Streichung der Eigenheimzulage:
Rot-Grün sagt "Ja"
Opposition betont Familien-Förderung und fordert
einfachere Steuern
Kiel (SHL). Die Schleswig-Holsteinische
Regierungskoalition unterstützt die Abschaffung der
Eigenheimzulage. In einer von der Union beantragten Aktuellen
Stunde stellten sich die Vertreter von Rot-Grün am Mittwoch, 10.
November 2004, hinter die Bundestags-Entscheidung, die finanzielle
Unterstützung für Häusle-Bauer zum 1. Januar 2005 auslaufen zu
lassen und die frei werdenden Mittel für Forschung und Bildung
einzusetzen. Der SSW schloss sich dieser Position weitgehend an.
CDU und FDP hingegen protestierten vehement: SPD und Grüne
verhinderten damit die Altersvorsorge der Bürger durch die
Schaffung von Wohneigentum und versetzten zudem der ohnehin
siechen Bauwirtschaft einen schweren Schlag. Vor dem Hintergrund
der aktuellen Debatte auf Bundesebene traten unterschiedliche
Positionen zum Subventionsabbau zutage.
Nur 43 Prozent der deutschen Familien lebten in
den eigenen vier Wänden, hieß es bei der CDU – damit weise das
Land im Europa-Vergleich einen niedrigen Wert auf. Hier greife die
Eigenheim-Zulage und sorge für privaten Vermögensaufbau. Die 400
Millionen Euro, die den 150.000 geförderten Familien in
Schleswig-Holstein zugute kommen, seien zudem eine Investition,
die Arbeit schaffe. Die Liberalen pflichteten bei: Die Abschaffung
sei eine reine Geldbeschaffungsmaßnahme zugunsten der von
Rot-Grün geschädigten öffentlichen Haushalte. Die Opposition
will eine Streichung erst dann in Betracht ziehen, wenn
gleichzeitig ein transparenteres Steuersystem zur Abstimmung
stehe.
Die bundeseinheitliche Zulage habe sich überlebt,
hieß es dagegen bei SPD, Grünen und Regierung, da es
keine Wohnungsnot mehr gebe. Die Mittel seien zudem überwiegend
wohlhabenden Schichten zugute gekommen. Deswegen richte sich das
Bau-Förderprogramm der Landesregierung auf die Renovierung
städtischer Altbauten und beuge damit auch der Zersiedelung der
Landschaft vor. Hierfür könnten durch die Streichung der Zulage
mittelfristig 60 Millionen Euro in Schleswig-Holstein aufgewendet
werden. Der SSW schlug eine schrittweise Abschmelzung vor, um
Planungssicherheit zu gewährleisten.
Kontroverse um Subventionsbbau
Ein weiterer Schwerpunkt der Debatte war die
Diskussion über den richtigen Subventionsabbau. Die CDU schlug
vor, unrentable Branchen wie die Solarenergie in
Schleswig-Holstein aus der Förderung zu nehmen. Die
Sozialdemokraten warfen der Union vor, sich nicht auf konkrete
Pläne festlegen zu wollen. Die Bundesregierung mache jeden Monat
einen neuen, dümmlichen Vorschlag, hieß es bei der FDP. Die
Grünen rückten die Steinkohle ins Blickfeld.
Der Beschluss des Bundestages zur Streichung der
Eigenheimzulage kann von der unions-dominierten Länderkammer
wieder einkassiert werden.
Hauptredner:
Rainer Wiegard (CDU), Renate Gröpel
(SPD), Heiner Garg (FDP), Monika Heinold (Grüne), Anke
Spoorendonk (SSW), Finanzminister Ralf Stegner (SPD), Hans-Jörn
Arp (CDU), Günter Neugebauer (SPD), Karl-Martin Hentschel
(Grüne)