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Aktuelle
Stunde zu den Steuerausfällen:
Stegner hofft auf
Reformen...
...und
kündigt Kürzungen an / CDU will Haushalt
stoppen
Kiel (lno/SHL) - Die rot-grüne Landesregierung will der
verschärften Finanzmisere Schleswig-Holsteins mit einem konsequenten
Sparkurs und umfassenden Strukturreformen begegnen. Eine von Oppositionspolitikern geforderte Haushaltssperre für das laufende
Jahr lehnte Finanzminister Ralf Stegner (SPD) am Mittwoch, 12. November 2003,
im Kieler Landtag ab. CDU und FDP warfen der Regierung in einer hitzigen
Debatte vor, die angespannte Haushaltslage selbst verschuldet zu haben. Nach der jüngsten Steuerschätzung muss das Land 2003 mit
steuerlichen Mindereinnahmen von 281,7 Millionen Euro im Vergleich
zum Haushaltsansatz rechnen. Das sind 107
Millionen Euro mehr als in der Mai-Schätzung voraus gesagt.
Kommendes Jahr sieht es ähnlich düster aus: Die Einnahmen liegen
voraussichtlich um 153 Millionen Euro unter den ursprünglichen
Ansätzen. Das Kabinett will am 20. November den Nachtragshaushalt 2003 und einen aktualisierten Haushaltsentwurf
2004/2005 vorlegen.
Stegner wies in einer Aktuellen Stunde zu den Folgen der jüngsten
Steuerschätzung darauf hin, dass trotz der Steuermindereinnahmen Wachstumsimpulse gesetzt werden müssten.
"Wir dürfen den zarten Aufschwung nicht abwürgen", sagte er. Stegner forderte die Opposition
in Land und Bund auf, den rot-grünen Reformplänen zu Verwaltungsstrukturen und Gemeindefinanzen sowie zum Vorziehen der
Steuerreform endlich zuzustimmen. Nur so könnten die Kommunen wieder
investieren und die Wirtschaft angekurbelt werden.
Grünen-Fraktionschef Karl-Martin Hentschel kündigte zudem eine
Überprüfung und mögliche Kürzungen der Leistungen des Landes an.
In den Bereichen Jugend Kinder und Bildung sowie Polizei und
Justiz werde das Land nicht kürzen, alle anderen Bereiche
gehörten dagegen auf den Prüfstand. Sein SPD-Kollege Lothar Hay sagte, eine Haushaltssperre würde nicht die
nötigen Einsparungen bringen. "Wegsparen" ließe sich das Defizit nicht mehr: Die
Wirtschaft brauche dringend Impulse; nur wenn die Konjunktur
anspringe, würden sich auch die Steuereinnahmen wieder verstetigen. Die Opposition forderte Hay – mit Blick auf die
Mehrheit der CDU-geführten Länder im Bundesrat – zur Mitarbeit
beim Subventionsabbau, bei der Gemeindefinanz- und der zweiten Stufe
der Steuerreform auf.
CDU will
Landes-Haushalt stoppen
CDU und FDP gaben der
"rot-grünen Chaospolitik" die Hauptschuld an der schlechten Finanzlage.
"Sie werden als die größte Schuldenmacherin in die Geschichte Schleswig-Holsteins eingehen",
sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Martin Kayenburg an die Adresse von
Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD). Das
Vorziehen der Steuerreform werde nicht zu einem
Wirtschaftsaufschwung, sondern nur zu einem Ansteigen der
Neuverschuldung führen, prophezeite der Oppositionsführer.
Zugleich kündigte er einen Gang zum Bundesverfassungsgericht nach
Karlsruhe an: Seine Fraktion werde versuchen, den Landes-Haushalt
mit einer einstweiligen Verfügung zu stoppen, weil die
Neuverschuldung des Landes erneut über der Verfassungsgrenze
liege. Heiner Garg (FDP) machte
nicht die weltwirtschaftliche Lage für die Konjunkturkrise
verantwortlich, sondern die Politik der rot-grünen
Bundesregierung. Die habe in den vergangenen Jahren beispielsweise
dafür gesorgt, dass Arbeit immer teurer geworden sei.
"Wir brauchen Reformen,
die neue Arbeitsplätze schaffen und die Rekordarbeitslosigkeit
abbauen", forderte Anke Spoorendonk (SSW). Dann würden
auch die Sozialausgaben wieder sinken. Ohne Wirtschaftswachstum
und eine damit verbundene Trendwende auf dem Arbeitsmarkt, gebe es
keinen Ausweg aus der Schuldenfalle.
Hauptredner:
Lothar Hay (SPD), Rainer
Wiegard (CDU), Heiner Garg (FDP), Karl-Martin Hentschel
(B´90/Grüne), Anke Spoorendonk (SSW), Finanzminister Ralf
Stegner (SPD), Martin Kayenburg (CDU), Günter Neugebauer (SPD),
Wolfgang Kubicki (FDP), Monika Heinold (B´90/Grüne),
Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD)
Hintergrund:
Schleswig-Holstein muss in diesem Jahr mit
steuerlichen Mindereinnahmen in Höhe von 281,7 Millionen
Euro im Vergleich zum Haushaltsansatz rechnen. Das ist das
Ergebnis der Novembersteuerschätzung. Damit
verschlechtert sich das Ergebnis der Steuerschätzung vom
Mai um weitere 107,1 Millionen Euro. Der
"Arbeitskreis Steuerschätzung" hatte zum
sechsten Mal in Folge seine Annahmen über die
Einnahmeentwicklung der öffentlichen Haushalte nach unten
korrigiert.
Nach Angaben des Finanzministeriums haben die
Steuerschätzer für 2004 bundesweite
Steuermindereinnahmen von fast 11 Milliarden Euro im
Vergleich zur Mai-Schätzung prognostiziert. Dies bedeute,
dass die steuerlichen Einnahmeerwartungen für das
kommende Jahr im Haushaltsentwurf des Landes um rund 153
Millionen Euro abgesenkt werden müssten. Die wichtigen
haushaltswirksamen Gesetze, die zurzeit im Vermittlungs-
oder Gesetzgebungsverfahren behandelt würden, seien in
dieser Schätzung allerdings noch nicht berücksichtigt.
Das Gesamtvolumen des schleswig-holsteinischen
Landeshaushalts beträgt im laufenden Jahr rund 8
Milliarden Euro.
Stichwort:
Über eine bestimmte Frage von
allgemeinem Interesse kann eine Aktuelle Stunde von einer
Fraktion oder von mindestens fünf Abgeordneten beantragt
werden. Die Redebeiträge einzelner Abgeordneter dürfen
nicht länger als fünf Minuten dauern und
zusammengenommen sechzig Minuten nicht überschreiten. Die
von Mitgliedern der Landesregierung in Anspruch genommene
Redezeit bleibt dabei unberücksichtigt, sollte aber dreißig
Minuten nicht überschreiten.
Eine Aktuelle Stunde findet auch statt, wenn während
einer Fragestunde ein Fragesteller die Beantwortung durch
die Landesregierung für unzureichend hält. Die
Aussprache muss unmittelbar nach Schluss der Fragestunde
verlangt und durchgeführt werden.
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Informationen: Geschäftsordnung
des Landtages S-H
(www.landesregierung-sh.de/landesrecht/1101-7fr.htm)
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