In den 288
Unternehmen der Branche haben im Vorjahr rund 19.500 Beschäftigte
gearbeitet. 1993 gab es noch 24.000 Arbeitsplätze.
Ein Grund für die Job-Verluste: Konzentrations-Prozesse auf dem
Markt wirken sich negativ aus. So wurden beispielsweise die
Zuckerfabriken in Schleswig und St. Michaelisdonn von der
Braunschweiger Firma "Nordzucker" übernommen und kurz
darauf geschlossen. "Nordfleisch"-Mitarbeiter in Lübeck
und Bad Bramstedt schauen mit Sorge auf die Übernahme ihrer
Betriebe durch die niederländische "Bestmeat".
Rohwer kritisiert Abwanderung nach Ostdeutschland
Angesichts dieses "starken Umbruchs" will Minister
Rohwer die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Betriebe erhalten. Er
verwies auf 45,25 Millionen Euro Landes-Förderung, mit denen über
1.000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden seien. Rohwer
kritisierte die Abwanderung der Produktion in die ostdeutschen
Bundesländer, wie es bei der neuen Großmolkerei in Upahl /
Mecklenburg-Vorpommern geschehen sei. Er forderte die
Bundesregierung und die EU auf, ihre Subventionen in diesem Bereich
abzubauen.
SPD und Grüne machten einen Trend zum Fast Food bei den
Konsumenten aus, der die Hersteller unter erheblichen Preisdruck
setze. Auch der Verdrängungswettbewerb der Discounter schade den
heimischen Betrieben. Dennoch gebe es auch positive Signale. So
seien Produkte aus Schleswig-Holstein qualitativ hochwertig und sehr
beliebt. Beleg hierfür: Die hohe Exportquote. Markenartikel aus dem
Norden fänden also immer noch Abnehmer, so das Fazit bei der
Koalition.
Opposition: Viele Qualitätssiegel verunsichern
CDU und FDP sprachen demgegenüber von einer
"Katastrophe". Der Umsatz der Branche sei in den letzten
zehn Jahren um 24 Prozent zurückgegangen. Ein Grund hierfür: Die
Landesregierung kümmere sich zu wenig. Es gebe Defizite in der
Verkehrsinfrastruktur, die die exportorientierte
Ernährungswirtschaft besonders belasteten. Die Vielzahl an
Qualitätssiegeln sorge beim Verbraucher für Verunsicherung. Die
Umweltpolitik hemme die Wirtschaft, und insbesondere die
Landwirtschaft habe zunehmend Probleme dabei, Investitions-Kredite
abzuschließen.
Auch der SSW nahm die Landesregierung in die Pflicht.
Langfristige und verlässliche Konzepte sowie Investitionen in die
Verkehrsinfrastruktur seien dringend nötig. Ein Ausweg aus der
Misere könne die Regionalisierung der Ernährungswirtschaft sein:
Rohstoffe aus der Region sollen hier verarbeitet, verkauft und
verzehrt werden.
Der Bericht wurde an die Ausschüsse Agrar und Wirtschaft
überwiesen.