Kiel (SHL). Die deutschen Spediteure sollen
mit Start der Straßenmaut auf den deutschen Autobahnen bei der
Mineralölsteuer um 600 Millionen Euro entlastet werden. Das
teilte Wirtschaftsminister Bernd Rohwer (SPD) in einem von der
CDU beantragten Bericht am Freitag, 12. November 2004, mit. Die
Union hatte in ihrem Antrag eine Entlastung für deutsche
"Brummis" gefordert. Grund: In anderen europäischen
Ländern seien die Dieselsteuern teilweise erheblich geringer,
dadurch werde der Wettbewerb zu Lasten des einheimischen
Transportgewerbes verzerrt.
In seinem mündlichen Bericht erklärte Rohwer,
einen Teil der Mautkosten könnten deutsche Spediteure künftig
mit der Dieselsteuer verrechnen. Diese Regelung müsse
allerdings noch von der EU-Kommission genehmigt werden. Bis
Brüssel seine Zustimmung gebe, werde nur eine verringerte Maut
von 12,4 Cent pro Autobahnkilometer erhoben – das entspreche
ebenfalls einer Entlastung von 600 Millionen Euro. Die komme
allerdings nicht nur dem deutschen Transportgewerbe, sondern
auch dem Transitverkehr zu Gute, räumte der Minister ein.
Opposition: Untätigkeit / Rot-Grün:
Wahlkampftheater
CDU und FDP bemängelten, dass sich Rot-Grün in
Bund und Land trotz des verspäteten Starts der Maut bislang
nicht in Brüssel habe durchsetzen können. Die Folge: Zum Start
der Maut werde es voraussichtlich keine Kompensation für das
deutsche Transportgewerbe geben; die inländischen Spediteure
hätten damit weiter Wettbewerbsnachteile, die Zahl der
Insolvenzen drohe anzusteigen. Dem Minister warf die Opposition
Untätigkeit vor.
Die rot-grüne Regierungskoalition sowie der SSW
taten die Kritik von CDU und FDP als "Wahlkampftheater"
ab. So gehe der Vorschlag zur Kompensation des deutschen
Transportgewerbes über die Mineralölsteuer auf einen Vorschlag
zurück, den Schleswig-Holstein gemeinsam mit Baden-Württemberg
auf Bundesebene eingebracht habe. Zudem sei Kiel bei der Maut
nicht der Haupt-Ansprechpartner. Die entsprechenden
Entscheidungen würden in Berlin und letztlich auch in Brüssel
getroffen.
Der Wirtschaftsausschuss wird sich abschließend
mit dem Thema befassen.