Auf dieser Seite: Lesekultur Jugend  -  Unterrichtsversorgung

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Top 13: 
Förderung der Lesekultur von Kindern und Jugendlichen in Schleswig-Holstein
Antrag der Abgeordneten des SSW

Drucksache: 15/3274
-Plenarprotokoll-
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Top 09: 
Stufenplan für Unterrichtsversorgung
Antrag der Fraktion der CDU
Antrag der Fraktionen von SPD und B´90/Grüne - Drs. 15/3290
Drucksache: 15/3258
-Plenarprotokoll-
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Landtag schlägt Alarm:
Der Jugend mangelt es an Lesekultur 

Kiel (SHL). Die Landesregierung will sich verstärkt für die Lesekompetenz schleswig-holsteinischer Schüler einsetzen. Denn, so die öffentliche Feststellung des Landtages am Donnerstag, 11. März 2004: In Deutschland mangelt es an jugendlichen Leseratten; das Lesen als grundlegende Kulturtechnik müsse mehr gefördert werden. Das Plenum stützte sich dabei auf Studien wie PISA oder die internationale Lese-Untersuchung an Grundschulen (IGLU). Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) kündigte in einem vom SSW geforderten Bericht an, problemorientiert mit der Frage der Leseschwächen bei bestimmten Kindern umzugehen und die Lesekompetenz etwa durch Lehrerfortbildungen und die landesweite Organisation von Kinder- und Jugendbuchwochen verstärkt zu fördern. Gleichwohl stellte sie für Schleswig-Holstein fest: "Unsere 15-Jährigen liegen in Punkto Leselust deutlich über dem Bundesdurchschnitt".

Die Vorsitzende des SSW im Landtag, Anke Spoorendonk, forderte in der Debatte, nicht nur das Lesen außerhalb der Schule zu fördern. Da, so Spoorendonk, die meisten Kinder vor Schuleintritt mehr Lust hätten zu lesen, sei zu klären, wann und warum das Interesse am Lesen verloren gehe. Politik, Wirtschaft und Schulen müssten an einem Strang ziehen. Zudem müsse auch die Arbeit der Kindergärten gestärkt werden. Ulf von Hielmcrone (SPD) verwies darauf, dass rund zehn Prozent der 15-jährigen deutschen Schüler "funktionale Analphabeten" seien. Das heißt: Sie würden zwar die Buchstaben beherrschen, aber nicht die gelesenen Inhalte und Zusammenhänge verstehen. 

Uwe Greve (CDU) forderte eine Pflege der Lesekultur als zentrale politische Aufgabe sowie die Gründung eines deutschen Sprachinstituts zur Pflege der deutschen Sprache. Während der FDP-Abgeordnete Ekkehard Klug insbesondere an die "Bildungsgrundlagen" in den Familien und Kindertagesstätten appellierte, kritisierte die Grünen-Abgeordnete Angelika Birk die derzeit um sich greifenden Büchereischließungen.

Der Bericht der Landesregierung wurde einstimmig an den Bildungsausschuss überwiesen.

Hintergrund:
  Verschiedene Studien belegen, dass die Lesekompetenz und die Lust an der Lektüre bei vielen Kindern und Jugendlichen schwach entwickelt sind. So haben laut PISA-Studie 42 Prozent der 15-jährigen in Deutschland angegeben, überhaupt nicht zum Vergnügen zu lesen; 20 Prozent dieser Altersgruppe können Texte nicht richtig vorlesen beziehungsweise nicht richtig verstehen. Insbesondere Jungen greifen selten zum Buch. Laut der Grundschullese-Untersuchung IGLU werden in Deutschland rund zehn Prozent der Viertklässler mit zu geringer Lesefähigkeit auf eine weiter führende Schule geschickt. Die Stiftung Lesen bemängelt, dass nur 15 bis 20 Prozent der Schulen in Deutschland über eine eigene Schulbibliothek verfügen. 
  Vor diesem Hintergrund fordert der SSW die Landesregierung auf, einen Bericht über ihre Maßnahmen zur Förderung des Lesens in Schleswig-Holstein und über die Umsetzung der Bund-Länder-Aktion "Lesen in Deutschland" vorzulegen.

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Streit um Unterrichtsversorgung
Opposition und Koalition streiten um Statistiken

Kiel (SHL). Die Schulpolitik hat am Donnerstag, 11. März 2004, erneut zu einem harten Schlagabtausch im Landtag geführt. Die Landesregierung sei ein "bildungspolitischer Versager", so der Vorwurf der Opposition im Hinblick auf die Unterrichtsversorgung an den Schulen im Land. Rot-Grün und SSW hingegen sahen die Regierung im Kampf gegen den Unterrichtsausfall auf einem guten Weg. Mit ihren Stimmen wurde ein Antrag von SPD und Grünen angenommen, der die Landesregierung auffordert, die" Verlässliche Grundschule" bis zum Schuljahr 2007/2008 flächendeckend einzuführen. Außerdem soll die Kooperation der Schulen ausgebaut werden, um angesichts sinkender Schülerzahlen die vorhandenen Mittel effizienter einzusetzen. 

