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Streit um
Atomkraftwerke: Safety first?
Opposition wirft Rot-Grün Panikmache vor
Kiel (lno/SHL). Im Konflikt um den Schutz der Atomkraftwerke vor
Terror-Aattacken aus der Luft plädiert die schleswig-holsteinische
Reaktorsicherheitsbehörde für ein vorzeitiges Abschalten älterer
Anlagen. Dazu gehört das AKW Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen). Dafür
sollten die Strommengen auf jüngere Reaktoren übertragen werden,
sagte Sozialministerin Heide Moser (SPD) am Donnerstag, 11. März
2004, im Landtag. Je älter eine Anlage sei, desto größer seien die Schutzdefizite. Dies
hätten die Überprüfungen gezeigt, die nach den Anschlägen vom 11.
September 2001 vorgenommen wurden. Es gehe aber um abstrakte Risiken.
Moser bekräftigte die Aufforderung an das Bundesumweltministerium,
bundeseinheitliche Schutzstandards festzulegen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Martin Kayenburg warf besonders dem Bund
Taten- und Konzeptionslosigkeit vor. Nach seiner Ansicht wäre auch
bei einem Anschlag auf das AKW Brunsbüttel (Foto)
die Bevölkerung nicht gefährdet. Auch nach Ansicht von FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki
betreibt Rot-Grün in Berlin und Kiel keine verantwortungsvolle Gefahrenabwehr, sondern Panikmache.
Unter dem Mantel der terroristischen Bedrohung wolle Rot-Grün
seine energiepolitischen Überzeugungen durchsetzen.
SPD, Grüne, SSW:
Brunsbüttel vorzeitig still legen
Es gehe nicht um
Panikmache, sondern um eine Neubewertung der Gefährdungslage wiesen
SPD und Grüne die Vorwürfe der Opposition zurück. Bei den Kraftwerken Krümmel und Brokdorf
sei die Wahrscheinlichkeit für eine Freisetzung von Radioaktivität auf Grund
eines Flugzeugabsturzes sehr niedrig, meinte der SPD-Abgeordnete
Wilhelm Malerius unter Hinweis auf Betreiber-Analysen. Der Reaktor in
Brunsbüttel sei nicht so gut gerüstet, weil er früher gebaut wurde.
"Kein Atomkraftwerk in Deutschland ist auf terroristische Attacken
aus der Luft ausgelegt", sagte der Grünen-Abgeordnete Detlef
Matthiessen. Wie auch der SSW-Abgeordnete Lars Harms sprachen sich
die Politiker dafür aus, Brunsbüttel vorzeitig still zu legen.
Gefordert sei jetzt ein Untersuchungsbericht; danach müsse die
Bundesregierung unverzüglich Verhandlungen mit den Betreibern
aufnehmen, um die am meisten gefährdeten Anlagen vorzeitig vom Netz
zu nehmen.
Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte empfohlen, die älteren
Kraftwerke Biblis A, Philippsburg I, Obrigheim, Isar I und Brunsbüttel abzuschalten, weil sie nicht ausreichend gegen Angriffe
mit entführten Passagierflugzeugen geschützt seien. Nach dem Konsens
zum Ausstieg aus der Atomenergie soll Brunsbüttel bis 2009 am Netz bleiben.
Der Bericht der Ministerin wurde zur weiteren Beratung an die
Ausschüsse für Soziales, Umwelt und Wirtschaft überwiesen.
Hintergrund:
Das Bundes-Umweltministerium hat
Anfang des Monats den deutschen Kernkraftwerksbetreibern
vorgeworfen, ihre Anlagen nicht ausreichen gegen
terroristische Angriffe aus der Luft zu schützen. Das
Ministerium stützt sich dabei auf ein Gutachten der
Gesellschaft für Reaktorsicherheit. Hierin wird das Konzept,
Atommeiler durch künstlichen Nebel gegen einen Angriff mit
entführten Passagiermaschinen in der Art des 11. September
2001 zu schützen, als nicht ausreichend bezeichnet. Zuvor
hatte das Bundesamt für Strahlenschutz mit Hinweis auf die
Terrorgefahr empfohlen, fünf ältere Reaktoren vom Netz zu
nehmen, darunter Brunsbüttel an der Elbmündung. Die
Kraftwerksbetreiber weisen die Vorwürfe zurück.
Die für Reaktorsicherheit verantwortlichen
Landesministerien zeigten sich verwundert von der Kritik aus
Berlin. Das in Schleswig-Holstein zuständige
Sozialministerium forderte den Bundesumweltminister auf,
konkrete Sicherheitskonzepte vorzulegen.
Vor dem Hintergrund dieser Debatte fordern FDP und SSW
im Landtag einen Regierungsbericht zum Schutz von
Nuklearanlagen.
mehr
Informationen: Gesellschaft
für Anlagen und
Reaktorsicherheit mbH
(www.grs.de)
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