Abgelehnt
wurde konkret die auf Bundesebene derzeit diskutierte Überprüfung anhand der freigegebenen «Rosenholz»-Dateien über
Westspione der damaligen DDR-Staatssicherheit. Redner, die
den Antrag der Union ablehnten, kritisierten den Vorstoß als rechtlich
bedenklich, zumal kein konkreter Verdacht gegen Abgeordnete oder Mitglieder der
Regierung vorliege.
Hintergrund der Forderung – 13 Jahre nach Untergang der DDR
– ist die Rückgabe der so genannten Rosenholz-Dateien durch
den amerikanischen Geheimdienst CIA. Die auf 381 CD-ROMs
kopierten Stasi-Dokumente wurden von der Auslandsabteilung des
DDR-Geheimdienstes angelegt und enthalten die Namen von
Ausländern, die für die DDR spioniert haben, darunter
zahlreiche Westdeutsche. Seit 1950 waren das rund 12.000;
geschätzte 3.500 westdeutsche Spione hatte die Stasi zu
Wendezeiten 1989 noch verpflichtet. – In den Wirren der
letzten Tage der DDR waren die Dateien auf ungeklärte Weise in
die Hände der amerikanischen CIA gelangt.
Der Bundesrat hatte sich kürzlich mit der Mehrheit der
unionsgeführten Länder für eine generelle Überprüfung aller
Minister und Abgeordneten von Bund und Ländern ausgesprochen.
Bundesinnenminister Otto Schily lehnt den Stasi-Check hingegen
als "völlig überflüssig" ab.
Stimmen aus den Fraktionen:
Klaus Schlie (CDU): Es gibt aus unserer Sicht nicht den
Funken eines Verdachts gegen ein Mitglied unseres Hohen Hauses
oder der Landesregierung. Aber gerade deswegen sollte es eine
Selbstverständlichkeit sein, dass sich Politiker in Bund und
Ländern darauf überprüfen lassen. Das ist ein Akt der
politischen Hygiene.
Thomas Rother (SPD): Dass das Material von einem
Unrechtsregime unter Missachtung aller Bürgerrechte zusammen
getragen wurde, mit dem Ziel der Unterdrückung von politischen
Bewegungen und auch zur Begehung von Straftaten, wissen wir
auch. Und daher gibt es keine Garantie ob das, was da zusammen
getragen wurde, stimmig ist oder eben nur stimmig gemacht wurde.
Wolfgang Kubicki (FDP): Dieser Antrag der CDU bietet die
Möglichkeit, das rechtsstaatliche Verhältnis der
Christdemokraten zu hinterfragen. Generell gilt die
Unschuldsvermutung, erst nach einem konkreten Verdacht folgen
dann Ermittlungen. Dieses Prinzip dreht die Union mit ihrem
Antrag um.
Monika Heinold (B´90/Grüne): Die Daten wurden in den
USA von Hand in eine Suchmaske eingegeben. Hierbei entstanden
Tipp- und andere Fehler. Ich fürchte, hier soll nur eine
populäre Sau durchs Dorf getrieben werden. Richtige Aufklärung
ist etwas anderes.
Silke Hinrichsen (SSW): Der SSW unterstützt die
Stasi-Anfrage nur, wenn es um demokratische Aufklärung geht und
nicht um parteipolitische Schlammschlachten. Wir sollten uns
zuerst im Innen- und Rechtsausschuss darauf einigen, wie wir mit
den Daten umgehen wollen: Wenn wir uns hier nicht auf einen
gemeinsamen Weg einigen können, können wir das ganze
vergessen.
Innenminister Klaus Buß (SPD): Es wird keine Überprüfung aller
Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes geben. Einzelabfragen
wird es nur dann geben, wenn ein begründeter Verdacht besteht.
Das Verfahren betrifft auch die Staatssekretäre und die
Minister und Ministerinnen. Jedem einzelnen Abgeordneten steht
es völlig frei sich überprüfen zu lassen.