Abgelehnt wurde dagegen ein nur von den Liberalen unterstützter Antrag der CDU, mit dem gefordert wurde, die Zahl der Unterrichtsstunden in Schleswig-Holstein schrittweise an den Bundesdurchschnitt anzupassen. Das hätte quasi der Einführung verbindlicher Stundentafeln für das Land entsprochen, wie die Elterninitiative "Bildungswüste Grundschule" in einer Volksinitiative gefordert hatte. (siehe auch Meldungen)

Im Vergleich zu anderen Bundesländern bekämen Schleswig-Holsteins Schüler 8,3 Prozent weniger Stunden; bei Grund- und Hauptschulen lägen die Defizite bei 9,6 beziehungsweise 13,2 Prozent, kritisierte Sylvia Eisenberg (CDU). Das sei ein strukturelles Defizit, an dem auch die Verlässliche Grundschule nichts ändere. Dies führe nur dazu, dass die Kinder länger an der Schule verweilten, nicht jedoch mehr Unterricht bekämen. Landesweit fehlten 1.200 Lehrerstellen, um die Versorgung an den Bundesdurchschnitt heran zu führen, so Eisenberg. Das größte "Fehl" gebe es an den Hauptschulen, kritisierte der FDP-Abgeordnete Ekkehard Klug: Bei denjenigen Schülern, die am meisten der Förderung bedürften, sei das Defizit am größten. Vor diesem Hintergrund sei die Klage von Rot-Grün über die soziale Ungleichverteilung der Bildungschancen "arg heuchlerisch".

SPD lehnt "Mengendiskussion" ab

Die Opposition mache es sich zu einfach, wenn sie nur eine "Mengendiskussion" führe, "wie wir denn möglichst viel Unterricht in das Kind hinein bekommen", entgegnete Henning Höppner (SPD). Bei den Lehrern pro Schüler liege Schleswig-Holstein im Bundesdurchschnitt weit vorne. Grund für das Stundendefizit sei die kleinteilige Schulstruktur in Schleswig-Holstein. "An kleinen Schulen ist eine verbindliche Stundentafel nicht finanzierbar", so Höppner. Das Unterrichtsvolumen sei ein wichtiger, aber nicht der einzige Parameter, argumentierte auch Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD). Schleswig-Holstein gebe pro Schüler jährlich 4.600 Euro aus - deutlich mehr als im CDU-regierten Hessen oder Baden-Württemberg.

Die Unterrichtsversorgung unabhängig von der Klassengröße zu diskutieren, sei unseriös, pflichtete Angelika Birk (Grüne) ihren Vorrednern bei. Die Landesregierung habe zudem eine ganze Reihe von Programmen gegen den Unterrichtsausfall aufgelegt, wie "Jede Stunde zählt", die Verlässliche Grundschule sowie die Initiative "Geld statt Stellen". Auch Anke Spoorendonk (SSW) sah in verbindlichen Stundentafeln keine Universallösung. So sei es beispielsweise unter Umständen sinnvoll, der einen Grundschulklasse mehr Unterricht in Mathematik zu geben, der anderen mehr Deutsch. Feste Stundentafeln würden das verhindern. Sie forderte ihre Parlamentskollegen auf, "weiter und flexibler" zu denken.

Hintergrund:
  Die Elterninitiative "Bildungswüste Grundschule" fordert im Rahmen einer Volksinitiative, an Schleswig-Holsteins Schulen verbindliche Stundentafeln einzuführen. Die Initiatoren beklagen, im Lande würden überdurchschnittlich viele Unterrichtsstunden ausfallen.
  Für ihr Anliegen haben die Initiatoren über 20.000 Unterschriften gesammelt. Damit wird das Anliegen der Initiative gemäß Artikel 41 Satz 1 der Landesverfassung Thema im Landtag. Stimmt das Parlament diesem Anliegen nicht zu, haben die Antragsteller im Rahmen eines Volksbegehrens sechs Monate Zeit, um einen Volksentscheid herbeizuführen. Dazu sind die Stimmen von fünf Prozent der Wahlberechtigten (rund 100.000 Unterschriften) nötig.
  Es ist jedoch juristisch umstritten, ob das Anliegen der Elterninitiative in Einklang mit Artikel 41 Satz 2 der Landesverfassung steht. Dieser Passus untersagt Volksinitiativen den Zugriff auf den Landeshaushalt. Das Bildungsministerium führt an, die Umsetzung der Initiative würde die Einrichtung von insgesamt 1.227 Planstellen nötig machen, die mit rund 53 Millionen Euro jährlich zu Buche schlagen würden. Damit, so das Argument der Kritiker, greife die Initiative in die Haushaltshoheit des Landtags ein.
  Angesichts der vom Bildungsministerium vorgelegten Zahlen greift die CDU das Ziel der Initiative auf und fordert die Landesregierung auf, die Unterrichtsversorgung im Lande an den Bundesdurchschnitt anzupassen. Die Landesregierung hält dagegen, Schleswig-Holstein habe sehr geringe Klassengrößen. Deswegen sei der Unterricht im Lande höherwertiger als anderswo.

mehr Informationen: "plenum-online", August 2003
(www.sh-landtag.de/plenumonline/august2003/texte/
10_31_unterrichtsversorgung_situation.htm)
"plenum-online", September 2004
(www.sh-landtag.de/plenumonline/september2003/texte/
11_46_lehrerfotbildung_unterricht.htm)

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