt.