Kiel (SHL). Der Ausbau der regenerativen Energien, die
Steigerung der Kraftwerk-Effizienz zum Beispiel durch
Kraft-Wärme-Kopplung und weitreichende Energieeinsparungen - dies
sind die Schlagworte mit denen die Landsregierung den
Energie-Sektor in Schleswig-Holstein fit für die Zukunft machen
will.
Das umriss Wirtschafts- und Energieminister Bernd Rohwer am
Donnerstag, dem 11. März 2004, in einem von der CDU-Fraktion
geforderten Bericht. Während Rot-Grün und SSW den Kurs der
Landesregierung als zukunftsweisend lobten, kritisierte die
Opposition insbesondere den Ausstieg aus der Kern-Energie und die
in ihren Augen unverhältnismäßige Subventionierung der
Windbranche.
Hintergrund: Die Energie-Erzeugung in Deutschland steht vor
einem grundlegenden Umbruch. Auf Grund des so genannten
Atomkonsens sollen die Atom-Kraftwerke im Land bis 2020
abgeschaltet werden. Gleichzeitig hat sich Deutschland zur Senkung
des Ausstoßes an klimaschädlichen Treibhaus-Gasen verpflichtet.
Zudem muss ein großer Teil der konventionellen Kraftwerke ersetzt
werden; insgesamt ist bundesweit rund ein Drittel der gesamten
Kraftwerks-Leistung zu ersetzen. Weitere Neuerung: Für den
Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid werden neue Emissionsrechte
vergeben, mit denen auch gehandelt werden darf: Wer mehr CO2
verbraucht, kann Verschmutzungsrechte hinzu kaufen, wer Energie
spart, kann verkaufen und so an dem neuen Emissionshandel
verdienen.
Energie-Mix soll Versorgung langfristig sichern
Die Landesregierung werde die Förderung alternativer Energien
weiterhin konsequent fortsetzen, so Rohwer. Als
Ziel proklamierte er, mit einem Energie-Mix die Versorgung
langfristig umweltverträglich und zu günstigen Preisen zu
sichern. Diese lägen auch derzeit unter dem Bundesdurchschnitt.
Von 1993 bis 2001 stieg der Gesamt-Stromverbrauch im Norden von
1,15 Milliarden Kilowattstunden auf 1,32 Milliarden. Der Ausstoß
von Kohlendioxid soll bis 2010 um 15 Prozent im Vergleich zu 1990
gesenkt werden. Große Chancen biete
hier vor allem die Offshore-Technik, also der Bau von Windanlagen
auf hoher See. Daneben solle der Einsatz von Biomasse gesteigert
werden. Auch im Bereich der Kraft-Wärme-Kopplung nehme
Schleswig-Holstein eine Vorreiter-Rolle ein. Gleichwohl gestand
Rohwer ein, dass ein Teil der wegfallenden Atomkraftwerks-Leistung
durch konventionelle Kraftwerke ersetzt werden müsse. "Kohle muss kein Klimakiller
sein", sagte der Minister mit Blick auf neue moderne Kohle- und
Gastechnologien.
CDU: Rohwer am "Gängelband" der Grünen
Die Subventionierung regenerativer Energien sei der
Preistreiber Nummer 1, konterte Christel Aschmoneit-Lücke (FDP):
Steuern auf Strom – unter anderem durch das
Erneuerbare-Energien- und das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz –
seien im Berichtszeitraum (1995 bis 2004) um mehr als 43 Prozent
gestiegen. Trotzdem wolle Rot-Grün weiter dem "Steckenpferd
der Windpolitik nach hängen". Das mache weder ökonomisch
noch ökologisch Sinn: Bei der Modernisierung konventioneller
Kraftwerke ließen sich zu einem Bruchteil der Kosten gleich hohe
CO2-Einsparungen erzielen.
Rohwer bewege sich am "Gängelband" des grünen
Umweltministers, mutmaßte Trutz Graf Kerssenbrock (CDU). Schon
jetzt könne Deutschland seinen Energiebedarf kaum noch aus
eigenen Ressourcen decken. Ein Ausbau der Windkraft werde
herkömmliche Kraftwerke nicht ersetzen, weil für windstille Tage
Ersatzkraftwerke bereit gehalten werden müssten. Und: "Es müssten 170 000 Tonnen
CO2zusätzlich vermieden werden, weil
die Landesregierung die Kernkraftwerke abschalten will." Die
Folge seien weiter steigende Strompreise. Das vernichte
Arbeitsplätze in Deutschland. Zugleich werde Deutschland durch
den Ausstieg aus der Atomkraft die Klimaschutzziele des Protokolls
von Kyoto verfehlen, so Kerssenbrock.
Rot-Grün verteidigt Kurs des Ministers
Die atomare Option scheitere schon daran, dass die Ressourcen
an nutzbarem Uran höchstens noch 40 Jahre reichten, hielt Detlef
Matthiessen (Grüne) dagegen. Energie-Billigpreise werde es
– angesichts steigender Rohstoffpreise – künftig ohnehin
nicht mehr geben. Für ein Land wie Deutschland, das 74 Prozent
seines Energiebedarfs durch Importe decke, mache die ökologische
Energiewende daher auch aus Sicht der Wirtschaft Sinn. Schon jetzt
decke Schleswig-Holstein ein Viertel seines Energiebedarfs durch
Windkraft. Es gelte diesen Vorsprung an Know How zu nutzen, sagte
Mathiessen.
"Energie-Effizienz ist der Schlüssel zur Steigerung der
Wettbewerbsfähigkeit", stimmte Wilhelm Malerius (SPD) zu.
Schleswig-Holstein nehme in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle
an. So sei die Windkraft in Nordfriesland inzwischen eine
Boom-Branche. Wie andere Redner auch begrüßte er den geplanten
Ausbau des Off-Shore-Hafens in Husum. Vor dem Hintergrund des
künftigen EU-weiten Emissionshandels, zahle sich Energieeffizienz
doppelt aus, weil eingesparte CO2-Lasten gewinnbringend
verkauft werden könnten, argumentierte der SPD-Politiker.
Die Steuerpolitik müsse zum sparsamen Umgang mit Strom
anhalten, sagte Lars Harms vom SSW. Die Effizienzpotentiale seien
noch lange nicht ausgeschöpft. Im Bereich der regenerativen
Energien habe Schleswig-Holstein eine Führungsposition. Diese
gelte es zu erhalten und auszubauen, so Harms.
Der Bericht wurde zur abschließenden Beratung an die
Ausschüsse Umwelt und Wirtschaft überwiesen.